Beziehungsunfähigkeit: Unfähig, sich zu verlieben

unfähig eine Beziehung zu führenNicht wenige Menschen leiden an einer sogenannten Beziehungsunfähigkeit. Sie sind also nicht in der Lage, sich in einen anderen Menschen zu verlieben. Hierbei handelt es sich um ein ernstzunehmendes Problem, das bei den Betroffenen oft tief im Unterbewusstsein verankert ist. Allerdings wird eine Beziehungsunfähigkeit häufig sehr schnell diagnostiziert, obwohl hinter dem Problem eigentlich eine Bindungsangst steckt.

Denn der Grat zwischen der Angst vor einer Beziehung und tatsächlicher Beziehungsunfähigkeit ist äusserst schmal. Hinzu kommt: Hinter der vermeintlichen Beziehungsunfähigkeit steckt in den meisten Fällen ein völlig anderes Problem.

Die Situation in Deutschland

Wie das Statistische Bundesamt festgestellt hat, gibt es in Deutschland etwa 16 Millionen Single-Haushalte. Ein häufiger Grund dafür, dass Menschen alleine leben (müssen), ist Beziehungsunfähigkeit. Besonders von diesem Problem betroffen scheint die Generation der 18- bis 35-Jähirigen zu sein, wie etwa der Autor Michael Nast in seinem Buch „Generation beziehungsunfähig“ beschreibt. Seine Thesen, die er aus seinem persönlichen Umfeld in Berlin entwickelt hat, werden von Psychologen jedoch eher kritisch gesehen. Denn in den meisten Fällen leiden Alleinlebende nicht unter dem pathologischen Problem einer Beziehungsunfähigkeit, sondern sind nur während einer bestimmten Lebensphase beziehungsunwillig. Die jeweiligen Singles wollen sich also schlicht und einfach aktuell nicht auf eine feste Partnerschaft einlassen, weil sie ihr Augenmerk auf andere Lebensbereiche gelegt haben.

Die Beziehungsunwilligkeit liegt übrigens nicht an einer mangelnden Bereitschaft, Kompromisse einzugehen, wie eine Studie aus dem Jahr 2017 gezeigt hat. Demnach ist es für 96 Prozent aller Singles zwischen 18 und 35 Jahren völlig normal, dass sie in einer Beziehung Kompromisse eingehen müssen. Und nahezu jeder Befragte ist auch bereit, dem Partner zuliebe etwas aufzugeben, was bei älteren Generationen nicht unbedingt der Fall ist.

Was versteht man unter Beziehungsunfähigkeit?

Dass jemand beziehungsunfähig ist, bedeutet noch lange nicht, dass derjenige keine Verbindung mit anderen Menschen eingehen kann. Die betroffenen Personen sind in aller Regel nämlich sehr wohl dazu fähig, einen guten Kontakt zu anderen Menschen aufzubauen und zu halten, wenngleich dieser meist eher oberflächlicher Natur ist. Dies haben die Betroffenen oftmals dahingehend perfektioniert, dass nach aussen hin der Eindruck entsteht, es handle sich bei ihnen um äusserst gesellige Zeitgenossen.

Andererseits haben beziehungsunfähige Menschen grösste Schwierigkeiten damit, stabile und feste Partnerschaften zu führen. Das zeigt sich unter anderem daran, dass sie zu Abwehr- oder Fluchtreaktionen neigen, sobald sie das Gefühl haben, dass der Partner ihnen und ihren vorhandenen Schwächen zu nahe kommt.

Was ist die Ursache für Beziehungsunfähigkeit?

Klammern in der PartnerschaftEiner der häufigsten Gründe dafür, dass Menschen unfähig sind, eine stabile Beziehung einzugehen, ist in Angst begründet. Sehr oft sind die eigentlichen Ursachen in der Kindheit zu finden: Die Betroffenen hatten schon in jungen Jahren gestörte Beziehungen, wie etwa eine zu grosse Distanz zur Mutter. Andere Experten sehen den Grund eher in Verlusterfahrungen, durch welche die Betroffenen traumatisiert wurden. In Bezug auf die Symptomatik ist man sich jedenfalls im Grossen und Ganzen einig: Beziehungsunfähige Menschen sind nicht in der Lage dazu, eine Beziehung zu einem anderen Menschen aufzubauen. Weder legen sie sich fest, noch planen sie für die Zukunft, sondern bestehen auch in einer Partnerschaft auf ihre Unabhängigkeit.

Gehen zwei Menschen eine partnerschaftliche Beziehung ein, erfordert dies jedoch beiderseits einige Voraussetzungen und Fähigkeiten. Dazu gehört neben Vertrauen und Offenheit auch die Bereitschaft, Kompromisse einzugehen. Nur dann lässt sich eine funktionierende Liebesbeziehung aufbauen und erhalten. Eine äusserst wichtige Rolle spielt dabei das gegenseitige Empathievermögen. Das bedeutet: Die Partner müssen sich in den anderen hineinversetzen können und die Bedürfnisse des anderen erkennen und respektieren. Schliesslich bringt eine feste Beziehung auch Verbindlichkeiten und Verpflichtungen der verschiedensten Art mit sich. Im Normalfall gilt, dass eine Bindung umso fester wird, je länger sie andauert. Und irgendwann im Lauf einer Beziehung wünscht sich üblicherweise mindestens ein Partner, dass sich das Zusammensein weiterentwickelt.

 

Zwei beispielhafte Ursachen, die zu Beziehungsunfähigkeit führen können:

Mögliche Ursache Auswirkungen
Mangelnde Liebe oder Fürsorge in der Kindheit Die Betroffenen haben in frühester Kindheit erfahren, dass Beziehungen nicht dauerhaft sind und dies im Unterbewusstsein manifestiert.
Enttäuschungen in einer vorherigen Partnerschaft Die Betroffenen wurden in einer früheren Partnerschaft enttäuscht und verletzen den neuen Partner unterbewusst, um zu verhindern, dass sie selbst verletzt werden.

 

Darum können beziehungsunfähige Menschen eine Bindung nicht aufrechterhalten

Menschen, die beziehungsunfähig sind, sind dagegen nicht imstande, eine enge Bindung aufrechtzuerhalten. Dieses Problems sind sie sich in seinem vollen Ausmass allerdings häufig nicht einmal bewusst. Stattdessen haben sich die Betroffenen oft aktiv dafür entschieden, keine feste Beziehung eingehen zu wollen. Doch genau das bringt das nächste Problem mit sich. Denn in ihrem tiefsten Inneren sehnen sie sich eigentlich nach Nähe und Liebe, weshalb sie ständig auf der Suche nach dem ultimativen Liebes-Glück sind. Weil sie zugleich unfähig dazu sind, sich völlig auf einen anderen Menschen einzulassen, wechseln sie die Partner in den meisten Fällen häufig. Der Grund: Sie sind nicht bereit dazu, einen Kompromiss einzugehen, stellen ihre eigenen Bedürfnisse über die des Partners und verhalten sich egoistisch. Sie geben dem Partner in der Regel auch keinen Einblick in die eigenen Gefühle, sondern verhalten sich distanziert und kühl.

Woran erkennt man, dass der Partner beziehungsunfähig ist?

Vielfach können die Partner nicht schon im Vorfeld erkennen, ob es sich bei ihrem Gegenüber um einen beziehungsunfähigen Menschen handelt, was ihnen aber auch nicht immer vollumfänglich bewusst ist. Denn gerade in der Anfangsphase einer Partnerschaft können beziehungsunfähige Menschen sehr wohl das Gefühl vermitteln, dass der Partner an erster Stelle steht. Weil sich viele beziehungsunfähige Menschen ihres Problems nicht bewusst sind, werden eventuelle Fehler bei anderen gesucht. Dadurch schaffen sie einen Rahmen, in dem die Beziehung irgendwann nur noch eine untergeordnete Rolle spielt.

Als Ausreden müssen bei beziehungsunfähigen Menschen oft Verpflichtungen wie die Arbeit oder ein zeitintensives Hobby herhalten, damit sie sich persönlich abgrenzen können. Damit halten sie allerdings die Person, die sie vermeintlich lieben, auf Distanz. Der beziehungsunfähige Mensch schliesst seinen Partner also gewissermassen aus dem eigenen Leben aus und stellt ihn oft nicht einmal der eigenen Familie oder Freunden vor. Oftmals wird als Erklärung für dieses Verhalten angeführt, dass schliesslich jeder Partner seinen eigenen Lebensbereich und vor allem persönliche Freiheit brauche. Diese Begründungen sind allerdings lediglich ein Vorwand des beziehungsunfähigen Partners, der Angst davor hat, sich in eine Abhängigkeit zu begeben. Denn er erhält sich damit keine Freiräume, sondern baut im Gegenteil Mauern auf.

Wenn das Scheitern einer Beziehung vorprogrammiert ist

Vorstellungen vom PartnerWeil sich der beziehungsunfähige Partner nicht festlegen kann und will, entwickelt er im Lauf der Beziehung Verhaltensmuster, die diese langfristig gesehen zwangsläufig zum Scheitern bringen müssen. Er verletzt und betrügt den Partner, sei es nun bewusst oder unbewusst. Hinzu kommt, dass beziehungsunfähige Menschen oft äusserst unzuverlässig sind. So halten sie beispielsweise Verabredungen nicht ein und wollen die ganze Beziehung möglichst unverbindlich gestalten. Deshalb lehnen sie Pläne für die Zukunft entweder grundsätzlich ab oder machen einen Rückzieher, bevor diese umgesetzt werden.

Damit ebnen sie auf eine subtile Art und Weise den Weg, der zwangsläufig zu einem Ende der Beziehung führt. Der Beziehungsunfähige verletzt den Partner also selbst im Vorfeld – allein aus Angst davor, selbst verletzt zu werden. Dahinter verbirgt sich allerdings eine Unsicherheit, die sich auf vielfältige Weise äussern kann. Die Bandbreite reicht hier von Launenhaftigkeit bis hin zur Untreue.

Ein weiteres Merkmal, das charakteristisch für Beziehungsunfähigkeit ist, besteht darin, dass übertrieben hohe Ansprüche an den Partner und die Beziehung gestellt werden. Weil der Partner diesen Ansprüchen oft eben nicht genügen kann, liefert das schliesslich – aus Sicht des beziehungsunfähigen Partners – die Rechtfertigung für ein Scheitern der Beziehung. Ein beziehungsunfähiger Mensch arbeitet also im Endeffekt mit seiner destruktiven Verhaltensweise von Anfang an unmittelbar auf die Trennung hin.

Wie wirkt Beziehungsunfähigkeit auf den Partner?

Der Partner eines beziehungsunfähigen Menschen steht nur allzu oft vor einem Rätsel. Schliesslich kann er das Verhalten des Partners ebenso wenig nachvollziehen wie die Tatsache, dass dieser sich nicht mitteilt. Denn beziehungsunfähige Menschen gelten im Allgemeinen emotional als äusserst verschlossen und sind oft nicht dazu fähig, sich gegenüber anderen Menschen zu öffnen. Für sie scheint es unmöglich zu sein, die eigenen Ängste und Emotionen zu verbalisieren. Aus diesem Unvermögen heraus wiederum resultiert die abweisende Haltung, die sich natürlich wiederum negativ auf das zwischenmenschliche Zusammensein auswirkt. In vielen Fällen kommt es deshalb auch zu mehrfachen Trennungen und Versöhnungen, bis schliesslich einer der Partner einen finalen Schlussstrich unter die Beziehung zieht.

Dass die Betroffenen ihre Bedürfnisse nur mangelhaft kommunizieren können, führt in vielen Fällen dazu, dass der Problematik nicht entgegengewirkt werden kann. Denn weil beziehungsunfähige Menschen meist nicht in der Lage dazu sind, dem Partner mitzuteilen, was in ihnen vorgeht, wird dieser gewissermassen aus dem Leben ausgeschlossen. Der erste und wohl wichtigste Schritt um das Problem zu lösen, besteht also darin, dieses überhaupt als solches zu erkennen und offen anzusprechen. Das ist vor allem dann schwierig, wenn die Ursachen der Problematik in der frühesten Kindheit verborgen sind.

Hat es an Fürsorge und Liebe gefehlt?

Bei Menschen, die in den ersten Lebensjahren nur wenig Liebe und Fürsorge empfangen haben, setzt sich dies im Unterbewussten fest. Dieses Defizit aus der Kindheit setzt sich schliesslich während des gesamten Lebens fort und kann von den Betroffenen nicht so einfach abgeschüttelt werden. Wollen die Partner dieses Problem gemeinsam lösen, müssen sie dafür viel Zeit und ebenso viel Geduld aufbringen.

Liegen die Ursachen einer Beziehungsunfähigkeit nicht in der Kindheit, liegt der Grund oft in einer vorherigen Partnerschaft. Wurde der Beziehungsunfähige hier enttäuscht und verletzt, kann das zu einer regelrechten Bindungsphobie auswachsen. Weil sich hier die Ursachen leichter ausmachen lassen, können die Betroffenen ihre Problematik aber oft aus eigener Kraft aufarbeiten.

Hat jemand das Gefühl, selbst beziehungsunfähig zu sein, sollte er dies keinesfalls als gegeben hinnehmen, sondern versuchen, eine Lösung für das Problem zu finden. Es ist zwar sicher alles andere als einfach, über das Problem zu sprechen, unmöglich ist es allerdings nicht. Es ist nämlich äusserst wichtig, sich selbst und den Partner mit der Tatsache zu konfrontieren. Nur so können sich die Betroffenen aus der Negativspirale, in der sich eine missglückte Beziehung an die andere reiht, befreien. Der Schlüssel zum Erfolg besteht darin, vorhandene Ängste zu erkennen und diese auch benennen zu können.

Nur auf diese Weise ist es möglich, dass der Partner Verständnis für die Situation aufbringen kann und entsprechende Unterstützung gibt. Wenn die Liebe gross genug ist, besteht nämlich durchaus eine Chance dafür, dass beide Partner lernen, wie sie miteinander eine Beziehung führen können. Das gelingt allerdings nur in kleinen Schritten. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist das gegenseitige Verständnis. Darüber hinaus sind – vielleicht viele – intensive Gespräche notwendig, bis sich ein Fortschritt erkennen lässt.

In vielen Fällen ist zusätzlich professionelle Hilfe notwendig. Den Betroffenen und ihren Partnern gibt dies zudem eine gute Möglichkeit dafür, sich ihrem Problem anzunähern. Hier steht zunächst natürlich einmal die Ursachenforschung im Vordergrund. Erst wenn der Auslöser für die Beziehungsunfähigkeit gefunden wurde, können die Betroffenen die Problematik aufarbeiten und mit Hilfe einer unterstützenden Beratung zukünftig eine vertrauensvolle und langfristige Beziehung führen.

Fazit

Sich von Beziehungsunfähigkeit zu befreien, ist für die Betroffenen in der Regel kein leichter Weg. Denn die Lösung für das Problem zu finden ist – wie bei nahezu allen psychischen Problemen – ein langsamer und kontinuierlicher Prozess. Dieser verlangt den Beteiligten, allen voran dem Betroffenen, natürlich einiges ab. Doch für viele lohnt es sich, diesen beschwerlichen Weg zu gehen. Schliesslich haben sie dann die Chance darauf, eine glückliche Partnerschaft an der Seite des Menschen, der diesen Weg mit ihnen gegangen ist, zu führen. Eine bessere Zukunftsperspektive dürfte es wohl kaum geben.

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Beziehungskrise: So finden Sie Auswege aus der Krise!

Krise in der BeziehungDas Problem kennt wohl jeder, der eine oder mehrere Partnerschaften hinter sich hat: Ganz am Anfang, wenn noch die Schmetterlinge im Bauch heftig flattern und der Himmel voller rosaroter Wolken hängt, sind beide Partner der felsenfesten Überzeugung: Diesmal ist es für immer und nichts kann uns trennen! Doch irgendwann – manchmal sind es nur Monate, manchmal vergehen Jahre – schlittern zahlreiche Beziehungen in eine Krise.

Vielfältige Ursachen können Beziehungskrisen auslösen. Wenn die Partner die ersten Anzeichen erkennen und auch bereit sind, gemeinsam an ihrer Partnerschaft zu arbeiten und dieser neuen Schwung zu geben, müssen Krisen aber nicht zwangsläufig auch zu einer Trennung führen. Sofern sich kein absoluter Beziehungskiller in die Zweisamkeit eingeschlichen hat, kann die Beziehung im Gegenteil sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Wichtig: Die Krise rechtzeitig erkennen

Partner ist eifersüchtigIn aller Regel schlittert ein Paar nicht von jetzt auf gleich in eine Beziehungskrise. Das kommt in den seltensten Fällen vor, beispielsweise wenn der Seitensprung eines Partners ans Licht kommt und sich der andere betrogen fühlt. Sehr viel öfter beginnt eine Beziehungskrise schleichend und kündigt sich schon lange im Vorfeld an. Wichtig ist es deshalb für beide Partner, die Gründe und Anzeichen frühzeitig zu erkennen.

Dann können sie die Beziehungsprobleme gemeinsam – und gegebenenfalls mit professioneller Hilfe – lösen, bevor die Beziehung auseinanderbricht oder die Ehe geschieden wird. Ein gefährlicher Zeitpunkt für eine Krise sind übrigens die ersten Wochen und Monate, nachdem ein Paar zusammengezogen ist. Denn nun erleben die Partner den Alltag gemeinsam und ungeschönt, wobei in der gemeinsamen Wohnung oft ein Rückzugsort für beide Partner fehlt. In vielen Situationen sind nun Konflikte vorprogrammiert, die gemeinsam gelöst werden müssen oder eben zur Trennung führen können.

Diese Gründe können zu einer Beziehungskrise führen

Streitfaktor 1: Die Hausarbeit

In vielen Fällen ist die leidige Hausarbeit Grund für einen Streit. Das betrifft vor allem Paare, in denen beide Partner berufstätig sind. Der häufigste Streitpunkt ist die gerechte Aufteilung der Hausarbeit, wobei sich ein Partner durchaus benachteiligt fühlen kann, obwohl die anfallenden Arbeiten zeitmässig gerecht aufgeteilt sind. Dies ist dann der Fall, wenn ein Partner die unliebsamen Arbeiten übernehmen muss, etwa das tägliche Kochen – schlicht und ergreifend, weil der Partner nicht kochen kann.

Die Hausarbeit kann übrigens auch zu einem Problem werden, wenn beide Partner ihren eigenen Haushalt haben: Ist einer der beiden Partner häufiger beim anderen zu Besuch als umgekehrt, fühlt sich der Gastgeber unterschwellig oft ausgenutzt.

 

Streitfaktor 2: Das liebe Geld

Auch wenn die Partner schon länger zusammenleben, kann es des Öfteren Streit ums Geld geben. Die typische Konstellation: Einer der Partner ist eher sparsam, während der andere Partner sich selbst und seinem Partner gerne das eine oder andere Stück Luxus im Alltag gönnt. In dem Fall ist es übrigens oft unerheblich, ob das Paar nur ein begrenztes Budget hat oder ausreichend Geld vorhanden ist.

 

Streitfaktor 3: Rauchen

Ein häufiger Konfliktpunkt ergibt sich, wenn einer der Partner raucht, der andere aber nicht. Sich auf Biegen und Brechen und nur aus Liebe zum Partner das Rauchen abzugewöhnen, ist allerdings eine denkbar schlechte Idee, weil der Raucher auf Entzug oft schon bei Kleinigkeiten gereizt reagiert und sich daraus erst recht ein unnötiger Streit ergeben kann. Die bessere Alternative besteht darin, die Wohnung in einen Raucher- und einen Nichtraucherbereich aufzuteilen.

 

Streitfaktor 4: Eifersucht

Vor allem, wenn ein Partner offen und kontaktfreudig ist und auch gerne einmal flirtet, während der andere eher in sich gekehrt ist, kann Eifersucht reifen. Gibt es einen Grund für die Eifersucht, etwa weil Fremdgehen schon einmal ein Problem war, sollte die Partnerschaft besser gleich beendet werden. Entsteht Eifersucht durch ein mangelhaftes Vertrauen in den Partner, sollte das Paar gemeinsam an diesem Punkt arbeiten.

 

Streitfaktor 5: Kinderwunsch

Spätestens mit Mitte 30 kann ein nicht erfüllter Kinderwunsch zu einem existenziellen Problem für eine Partnerschaft werden. Während sich der eine Partner vielleicht in der Zweisamkeit rundum wohl fühlt, möchte der andere gerne eine Familie gründen. Und während ein Partner möglicherweise bereits mit einem Kind vollkommen erfüllt ist, möchte der andere vielleicht eine kleine Kinderschar um sich herum haben.

 

Streitfaktor 6: Die Zeit der Schwangerschaft

Oft kriselt es in einer Partnerschaft ausgerechnet in der glücklichsten Zeit. Nämlich dann, wenn die Frau schwanger ist und das perfekte Familienglück in greifbarer Nähe liegt. Der Grund: Die hormonelle Umstellung im Körper der Frau führt oft dazu, dass sie sich völlig anders verhält als normal und beispielsweise oft grundlos gereizt ist. Auch daraus kann sich ein Streit entwickeln.

 

Streitfaktor 7: Die Kindererziehung

In Fragen der Erziehung sollten sich die Partner im Idealfall schon vor oder spätestens während der Schwangerschaft einig sein und später dem Kind gegenüber Einigkeit demonstrieren. Verfolgen beide Partner nämlich unterschiedliche Erziehungsziele, lernt das Kind schnell, wie es die Eltern gegeneinander ausspielen kann, was natürlich für Streit sorgt.

 

Streitfaktor 8: Gegensätze, die sich nicht ergänzen

Was am Anfang bei vielen Paaren für zusätzliches Prickeln sorgt, kann sich später im Alltag als wahrer Beziehungskiller herausstellen: Zwar heisst es gemeinhin, dass sich Gegensätze anziehen. Im Beziehungs-Alltag kann es allerdings sehr schnell passieren, dass sich die vermeintlich spannenden Gegensätze so gar nicht ergänzen wollen.

 

Streitfaktor 9: Die persönliche Vergangenheit

Noch nicht verheilte Wunden aus der Vergangenheit können eine massive Belastung für eine Partnerschaft darstellen. Die Verletzungen können durch Betrug, Verlust, Verunsicherung oder Angst verursacht worden sein – nicht einmal unbedingt vom aktuellen Partner. In der neuen Partnerschaft kann dann schon das kleinste Anzeichen ausreichen, um die alten Wunden wieder aufzureissen.

 

Wie lässt sich ein Streit lösen?

Wie in der Auflistung beschrieben, zählt ein Streit, also eine offen ausgetragene Meinungsverschiedenheit, zu den häufigsten Gründen für Beziehungsprobleme. Der Streit kann sowohl einen positiven als auch einen negativen Verlauf nehmen. Hierzu ein Beispiel:

 

Phase 1: Der Grund für den Streit

Der Streit entsteht, weil ein Partner verschmutzte Wäsche irgendwo in der Wohnung hat liegen lassen. Bei einem negativen Streitverlauf steigern sich die Partner in die eigene Position hinein, werden unter Umständen laut und beschimpfen sich vielleicht sogar. Ein positiver Verlauf würde so aussehen, dass der verärgerte Partner erst einmal seinem Ärger Luft macht und sich der „Schuldige“ rechtfertigt oder entschuldigt. Schliesslich könnte während des Aufräumens ja auch etwas dazwischen gekommen sein, und der Partner hat es schlicht vergessen.

 

Phase 2: Unversöhnlichkeit

Jeder Partner beharrt auf seinem Standpunkt. Eine Einigung ist nicht möglich. Der Partner legt das unerwünschte Verhalten erst recht an den Tag.

 

Phase 3: Resignation

Einer oder beide Partner resignieren. Weitere Fehler des anderen werden gesucht. Die Gespräche enden meist in einem Streit.

 

Phase 4: Trennung

Rettungsversuche scheitern. Die Partner sprechen nur noch das Nötigste miteinander. Einer oder beide Partner ziehen die Konsequenzen und sie trennen sich.

 

Diese Anzeichen deuten eine Beziehungskrise im Vorfeld an

Werden die Anzeichen für eine Beziehungskrise rechtzeitig erkannt, können beide Partner daran arbeiten und so rechtzeitig möglicherweise eine Trennung verhindern, bevor sie sich überhaupt anbahnt. Im Grunde geht es nämlich nur um Verhaltensmuster, die sich bei einem Partner oder bei beiden einschleichen:

 

Anzeichen 1: Mangelnde oder fehlende Unterstützung

In der Anfangsphase einer Beziehung helfen und unterstützen sich die Partner bei jeder noch so kleinen Erledigung. Irgendwann schiebt ein Partner jedoch immer häufiger Gründe vor, warum er genau dafür keine Zeit hat. Der Partner, der sich alleingelassen fühlt, sollte seinem Gegenüber klar machen, dass dessen Hilfe extrem wichtig für ihn ist.

 

Anzeichen 2: Kein Interesse mehr am Partner

Zwar teilen die Partner nach wie vor Tisch und Bett miteinander, doch im Grunde leben sie aneinander vorbei, reden immer seltener miteinander und gehen zunehmend ausschliesslich ihren eigenen Interessen nach. Zeigt der Partner jedoch kein Interesse mehr, fühlt sich der andere schnell ungeliebt und abgelehnt. In diesem Fall sollten sich beide Partner nicht scheuen, über ihre Gefühle zu sprechen.

 

Anzeichen 3: Respektlosigkeit

Gegenüber Freunden oder der Familie schlecht über den Partner zu reden, gilt als absolute Todsünde in jeder Beziehung. Dem Partner sollte in diesem Fall klar gemacht werden, dass sein Verhalten extrem verletzend ist. Auch ein Hinweis darauf, dass das Umfeld davon unangenehm berührt sein und sich zurückziehen könnte, kann nicht schaden.

 

Anzeichen 4: Erniedrigungen und Machtspiele

Hackt ein Partner ständig auf den Schwächen des anderen herum, ist dies auf Dauer extrem schmerzhaft. Das permanente Nörgeln, Belächeln, Berichtigen oder Kritisieren, ist geradezu ein Synonym dafür, dass es in der Beziehung krankt. Dem Partner sollte erklärt werden, wie sich das „Opfer“ dabei fühlt. Auch eine Ursachenforschung empfiehlt sich, denn vielleicht steckt hinter dem Verhalten ja eigene Unsicherheit.

 

Anzeichen 5: Vorwürfe

Ein absoluter Beziehungskiller sind ständige Vorwürfe und Schuldzuweisungen. Pauschale Vorwürfe sollten deshalb tunlichst vermieden werden, während der Angegriffene die Vorwürfe durchaus selbstkritisch überprüfen sollte, ob es vielleicht tatsächlich Punkte gibt, an denen er arbeiten sollte. Der falsche Weg ist, sich beleidigt abzuwenden oder verletzt zurückzuschiessen.

 

Anzeichen 6: Dauerstreit

Wenn jedes Gespräch nur noch im Streit endet, ist dies ein Anzeichen für eine tiefe Krise, wenn es im Anschluss keine liebevolle Versöhnung gibt. Hier sollten sich beide Partner etwas zurücknehmen und keinesfalls unfair, verletzend oder laut werden. Erfolgt ein Angriff aus dem Nichts, sollte dem Partner seine Irrationalität klar gemacht werden.

 

Anzeichen 7: Emotionale Erpressung

Der Partner gibt nur Zuneigung und Unterstützung, wenn ihm alles recht gemacht wird? Der Partner sollte sich keinesfalls verbiegen, sondern deutlich machen, inwieweit er kompromissbereit ist und erklären, wann eine – vielleicht – berechtigte Kritik in einen Erziehungsversuch umschlägt.

 

Anzeichen 8: Schweigen

Wird in der Partnerschaft nur noch über alltägliche Banalitäten gesprochen, hat die Entfremdung bereits begonnen. Hilfreich ist es, den Partner darauf hinzuweisen, dass er über alles reden kann.

 

Anzeichen 9: Die Sexualität leidet

Zwar wird Sex mit zunehmender Dauer einer Beziehung unwichtiger und damit auch seltener, trotzdem sollte keiner der beiden durch die Situation gefrustet sein. Hier helfen eine gemeinsame Analyse der Situation und die gemeinsame Suche nach einer Lösung.

 

Anzeichen 10: Untreue

Fremdgehen ist zunächst einmal eine schmerzhafte Wahrheit für den Betrogenen. Jedoch sollte dieser die Situation auch als Chance wahrnehmen. Diese Situation ist nämlich die beste Gelegenheit für einen Neuanfang – ob mit oder ohne den Partner.

 

Wie lassen sich Beziehungskrisen lösen?

Grund für Beziehungskrise: Finanzielle StreitigkeitenUm eine Beziehungskrise zu lösen und die Partnerschaft zu retten, sollten die Partner zunächst einmal miteinander reden, um herauszufinden, wer oder was die Krise verursacht hat. Denn oftmals stellt sich dann heraus, dass einer der Partner sich oder sein Verhalten massiv geändert hat.

Das muss nicht unbedingt an ihm selbst liegen, sondern kann durchaus auch von aussen verursacht worden sein. Beispielsweise kann einer der Partner in seinem Job massiv unter Druck stehen oder er wird von seinen Kollegen gemobbt und möchte mit dem Partner nicht darüber reden, um ihn nicht unnötig zu belasten. Dieser an sich gute und fürsorglich gemeinte Ansatz kann jedoch schon bald in einer regelrechten Beziehungskatastrophe enden.

Natürlich kann die Situation bereits so verfahren sein, dass die Partner nicht mehr in der Lage dazu sind, ruhig und sachlich miteinander zu reden. Die Partner haben nun mehrere Möglichkeiten, wenn beiden etwas an der Beziehung liegt.

  • Eine Beziehungspause kann beiden Partnern dabei helfen, etwas Abstand zur Situation und zum Partner zu gewinnen und die Situation bald sachlicher und frei von Emotionen zu betrachten. Dann können beide nach einem gewissen zeitlichen Abstand wieder konstruktiv miteinander reden.

 

  • Gegebenenfalls kann es auch nicht schaden, eine Paarberatung aufzusuchen oder eine Paartherapie zu beginnen. Hier steht eine neutrale dritte Person zwischen den Partnern, welche die Situation neutral betrachtet und deshalb besser analysieren kann. Das Gespräch mit einem Dritten bietet zudem den Vorteil, dass die Emotionen nicht hochkochen können und so sinnvoll nach einem Lösungsweg aus der scheinbar verfahrenen Situation gesucht werden kann. Freunde sind übrigens in einer Beziehungskrise denkbar schlechte Mediatoren. Der Grund: Sie stehen für gewöhnlich einem der Partner näher und schlagen sich – wenn auch nur unbewusst – auf dessen Seite.
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Polyamorie: Kann Mehrfachliebe langfristig funktionieren?

polyamorAllein die Frage ist für viele schon ein Tabu: Kann man mehr als eine Person lieben? Liebe zu dritt, die Polyamorie, ist für die meisten ein nicht nachvollziehbarer Zustand, ein Selbstbetrug, gar eine Perversion. Aber warum eigentlich? Gibt es doch in unserer Gesellschaft einen Konsens: Liebesbeziehungen müssen heute nicht in erster Linie gesellschaftlichen Konventionen entsprechen, sondern müssen nur denen gefallen, die daran beteiligt sind.

Das hat unsere Gesellschaft soweit akzeptiert: Verschiedene Partner im Laufe des Lebens? Homosexualität? Zusammenziehen oder nicht? Heiraten oder nicht? Kinder oder nicht? Alles eine Frage der Vorlieben. Entscheidungen, die vom Rest der Welt toleriert werden müssen. Warum gilt dann aber die Idee, dass man mehr als einem Menschen zur gleichen Zeit amouröse Gefühle entgegenbringen kann, immer noch als derart abwegig?

Was ist Polyamorie?

Polyamor ist eine Liebesbeziehung mit sexueller Komponente zwischen drei oder mehr Personen, die voneinander wissen.

Die Polyamorie ist nicht das gleiche wie eine offene Beziehung. Hier geht es nicht um eine Zweierbeziehung, in der sich beide Partner einig sind, dass sexuelle Bedürfnisse auch mit anderen Menschen ausgelebt werden dürfen, ohne dass dies als Untreue oder Fremdgehen ausgelegt wird. Viele offene Beziehungen definieren sich so: Sex mit Dritten ist legitim, amouröse Gefühle hingegen sind die Grenze. Bei der Polyamorie ist es das Gegenteil. Hier geht es eben darum: dass man mehr als einer Person gegenüber romantische Gefühle empfinden und ausleben kann. Wichtig ist dabei auch, dass die anderen Partner von der Existenz der anderen wissen und möglicherweise ebenfalls eine Beziehung zueinander haben – möglicherweise ebenfalls eine sexuelle.

Eine polyamore Partnerschaft hat in der Psychologie keine streng wissenschaftliche Definition.

  • Es kann bedeuten, dass alle drei Partner eine sexuelle Beziehung zueinander haben. Das wäre eine klassische Dreiecksbeziehung, in der jeder Punkt des Dreiecks mit jedem anderen verbunden ist (A+B, B+C, C+A). Eine Dreiecksbeziehung kann logischerweise nur bei bi- oder homosexuellen Konstellationen entstehen.
  • Bei heterosexuellen polyamoren Konstellationen spricht man von einer V-Beziehung, in der eine Person je mit zwei Partnern des anderen Geschlechts romantisch verbunden ist, diese beiden untereinander aber nicht (A+B, B+C, nicht aber C+A). Allerdings können die nicht liierten Elemente des Dreiergespanns ebenfalls eine Beziehung zueinander haben – eine freundschaftliche.

Können polyamore Beziehungen langfristig funktionieren?

„Das kann doch nicht gutgehen!“ Diesen Spruch hört man häufig, wenn es um eine Ménage-à-trois geht. Gegenfrage: In welcher Beziehung hat man eine Garantie dafür, dass sie gutgeht? Die Scheidungsrate in der Schweiz liegt bei ca. 50 Prozent: Ein klares Indiz dafür, wie oft ernstgemeinte, verbindliche Beziehungen in die Brüche gehen. Mit anderen Worten: Beziehungen können scheitern – aus tausenden von Gründen. Warum also sollte man ausgerechnet polyamore Beziehungen ablehnen, weil man ihre Haltbarkeit anzweifelt?

Angriff auf alte Muster

polyamorie: mehrere Männer lieben eine FrauPolyamore Beziehungen fordern die Grundstruktur unseres Bildes von Liebesbeziehungen heraus, die da lautet: Ist das Ziel immer die eine grosse, wahre Liebe?

Der Glaube an die grosse Liebe steckt tief in unserer Kultur. Einen Partner zu finden und für immer mit ihn/ihr zusammen zu bleiben, ist ein Ideal, das uns von klein auf durch Myriaden Bücher, Filme und von unserem Umfeld eingebläut wird. Nicht zuletzt fördern staatliche Begünstigungen das verbürgte Zusammenleben zu zweit – die Ehe – in Form von Steuervergünstigungen und anderen Privilegien, die man in unverbindlicheren Beziehungsformen (Freund/Freundin, Konkubinat) nicht hat.

Doch diese Ideale sind in den letzten Jahrzehnten in Auflösung. Ehen können geschieden werden – was ausgiebig in Anspruch genommen wird (siehe oben). Von jungen Menschen wird quasi erwartet, dass sie mehrere Liebschaften haben und verschiedene Partner ausprobieren, bevor sie sich für einen entscheiden. Doch entscheiden sollen sie sich… denn auch wenn sexuelle Freiheit gestattet ist und ausgelebt werden soll, lastet doch der Druck auf uns allen, früher oder später „anzukommen“ und uns auf einen Partner zu beschränken.

Abschied vom Ideal „Traumprinz/Traumfrau“

Polyamore Beziehungen sind der Fehdehandschuh, der diesem Ideal vor die Füsse geworfen wird. Der Grund: In jeder monogamen Beziehung, so unverbindlich sie auch sein mag, steckt im Prinzip die Chance – und oftmals die latente Erwartung – dass es die wahre Liebe, das grosse Glück, die eine, die letzte, die Beziehung für immer ist. Dahinter steckt immer noch das sich mit erstaunlicher Hartnäckigkeit haltende Ideal, dass man den einen Partner findet, mit dem man alles teilen kann und der alle Bedürfnisse erfüllt.

Das Bild einer polyamoren Beziehung zu dritt führt einem die Tatsache, wie sehr man von diesem Ideal geprägt ist, brutal vor Augen. Eine Dreierbeziehung zeigt ganz deutlich: Die Liebe exklusiv zwischen zwei Menschen ist nicht das einzig mögliche Happy End. Wenn der Partner nicht alle Bedürfnisse erfüllen kann, muss man nicht zwangsläufig zwischen diesem Partner oder dem Bedürfnis entscheiden – sondern holt sich Befriedigung von einem Dritten.

 

INFO-BOX: Ist Liebe zu dritt erlaubt?

Untreue in der Ehe ist in der Schweiz nicht mehr strafbar (seit 1989), sondern höchstens ein Grund dafür, die Wartezeit bei einer einseitigen Scheidung zu verkürzen. Verboten ist Polyamorie also nicht, auch wenn einer oder zwei der Beteiligten verheiratet sind.

Schwieriger ist es für gläubige Christen, einen polyamoren Lebensstil und ihren Glauben zu vereinbaren, schliesslich sagt das sechste Gebot klar und deutlich: Du sollst nicht ehebrechen. Da sexuelle Beziehungen im Christentum grundsätzlich nur in den Grenzen einer monogamen Ehe gestattet sind, ist die Liebesbeziehung zu mehreren Personen nicht erlaubt.

Die Ehe ist allerdings auch säkular betrachtet die Grenze. Polygamie, also Vielehe, ist nicht nur im Christentum, sondern auch nach dem Schweizerischem Strafgesetzbuch verboten.

 

Probleme & Chancen polyamorer Beziehungen

polyamore partnerschaftEine Beziehung zwischen Polyamoristen bedeutet natürlich mehr Arbeit. Schon zu zweit ist es schwer, jeweilige Bedürfnisse, Vorstellungen und Ansprüche unter einen Hut zu bringen. Zu dritt verdoppelt sich diese Arbeit nicht nur – sie verdreifacht sich.

Grosse Veränderungen im Leben eines Partners haben nicht mehr nur Einfluss auf nur einen, sondern gleich zwei andere Menschen. Möchte z.B. einer der Partner mit den beiden anderen zusammenziehen, müssen drei Menschen sich jeweils miteinander arrangieren – oder die Spannungen aushalten, die entstehen, wenn einer aus der Konstellation nicht zu diesem Schritt bereit ist.

Auch kann es schmerzhafter als eine „normale“ Trennung sein, wenn eine der Partnerschaften in einer V-Konstellation beendet wird und der Verlassene zusehen muss, wie die beiden anderen weiterhin glücklich miteinander sind – hier wird man häufig schliesslich nicht nur von einem Menschen, sondern quasi von einer kleinen Ersatzfamilie verlassen.

Nicht zuletzt ist es der Mangel an Vorbildern, der Mehrfachbeziehungen verkompliziert. Hier fehlen das Erleben und das Betrachten funktionierender Muster, wie wir es von Zweierbeziehungen oder Ehen kennen und tagtäglich um uns sehen. Eine polyamore Beziehung muss sich immer wieder neu erfinden – das ist schwere emotionale Arbeit, zu der nicht jeder bereit ist oder für die man in jeder Lebenslage die Kraft hat.

Die meisten Menschen, die sich auf das Experiment „Polyamorie“ einlassen, sind kinderlos und ungebunden – sei es, weil sie sehr jung oder schon älter sind. Zwar gibt es keine Hinweise darauf, dass es für Kinder schädlich sei, mit polyamoren Eltern(teilen) aufzuwachsen, doch die Tatsache, dass polyamore Beziehungen durch fehlende Muster und Vorbilder schneller Veränderungen unterworfen sind und jeder das Thema für sich anders definiert, sorgt für eine Unsicherheit, dass viele Menschen für zu Instabil für Kinder halten – auch viele, die der Polyamorie gegenüber grundsätzlich nicht abgeneigt sind.

Gleichzeitig gibt es in polyamor bereicherten Beziehungen auch die Chance, sich von einem Partner zu holen, was der andere nicht geben kann oder mag: Ein Grad an Nähe, die Menge miteinander verbrachter Zeit, Redebedürfnis, gemeinsame Interessen, sexuelle Praktiken oder Sexualität an sich…  Eine Beziehung zu dritt kann also auch positive, beziehungsstärkende Eigenschaften haben und eine Mitfreude bringen, die Monogamie nicht bietet.

Polyamorie: Das neue Ideal? Nein…

…denn die Ehrlichkeit, alte Beziehungsformen zu hinterfragen, erfordert auch, sich selbst ein- und anderen zuzugestehen, dass diese Beziehungsform nicht für jedermann geeignet ist. Wer lieber monogam leben möchte, soll nicht plötzlich gezwungen sein, in einer polyamoren Beziehung leben zu müssen. Zwar lohnt es sich, darüber nachzudenken, ob das Ideal der grossen Liebe nicht veraltet ist. Doch es ist nach wie vor jedermanns Recht, Eifersucht zu empfinden und sich aus einer Beziehung zu lösen, wenn der Partner sich in einen anderen verliebt. Das gilt auch, wenn der Partner konstatiert, sowohl den alten als auch den neuen Partner zu lieben.

 

Links:

Schweizer Plattform zum Thema:

https://www.polyamory.ch

Polyamorie in der Praxis (Ein Leserartikel in der „Zeit“):

http://www.zeit.de/community/2015-06/polyamorie-beziehungsnetzwerk-erfahrung

 

Peter Pan Syndrom: Symptome & Umgang mit Betroffenen

Jeder von uns hat schon mal eine wichtige Entscheidung oder eine unangenehme Aufgabe vor sich hergeschoben. Jeder von uns hatte Phasen, in denen er mehr an seinen Spass als an den Ernst des Lebens gedacht hat. Aber ab wann ist dieses Verhalten destruktiv für uns oder andere? Und kann es sogar krankhaft sein?

Männer, die nicht erwachsen sein wollen

Peter Pan SyndromDer Name „Peter-Pan-Syndrom“, in Anlehnung an den berühmten Jungen aus der Kindergeschichte, der sich im Nimmerland, einer fantastischen Parallelwelt, versteckt hält und nie erwachsen werden möchte, stammt aus einem populärwissenschaftlichen Ratgeber des Familientherapeuten Dan Kiley. Der schrieb ein Buch über Männer, die sich – vereinfacht ausgedrückt – wie Kinder benehmen.

Das kann sich darin äussern, dass gesellschaftliche Regeln nicht eingehalten werden, betroffene Personen vermeiden, verbindliche Beziehungen einzugehen, Verantwortung scheuen, sich Fehler nicht eingestehen oder wichtige Aufgaben verschleppen.

Und nicht zuletzt sammeln einige von ihnen Frauenherzen und lassen sie gebrochen zurück. Im Gegensatz zu Peter Pan stehen betroffene Männer aber nicht vor der Wahl, erwachsen zu werden oder nicht. Sie sind erwachsen. Sie handeln nur nicht entsprechend. Und das kann schwere Auswirkungen auf ihr Umfeld und ihre Mitmenschen haben.

Was sind die Ursachen für das Peter-Pan-Syndrom?

Das Peter-Pan-Syndrom ist auch bekannt unter dem Namen „Puer aeternus“ (der ewige Junge). Psychologen, die das Peter-Pan-Syndrom als eigenständiges Phänomen betrachten, sehen die Ursache in einer mangelnden Aufarbeitung dominanter Elternfiguren der Betroffenen und dem Gefühl, den an sie gesetzten hohen Ansprüchen aus der Kindheit nicht gerecht werden zu können. Gegen dieses Schuldgefühl wird rebelliert, indem man sich gegen das Funktionieren, gegen das „Erwachsensein“ an sich wehrt.

Der Hintergrund ist also Angst. In erster Linie Angst vor dem Versagen. Aber auch davor, sich anderen Menschen gegenüber zu öffnen. Mit der Nähe zu einem anderen Menschen würde der Betroffene sich einerseits verletzlich machen, andererseits hat er Angst davor, das entgegengebrachte Vertrauen des anderen zu enttäuschen. Eine Aufgabe gar nicht erst anzugehen bzw. Menschen gar nicht erst an sich heranzulassen, ist also eine Vermeidungsstrategie, um den Quellen der Angst auszuweichen.

 

Wie äussert sich das Peter-Pan-Syndrom?

Typische Verhaltensweisen sind:

  • Verantwortungslosigkeit: Der Betroffene verweigert sich Schritten, die für ein Vorankommen oder das Lösen aus einer stagnierenden Lebenssituation wichtig sind. Entstehen schwierige Situationen, wird das Problem heruntergespielt, oder die Schuld dafür einer anderen Person oder einem ausserhalb der Reichweite des Betroffenen liegenden Faktors zugeschoben. Konkrete Beispiele für einen Peter-Pan’schen unsteten Lebenswandel können sein:
  • Ein immer wieder hinausgezögerter Universitätsabschluss
  • Die mangelnde Bereitschaft, sich eine (richtige) Arbeit suchen
  • Vergessene Rechnungen
  • Unzuverlässigkeit in sozialen Belangen
  • Die Nächte durchfeiern, obwohl man früh aufstehen muss
  • Eine inexistente Haushaltsführung
  • Oberflächlichkeit: Erwachsene Beziehungen – ob romantischer oder freundschaftlicher Natur – erfordern Verbindlichkeit. Während der typische „Peter“ zwar schnell neue Kontakte knüpft und Bekanntschaften schliesst, sind feste Freundschaften oder eine langfristige Beziehung für ihn schwer aufrechtzuerhalten.
  • Egoismus: Die Verweigerungshaltung gegenüber jeder Verbindlichkeit hat zur Konsequenz, dass sich ein Peter Pan nur um seine eigenen Belange kümmert. Zum einen, weil seine Unverbindlichkeit in der Aussenwirkung – also von anderen – zwangsläufig als Egozentrik interpretiert wird. Zum anderen, weil der typische Peter Pan früher oder später tatsächlich emotional verkümmert. Er verlernt – quasi aus Mangel an Training – die Bedürfnisse anderer wahrzunehmen.
  • Chauvinismus: Eine zunächst sexuelle Beziehung ist heutzutage oft der Anfang für eine ernsthafte Beziehung. Findet sich ein Peter Pan in dieser „Übergangssituation“ von Spass zu Verbindlichkeit wieder, wird seine Lebensweise bedroht. Der auf den Rollenkonflikt hin eintretende Selbstschutz-Mechanismus äussert sich oft im Aufbau eines Selbstbilds, dass er ja nur Sex wolle und keine ernsthafte Beziehung. Partner eines Peter Pans, die sich dadurch verletzlich machen, mehr als das zu wollen, werden mit Abfälligkeit bestraft. Das führt beim Betroffenen zu einer grundsätzlich verachtenden, sexistischen Haltung gegenüber dem Sexualpartner.

 

INFO-BOX: Eine richtige Krankheit?
Trotz der medizinischen Konnotation des Wortes „Syndrom“ ist das Peter-Pan-Syndrom keine Krankheitsdiagnose. Der Name beschreibt eher ein Gesellschaftsphänomen. Einen Menschenschlag, der so regelmässig auftritt, dass Fachleute ihm einen eigenen Namen gegeben haben.

Lediglich von wenigen Vertretern der Psychologie und Neurologie – primär in den USA – wird das Peter-Pan-Syndrom als eigenständiges Krankheitsbild gehandelt, hinter dem sich schwach ausgeprägte und darum schwer diagnostizierbare psychische Störungen – sogenannte Schattensyndrome – verbergen sollen. Kritiker dieser Sichtweise sehen diese Kategorisierung nur als Mittel, möglichst viele Psychopharmaka zu verkaufen.

Allerdings sind Teilaspekte des Peter-Pan-Syndroms (z.B. Symptome wie Narzissmus) in starker Ausprägung auch nach dem im deutschsprachigen Raum gängigen Diagnose-Katalog ICD-10 medizinisch behandlungswürdig.

Unabhängig davon, ob es sich beim Peter-Pan-Syndrom um eine „richtige“ Krankheit handelt oder nicht, hat jeder Betroffene die Möglichkeit, sich Hilfe zu holen. Es ist kein Eingeständnis von Schwäche, sich professionelle Unterstützung zu suchen, um sich aus einer schwierigen Lebenssituation zu befreien. Ein Therapeut ist darin ausgebildet, Verhaltensweisen anzupacken, die man als störend empfindet, nicht anders, als ein Arzt ein gebrochenes Bein schient, bis es wieder stark genug ist, alleine zu stehen.

 

Sind wir nicht alle ein bisschen Peter Pan?

Nicht selten tritt diese Symptomatik nur in leichter Ausprägung, als Phase von einigen Wochen oder nur in einigen Lebensbereichen auf:

  • Ein im Leben stehender Mann mit viel Verantwortung im Beruf verweigert sich verbindlichen Beziehungen, sondern geht nur oberflächliche Liebschaften ein, die voraussichtlich keine Zukunft haben.
  • Ein liebevoller Vater in einer gesunden Beziehung schafft es nicht, aus dem Kreislauf von schlecht bezahlten, zukunftslosen Gelegenheitsjobs auszubrechen, obwohl ihm bessere Angebote gemacht worden sind.
  • Ein Student/Geselle, jung und talentiert, mit vielen Ideen und eigentlich grossen Plänen, schiebt die Anmeldung für seinen Meister/Abschluss immer wieder hinaus und stagniert in der Azubi/Studenten-Phase.

Nicht jeder Mensch, der auf der Strasse des Lebens kurz ins Schlittern gerät, ist gleich ein Peter Pan. Manchmal brauchen wir alle eine Pause von der Verantwortung. Aber wenn sich eine solche Verhaltensweise – wenn auch nur in Teilbereichen des Lebens – festsetzt, lohnt es sich, bei sich selbst bzw. seinen Partner diese Verhaltensstrukturen zu hinterfragen.

Dazu kommt der Jugendkult

Heutzutage kommt beim Erwachsenwerden, beim Übernehmen von Verantwortung noch eine weitere Erschwernis hinzu: Die Glorifizierung der Jugend. Das „Jungsein“ lässt sich heutzutage weit ins Erwachsenenalter mitschleppen, da Jugendlichkeit eher als gesellschaftliches Ideal, weniger als Unreife angesehen wird.

Das kann sich daran festmachen, dass man mit 40 noch so wild feiert wie mit 20, Kleidung trägt, die vom Schnitt oder Pflegegrad nicht altersangemessen ist oder die Lebensgestaltung an sich. Die Spassgesellschaft legitimiert dieses Verhalten.

Dazu kommt, dass Erwachsene ab der Generation, die jetzt ca. 40 wird, von klein auf gesagt bekommen hat, dass sie alles sein können, was sie wollen. Es gibt eine Art Selbstverwirklichungszwang. Das macht die Auswahl für ein Lebensmodell sehr schwer. Es ist verlockend, das eigene Leben weiterhin unverbindlich zu gestalten. Denn mit der Entscheidung für einen Lebensweg – die Partnersuche, die Beziehung, der Beruf, der Ort, an dem man Wurzeln schlägt – beschneidet man sich gleichzeitig in allen anderen Möglichkeiten. Das gilt einigen heutzutage als Stagnation.

Können Frauen das Peter-Pan-Syndrom haben?

Schlicht gesagt: Ja. Allerdings wird dieses Verhalten als so typisch männlich angesehen, dass man das gerne vergisst. Die eindeutige Geschlechtszuordnung in der Rollenbezeichnung (Peter ist schliesslich ein Männername) lässt die Tatsache unter den Tisch fallen, dass es auch ein paar „Petra Pans“ unter den „Peter Pans“ gibt. Also, meine Damen: Machen Sie es sich nicht zu einfach, denn auch Frauen können sich in der Rolle verfangen, nie erwachsen werden zu wollen.

In einer Beziehung mit Peter Pan – was tun?

Man kann sich leicht in einen Peter Pan verlieben. Er ist charmant, macht spassige Sachen und ist spontan. Aber bald merkt man, dass die charmante Art eigentlich nur Oberflächlichkeit ist, der Spass pure Impulsbefriedigung und die Spontanität der Tatsache entspringt, dass er sich vor allen Pflichten drückt.

Das zu erkennen, ist schwer genug, ist aber für viele Frauen noch lange kein Grund, ihren Partner mit seinem Fehlverhalten zu konfrontieren und Konsequenzen zu ziehen. Frauen hängen oft einem romantischen Ideal nach: dem „Bad Boy“. In der Popkultur wimmelt es von Geschichten, in denen ein schwieriger Charakter durch die Liebe einer Frau gerettet wird. Angefangen bei der Zähmung der Bestie in „Die Schöne und das Biest“ bis zu Heilung eines emotional gestörten Mannes mit schwerer Jugend in „50 Shades of Grey“. Der Lohn für die Frau: Sie kann sich als etwas Besonderes fühlen, diesen Mann gerettet zu haben. Sie hat geschafft, was alle anderen nicht geschafft haben.

Im ersten Schritt muss man als Partner eines Peter Pans also anerkennen, dass zu einer solchen Beziehung immer zwei gehören: Einer, der nicht erwachsen werden will, und einer, der bereit ist, das zu kompensieren. Die perfekte Ergänzung zu einem „Peter Pan“ ist eine „Wendy Darling“, die sich um alles kümmert. Oft finden sich in dieser Kümmerer-Rolle Menschen wieder, die sich gerne gebraucht fühlen. Für solche Menschen gibt es kaum einen einfacheren Weg, sich diese Befriedigung zu holen, als die Verantwortung für das Tagesgeschäft einer anderen Person zu übernehmen.

Oft hatten Peter Pans ihr Leben lang eine Kette solcher Menschen zur Verfügung. Männer, die erst ihre Mutter und dann ihre Freundin(nen) hatten, die ihnen das Leben ermöglichen – manchmal nur in Aspekten wie Haushalt oder Lebensorganisation, manchmal aber sogar finanziell – haben keinen äusserlichen Druck, Verantwortung für sich und ihr Leben zu übernehmen

Als Partnerin eines Peter Pans (bzw. Partner einer Petra Pan) gibt es also folgenden Ausstiegsplan:

  • Den eigenen Anteil an der Situation anerkennen
  • Verstehen, woher das Verhalten beim Partner kommt
  • Das Gespräch suchen, aufklären, Hilfe für Selbsthilfe anbieten
  • Konsequenzen folgen lassen – Unterstützung entziehen

Nur, wenn einem Betroffenen des Peter-Pan-Syndroms die Bedingungen dafür erschwert werden, sein Leben weiter zu leben wie bisher, kann er/sie lernen, auf eigenen Beinen zu stehen. Ein Peter Pan kann nur aus eigenem Entschluss das Nimmerland verlassen und zurück in die Realität kommen.

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Wie Kompromisse in der Partnerschaft funktionieren

Kompromisse findenDie Notwendigkeit für einen Kompromiss ist für viele Paare die erste Prüfung der Verliebtheit. Die Uneinigkeit über eine Entscheidung ist häufig der Grund für die Entstehung einer Beziehungskrise. Und was nun?

Es gibt ein Zitat von Henry Kissinger: „Ein Kompromiss ist nur dann gerecht, brauchbar und dauerhaft, wenn beide Parteien damit gleich unzufrieden sind.“ Der Mann wird wissen, wovon er spricht, schliesslich hat er den Friedensnobelpreis gewonnen – und Frieden ist das Ziel, wenn es um Kompromisse in einer Beziehung geht.

 

Sind wir alle Egoisten?

Der Kompromiss hat heutzutage ein mieses Image. Er passt nicht gut zum Individualismus des 21. Jahrhunderts. Sein Gegenteil, die Kompromisslosigkeit, wird oft genannt, wenn es um Selbstverwirklichung geht. „Ich mache keine Kompromisse“, hört man selbstbewusste Einzelgänger sagen. Doch bei allen positiven Seiten, die diese Freiheit mit sich bringt – sie verträgt sich nicht gut mit einigen Aspekten von partnerschaftlichen Beziehungen.

Eine funktionierende Beziehung verlangt früher oder später Kompromisse. Das fällt vielen schwer, die zum Individualismus erzogen wurden und ihn als Erwachsene perfektioniert haben. Einige suchen nach Beziehungstipps, um ihren Individualismus und ihre Sehnsucht nach Zweisamkeit unter einen Hut zu bekommen. Andere haben deswegen schon in Anlehnung an das Buch von Michael Nast die „Generation Beziehungsunfähig“ ausgerufen.

Linktipp: http://www.parship-info.ch/partnersuche/beziehungsunfaehigkeit/

Doch die Lage als hoffnungslos zu bezeichnen, ist mehr als übertrieben. Nicht zuletzt, weil der Individualismus bei der Suche nach Kompromissen auch ein Vorteil sein kann. Denn ist es nicht so: Um einen guten Kompromiss zu finden, muss man erst einmal wissen, was man selbst will und was einem wichtig ist. Und das kann man erst, wenn man gelernt hat, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen und die eigenen Bedürfnisse zu formulieren. Das ist etwas, das wir alle zusammen mit dem Individualismus gelernt haben. Eigentlich also gute Bedingungen, um zusammen mit einem liebenden Partner an seiner Kompromissfähigkeit zu arbeiten.

 

Was ist ein Kompromiss?

Einen Kompromiss einzugehen, bedeutet nicht, dass man einen Wettstreit verloren hat. Die lateinische Herkunft des Wortes bedeutet in etwa „sich gegenseitig etwas versprechen“. Das bringt mit sich, dass beide Parteien sich in der Mitte treffen – nicht, dass sich einer durchsetzt. Bei einem guten Kompromiss rücken beide Partner ein Stück weit von ihren Vorstellungen ab. Man arbeitet zusammen an einem Ziel, das zwar von beiden nicht als ideal angesehen wird, zu dem aber beide stehen können.

Man sollte zwischen kleinen und grossen Kompromissen unterscheiden. Jeder, der in einer längeren Beziehung war oder ist, weiss, dass sich banale Themen zu grossen Diskussionen hochschaukeln können. Die richtige Faltung von Handtüchern oder Uneinigkeit darüber, ob man wirklich jeden Abend den kompletten Abwasch machen muss, sind Fragen, die sich im Eifer des Gefechts extrem wichtig anfühlen – auch wenn jedem klar sein sollte, dass es Themen von höherer Relevanz gibt.

Die wichtigen Themen sind auf einer anderen Ebene zu finden. Sie treten erst zutage, wenn die Beziehung gefestigter ist. Wer zieht zu wem? Wie und wo möchte man leben? Muss ein Traum dafür geopfert werden? Wie viel Geld möchte man zusammen verdienen? Möchte man ein Haus kaufen? Kinder haben? Natürlich sprechen auch Paare, die frisch zusammengekommen sind, über solche Themen. Doch wenn man sich bei diesen Punkten nicht einig ist, fühlt sich die Umsetzung dieser Aufgaben fern und fremd an, nicht wie etwas, worüber man sich sofort einigen muss. Und das ist gut so, denn viele Prioritäten verschieben sich im Laufe der Zeit – doch dazu unten mehr.

 

Ich bin nicht allein auf dieser Welt

Miteinander sprechenEin Kompromiss mit einem Partner ist die Anerkennung der Tatsache, dass man sein Leben nicht mehr nur für sich selbst lebt. Genauso, wie eine gut funktionierende Partnerschaft (oder genauer: der Partner) einen stützen kann, muss man bereit sein, den anderen zu stützen. Und so, wie man gelegentlich Raum oder Zeit für die eigenen Bedürfnisse einfordert, muss man bereit sein, dem anderen Raum oder Zeit zu gewähren.

In einer Partnerschaft gilt die Aussage „Ich bin nicht allein“ – im Guten, wie im Schlechten. Alle Entscheidungen, die man trifft, haben Auswirkungen auf das Leben eines anderen Menschen. Diese Auswirkungen anzunehmen, ist freiwillig. Das gilt für beide Partner.

Man gibt in einer Beziehung in einem gewissen Grad ein Recht auf; das Recht, ganz alleine und mit allen Konsequenzen für sich allein zu entscheiden. Doch in einer gesunden Beziehung erhält man dafür ein neues Recht; das Recht, dass der Partner einen bei seinen Entscheidungen ebenso mit einbezieht.

Ein Kompromiss bedeutet, etwas zu geben und von seinen eigenen Bedürfnissen zurücktreten. Gleichzeitig darf man erwarten, dass der Partner einem das gleiche gewährt. Die wichtigste Zutat für einen guten Kompromiss ist darum: Vertrauen.

 

Kompromisse in der Partnerschaft: Loslassen und Vertrauen

Meistens wird das Gespräch über Kompromisse erst dann geführt, wenn ein Konflikt ausgebrochen ist. Zum Beispiel, wenn man aufgrund einer anstehenden Veränderung das erste Mal über Themen der Lebensgestaltung spricht und merkt, dass es da grosse Unterschiede gibt. Oder wenn man in der Verliebtheit der frühen Beziehungsphasen Eingeständnisse gemacht hat, von denen man später merkt, dass sie im Alltag nicht für einen funktionieren. Ein Streit droht, die Stimmung ist mies. Keine optimalen Bedingungen, um mit ruhigem Kopf das Für und Wider aller Argumente durchzugehen.

Es ist wichtig, dass man in dieser Situation versucht, sich einen Augenblick in die Position des anderen hineinzuversetzen. Es ist nicht leicht, in einem Konflikt den eigenen Standpunkt auch nur für einen Moment und rein theoretisch aufzugeben. Doch was man im Streit schnell vergisst: Den anderen verstehen zu wollen, ist keine Selbstaufgabe, sondern Empathie. Darüber hinaus bedeutet die Tatsache, dass Verständnis für den Partner noch lange nicht bedeutet, dass seine Forderungen widerstandslos umgesetzt werden.

Vertrauen ist der Schlüssel. Für eine Kompromisslösung ist es wichtig, sich auch in einem Konflikt darauf verlassen zu können, dass der Partner einem grundsätzlich wohlgesonnen ist. Man muss bereit sein, zu glauben, dass der Partner in einem Kompromiss bereit ist, bei der Lösung den halben Weg zu gehen. Leider gibt es keinen Massstab, mit dem man die Bereitschaft zu Entgegenkommen bei einem anderen Menschen messen kann. Loslassen, seinen Beitrag leisten und darauf vertrauen, dass der Partner das gleiche tut – das ist das Wesen eines guten Kompromisses.

 

Kompromisse und Opfer

DiskutierenManchmal ist ein klassischer Kompromiss nicht möglich. Angenommen, zwei Menschen führen eine Fernbeziehung und können sich nicht darauf einigen, wer umzieht. Eine „gerechte“ Lösung mag sein, dass beide kündigen und sich genau in der geografischen Mitte zwischen den beiden Ursprungsorten niederlassen. Aber es bedarf wohl keiner weiteren Erklärungen, dass dieser Lösungsansatz nicht praktikabel ist. Auch beim Thema Kinderkriegen ist ein klares Ja oder Nein erforderlich, schliesslich kann man kein halbes Kind bekommen.

Dann steht die Frage im Raum, wie man sich entscheidet. Konflikte dieser Art werden meistens nicht sofort entschieden, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg thematisiert. Das ist keine Schwäche, sondern zeugt von Geduld und Mut. Geduld, weil man nicht auf eine sofortige Lösung besteht. Mut, weil man sich des Ausgangs nicht sicher sein kann, aber beschliesst, diese Unsicherheit auszuhalten. Manchmal löst die Zeit das Problem, weil ein Partner seine Meinung überdenkt – Menschen ändern sich schliesslich im Laufe der Zeit. Unsicherheiten dieser Art über einen längeren Zeitraum auszuhalten, kann eine Beziehung stärken, weil man einander beweist, dass man sich vertraut und auch schwierige Zeiten überstehen kann. Doch es kann auch sein, dass eine Beziehung daran scheitert.

Angenommen, es findet sich keine Einigung, sondern einer der Partner nimmt sich zurück und beugt sich dem Wunsch seines Gegenübers, dann ist es wichtig, dass man diese Kompromissbereitschaft nicht in Kategorien wie „Sieg“ oder „Niederlage“ einordnet. Wenn jemand freiwillig von seinem Ideal abweicht und Zugeständnisse macht, sollten beide Partner versuchen, das Blickfeld zu erweitern. Kann demjenigen, der das Opfer gebracht hat, vielleicht an anderer Stelle Entgegenkommen gewährt werden?

 

Beziehungsprobleme durch die Aufrechnungsspirale

Bei Kompromissen ist die Gefahr gegeben, dass eine Spirale des Aufrechnens beginnt. Das kann die grossen Themen betreffen („Du wolltest Kinder, also kann ich entscheiden, wo wir leben.“), geht aber auch im kleineren Massstab: In welcher Farbe die Wand gestrichen wird, wohin es im Urlaub geht, was es zu Essen gibt.

Das alles kann zu einer Art Beziehungsbuchhaltung führen, in der sich die beiden Partner hinter vergangenen Kompromissen verschanzen und sich gegenseitig die „Quittungen“ dafür unter die Nase halten („Letztes Wochenende sind wir dahin gefahren, wo Du hinwolltest, jetzt bin ich mal dran!“).

Meistens entspringt eine solche festgefahrene Situation der Tatsache, dass sich beide Partner als „zu kurz gekommen“ empfinden, also grundsätzlich annehmen, die höhere Kompromissbereitschaft zu zeigen und dafür nicht genug zurückzubekommen.

Die Lösung besteht darin, zu hinterfragen, woher dieses Gefühl kommt. Hat sie sich aufgrund von Kleinigkeiten hochgeschaukelt? Empfindet ein Partner einen vergangenen Kompromiss als sehr schwerwiegend und möchte nicht noch weiter „an Boden verlieren“. Oder sind vielleicht die Ansprüche in einigen Bereichen so unterschiedlich, dass das Gefühl, einen zu grossen Kompromiss eingegangen zu sein, bei beiden Partnern berechtigt ist?

 

Pragmatismus ist erlaubt

Der Idealzustand in einer Beziehung ist, dass Kompromisse quasi von allein entstehen und beide Partner durch Vertrauen und Entgegenkommen in gleichen Anteilen dazu beitragen. Wir wissen aber alle, dass Idealzustände sehr selten sind und meistens nicht lange anhalten. Das Leben ist zu komplex für Bilderbuchlösungen!

Pragmatische Absprachen sind in solchen Situationen ein Weg aus dem Konflikt. Das wirkt zwar nicht sehr romantisch, kann aber gut funktionieren. Kompromissvorschlag: Bei Uneinigkeit z.B. darüber, wie man die Wochenenden miteinander verbringt, wechselt man sich bei der Planung eben ab. Oder man macht ab und zu etwas ohne den Partner.

 INFO-BOX:

Wenn das Opfer zu gross ist…

Auch, wenn Kompromisse etwas grundsätzlich Positives sind, kann man aus falsch verstandener Kompromissbereitschaft zu weit gehen:

·         Wenn nur noch einer in der Beziehung Opfer bringt, und das über eine lange Zeit, muss man sich die Frage stellen, ob der „Kompromiss“ nur noch ein Deckmäntelchen ist, unter dem sich Ausnutzung versteckt.

·         Wenn beide Partner immer mehr das Gefühl haben, Kompromisse nur noch zu sehr hohen Preisen einzugehen, stehen dahinter vielleicht unvereinbare Vorstellungen von der Lebensgestaltung. Ist die Kompromisslösung keine Lösung, sondern für beide Partner eine Qual, ist es vielleicht an der Zeit, getrennte Wege zu gehen.

 

Am Ende sollte man nicht mit Gewalt daran festhalten, dass eine Beziehung funktioniert. Es ist weder Egoismus noch Beziehungsunfähigkeit, wenn man sich eingesteht, dass man zu einigen Opfern nicht bereit ist. Gleichzeitig sollte man keine Angst haben, seinen Standpunkt von Zeit zu Zeit zu hinterfragen und bereit sein, seinem Partner zuliebe Kompromisse einzugehen. In einer gesunden Beziehung bekommt man nämlich genau das zurück: Einen Partner, der bereit ist, für einen Kompromisse einzugehen. Nur so lässt sich ein gemeinsames Leben aufbauen.

 

Zum Schluss

Kompromissbereitschaft ist im Idealfall ein Geschenk. Man gibt es freiwillig, und man hofft und vertraut darauf, etwas „Gleichwertiges“ zurück zu erhalten. Aber der Idealfall ist in der Praxis selten vorzufinden. Also: Verhandeln ist erlaubt. Werden aus diesen Verhandlungen allerdings offene Kriegshandlungen, kann das nur mit Verletzungen enden – und keiner gewinnt. Am Ende hat wohl Kissinger recht: Der beste Kompromiss ist der, mit dem beide ein wenig unzufrieden sind, mit dem aber beide leben können. Zufriedenheit kann man aber vielleicht darin finden, einen Kompromiss gefunden zu haben und eine gute Beziehung zu führen.

Smalltalk lernen: Vom unverfänglichen Gespräch zum Flirt

im GesprächNeue Menschen kennenzulernen ist der erste Schritt, um eine neue Liebe zu finden. Das klingt so leicht, aber die Wahrheit ist, dass die meisten von uns sich in dieser Situation alles andere als Wohl fühlen. Für manche ist es sogar eine unüberwindbare Hürde.

Worüber soll man mit einem wildfremden Menschen reden? Hier finden Sie ein paar Tipps, wie Sie ein Gespräch am Laufen halten, ohne sich zu verstellen.

Smalltalk ist ein sehr unpräziser Überbegriff für unverfängliche Gespräche aller Art. Der Smalltalk bei einem Bewerbungsgespräch ist ein anderer als der mit der Verwandtschaft auf der Geburtstagsfeier einer Tante, und der wiederum funktioniert ganz anders als die vorsichtige Konversation mit einem nahezu unbekannten Gesprächspartner, der einem gefällt.

Hier geht es um eine bestimmte Variante des Smalltalks: Das Flirten, also das Kennenlern-Gespräch mit einem potentiellen Partner. Wenn Sie mit dem Flirten Ihre Probleme haben, sind Sie damit nicht alleine. Das Flirt-Gespräch ist nämlich die Königsdisziplin unter den vielen Arten des Smalltalks. Bei einem Bewerbungsgespräch muss man im Grunde nur darauf achten, professionell zu erscheinen. Bei der Familienfeier kommt es darauf an, das Geplauder freundlich zu halten. Aber bei einem Smalltalk mit einem Menschen, der einen gefällt, gibt es viele Punkte zu beachten:

  • Man möchte, dass der Gesprächspartner sich wohlfühlt
  • Man möchte sich selbst gut darstellen
  • Man möchte sich selbst treu bleiben
  • Man möchte das Gegenüber kennenlernen
  • Man möchte dem anderen Möglichkeit geben, etwas von sich zu erzählen

Das klingt wie eine komplizierte Aufgabe. Eigentlich widersprüchlich, dass etwas wie Smalltalk, dessen zentrale Elemente das Spiel und die Leichtigkeit sind, in der praktischen Umsetzung von so vielen als höchst kompliziert empfunden wird – aber keine Angst, man kann es lernen.

 

Die Kunst des Plauderns

Smalltalk im BüroSmalltalk bedeutet, dass das Gespräch unverfänglich, also konfliktfrei bleiben soll. Ganz wichtig beim Smalltalk ist die Unverbindlichkeit des Gesprächs. Verliert man sich wieder aus den Augen oder wird unterbrochen, hat niemand ein Recht darauf, beleidigt zu sein, wenn das Gespräch nicht wieder aufgegriffen wird. Hier geht es um Leichtigkeit. Wenn sich Ihr Smalltalk-Partner von Ihnen abwendet oder das Thema wechselt, bleiben Sie souverän. Sie haben nichts falsch gemacht. Plötzliche Gesprächspartner- oder Themenwechsel machen den Smalltalk aus.

 

Die Basics

Die wichtigste und einfachste Regel vorweg. Für Smalltalk gilt das erste Gebot der Höflichkeit: Sorge dafür, dass sich Dein Gegenüber wohlfühlt! Diese Regel ist eigentlich universell auf jede Interaktion mit anderen Menschen anwendbar. Warum? Das fasst am besten ein Zitat der US-Bürgerrechtlerin Maya Angelou zusammen: „Menschen werden vergessen, was du gesagt hast. Menschen werden vergessen, was du getan hast. Aber Menschen werden niemals vergessen, welches Gefühl du ihnen vermittelt hast.“ Wenn sich jemand in Ihrer Gegenwart gut gefühlt hat, dann wird er/sie Sie positiv in Erinnerung behalten, auch wenn Sie nur ein paar Sätze über das Wetter gesprochen haben.

 

INFO-BOX: Der mentale Spickzettel

Sie sind kein Rhetorik-Genie? Kein Problem, das sind die wenigsten. Wenn Ihnen das eloquente Geplauder nicht in die Wiege gelegt wurde, machen Sie sich nichts daraus, denn Smalltalk ist kein Talent – es ist ein Werkzeug. Und wie mit allen Werkzeugen muss man üben, damit umzugehen. Es gibt ein paar Tricks, mit denen man die Konversation am Laufen halten kann.

  • Einleitung üben: Was kommt nach dem Austausch der Namen? Betretenes Schweigen muss nicht sein. Die Frage, woher er/sie den Gastgeber kennt oder ob der Drink empfehlenswert ist, reicht manchmal schon als Gesprächseinstieg, um den Stein ins Rollen zu bringen. Der Klassiker ist ein schlichtes „Was macht Du so?“. Schliesslich „macht“ jeder irgendetwas, und ob die Menschen dann über Ihren Beruf erzählen oder ihr Hobby, verrät eine ganze Menge.
  • Themen zurechtlegen: Der letzte Urlaub, das letzte Buch, der letzte Film… Das alles kann ein Einstieg in einen Austausch sein.
  • Übergänge schaffen: Wenn man ein Thema eingeführt hat, sollte man dem Gesprächspartner die Möglichkeit geben, etwas dazu zu sagen. Die Frage „Was denkst Du darüber?“ überrumpelt allerdings viele, sie ist sehr direkt. Besser ist der Eisbrecher „Kennst Du das?“. Es gibt Ereignisse im Leben, die teilen wir mit fast allen Mitgliedern unserer Kultur. Diese stellen ein weites Feld an universellen Gemeinsamkeiten dar: Die Aufregung in der ersten eigenen Wohnung, wie verloren man sich an einem neuen Arbeitsplatz gefühlt hat oder die emotionale Reaktion auf Geschehnisse in den Medien. Die Frage „Kennst Du das?“ lässt dem Gegenüber die Möglichkeit, „Eigentlich nicht…“ zu sagen, sie kann aber auch aus einer unverbindlichen Plauderei ein echtes Gespräch machen.
  • Die Fünf-Minuten-Regel: Merken Sie sich, wenn Ihr Gegenüber etwas erzählt, aber nicht weiter darauf eingeht. Sprechen Sie ihn/sie fünf Minuten später darauf an und fragen Sie nach. Damit werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Erstens bietet man dem Gegenüber eine Möglichkeit, etwas von sich zu erzählen, zweitens wirkt man wie ein sehr aufmerksamer Zuhörer.

 

Verstellen Sie sich nicht…

VKollegen machen Pause im Aufenthaltsraumiele glauben, das Geheimnis des Smalltalks mit Flirt-Elementen läge darin, besonders gebildet oder eloquent zu erscheinen. Ein tiefsitzendes Missverständnis! Denn was haben Sie davon, ein Bild von sich zu verkaufen, das möglicherweise nicht der Wahrheit entspricht? Ausserdem: wer mag schon Angeber?

Vor allem im Gespräch mit einem Menschen, den man als potentiellen Partner kennenlernen möchte, ist es wichtig, dass man authentisch bleibt. Das ist gar nicht so leicht, denn – Hand aufs Herz – wir alle haben heimlich ein nicht ganz der Realität entsprechendes Idealbild von uns selbst. Das kann beim Smalltalk dazu führen, dass man versucht, sich als Experte für moderne Kunst zu verkaufen, obwohl man in seiner Freizeit viel lieber Comics liest.

 

…aber verraten Sie nicht zu viel

Es könnte so klingen, als ob dieser und der vorhergehende Absatz einander widersprechen. Aber es ist wichtig, beim Kennenlernen nicht zu viel von sich zu verraten. Einige Menschen neigen dazu, im ersten Gespräch mit einem Menschen, den sie sympathisch finden, alles von sich zu erzählen. Vor allem, wenn das Smalltalk-Training fehlt. Sein Herz auszuschütten kann aber beim Kennenlernen zu viel des Guten sein. Zu viel private Information beim ersten Gespräch kann als Jammern oder als distanzlos interpretiert werden. Geheimnisse und Ereignisse aus der Kindheit sollte man sich für später aufbewahren, wenn man sich besser kennt. Erzählt man erst bei einem späteren Gespräch, wie sehr z.B. die Scheidung der Eltern einen mitgenommen hat, ist das Teilen dieser Information ein Vertrauensbeweis. Ein Geheimnis, das man sofort erzählt, kann nicht viel bedeuten.

 

Das Gesprächsgleichgewicht

spontanes Gespräch im BüroDafür zu sorgen, dass ungefähr beide gleichviel reden, ist eine gute Pi-mal-Daumen-Regel. Aber sklavisch daran halten sollte man sich nicht. Es gibt schliesslich Menschen, die fühlen sich in der Position des Zuhörers wohl. Andere fühlen sich hingegen sicher, wenn sie im Gespräch die Zügel in der Hand halten. Allerdings sollte man darauf achten, ob sich der Gesprächspartner in seiner derzeitigen Rolle wohlfühlt. Sie reden sich seit Minuten um Kopf und Kragen? Vielleicht möchte der andere auch mal etwas sagen. Oder es ist genau anders herum.

Nicht zuletzt will man sich ja beim Smalltalk mit einem interessanten Gegenüber nicht nur sich selbst verkaufen, sondern ja auch – um kurz eine sehr oberflächliche Metapher zu verwenden – die Ware begutachten. Es ist also wichtig, den anderen zum Plaudern zu bringen und optimalerweise dabei dafür zu sorgen, dass er sich wohlfühlt und sich nicht verstellen muss.

 

Regeln sind zum Brechen da!

Es gibt Gesprächsthemen, die gelten als Tabu für Smalltalk. Je nach Kinderstube gehören auf diese Liste z.B. Geld, Krankheiten, Politik, Religion oder Klatsch und Tratsch. Aber wenn man sich mit einem Menschen unterhält, für den man sich als potentiellen Partner interessiert, ist es dann nicht vernünftig, möglichst schnell herauszufinden, ob man sich für ähnliche Dinge interessiert? Gemeinsamkeiten sind schliesslich der Beton einer guten Beziehung. Wenn Sie jeden Tag noch vor dem ersten Kaffee nachlesen, was in der Welt passiert ist, dann wollen Sie auch darüber reden können. Hier darf auch mal das Bauchgefühl entscheiden, ob ein Tabu-Thema nicht doch beim Smalltalk mit einem interessanten Gegenüber auf den Tisch kann.

 

Die Körpersprache

Körpersprache beim GesprächDas Internet wimmelt von Vorschlägen, wie man sich beim Flirten zu bewegen hat. Viel lächeln, das Gegenüber „spiegeln“, was in welche Richtung übereinandergeschlagene Beine zu bedeuten haben oder ob man das Gespräch sofort abbrechen sollte, wenn der Gesprächspartner zu viel an seinem Strohhalm spielt. Die Wahrheit ist: Es gibt keinen Geheimcode, mit dem man aus dem Körper seines Gegenübers herauslesen könnte, was er/sie von einem denkt. Genauso wenig, wie es eine spezielle Körpersprache gibt, mit der Sie unmissverständlich Interesse signalisieren oder subliminar verführen können.

Ein paar Grundregeln gibt es aber doch, und die sind einfach: Dem anderen ab und zu ins Gesicht schauen, (einigermassen) gerade sitzen und deutlich und nicht zu schnell sprechen. Und ganz wichtig: Nicht vergessen, zu atmen! Vor allem Menschen, die wenig Smalltalk-Training haben, sind häufig schüchtern. Schüchternheit führt zu einer defensiven Körperhaltung: Man sackt in sich zusammen. Das führt zu einer flachen Atmung und undeutlicher Aussprache.

Einen kleinen Trick können wir aber verraten: Reagieren Sie ab und zu körperlich darauf, was Ihr Gesprächspartner sagt. Nicken Sie, wenn Sie einer Aussage zustimmen. Lächeln Sie an den richtigen Stellen. Verziehen Sie das Gesicht, wenn er/sie von etwas unangenehmem oder ekligem berichtet. Erstens zeugt Körpersprache, die auf die Rede des Gegenübers reagiert, davon, dass Sie zuhören, zweitens vermitteln Sie, dass Sie zu Empathie fähig sind und drittens können Sie so „antworten“ und Zustimmung ausdrücken, ohne Ihren Gesprächspartner unterbrechen zu müssen.

 

Der Übergang vom Smalltalk zum Flirt

Smalltalk in einer Gruppe

Diese Frage ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit: „Hat er/sie gerade mit mir geflirtet?“ Wie erkennt man, was ein unverfängliches Gespräch ist und was eine Intention, dem Gesprächspartner näherzukommen? Die kurze Antwort darauf ist so wenig hilfreich wie unerfreulich: Das kann man nicht pauschal sagen. Für einen schüchternen Menschen ist eine Unterhaltung an sich möglicherweise schon ein Signal, das Interesse besteht, den anderen besser kennenzulernen, während der gleiche Smalltalk mit einem Social Butterfly nichts bedeutet. Auch Komplimente sind kein eindeutiges Zeichen: Für manche Männer gehört es z.B. einfach zum guten Ton, einer Frau ein Kompliment über Ihr Aussehen zu machen.

Die einzige Lösung ist, die Initiative zu ergreifen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr Gesprächspartner an Ihnen interessiert ist, dann flirten Sie eben selbst. Wenn nach dem zweiten oder dritten Versuch (und dabei bitte nicht immer das gleiche ausprobieren – es könnte ein Flirt-Signal sein, das der andere nicht zu deuten weiss) kein positives Entgegenkommen spüren, dann besteht mit grosser Wahrscheinlichkeit kein Interesse. Aber nehmen Sie es nicht persönlich – beim Smalltalk geht es nicht ums Gewinnen.

 

Sonderfall Internet

Smalltalk mit Flirt-Intention hat in Zeiten des Internets eine besondere Unterart entwickelt: Das Kennenlernen in schriftlicher Form über Partnerbörsen-Nachrichtenfunktionen oder Chats. Hier ist von vorn herein klar, dass man sich unterhält, um die Möglichkeit einer Beziehung auszuloten. Das setzt unter Druck: Viele Menschen, die im Internet einen Partner suchen, nehmen eine Ablehnung im Netz viel persönlicher als den Abbruch eines echten unverbindlichen Smalltalks, der sich zufällig auf einer Party entwickelt hat. Schliesslich kann man bei einem zufälligen Gespräch so tun, als hätte man auch kein Interesse gehabt. Andererseits macht die Kommunikation über das Internet die Kontaktaufnahme auch einfacher, denn die Schriftform erlaubt es, dass man länger über die Antworten nachdenken kann.

Doch gelten auch hier die gleichen Regeln wie im „echten Leben“: Freundlich sein, sich wohlfühlen, dafür sorgen, dass der Gesprächspartner sich wohlfühlt und vor allem: Es nicht persönlich nehmen, wenn nichts daraus wird.

Zusammengefasst…

Fühlen Sie beim Geplauder immer wieder in sich hinein: Fühlen Sie sich noch wohl? Haben Sie das Gefühl, dass sich Ihr Gegenüber noch wohlfühlt? Solange Sie diese beiden Fragen mit „ja“ beantworten können, haben Sie alles richtig gemacht. Und wenn nicht, ist es auch nicht so wild. Nehmen Sie es sportlich. Das Wesen des Smalltalks ist es, das man unendlich viele neue Versuche starten kann.

Narzissmus und Partnerschaft

selbstliebe und narzissmusDass Beziehungen mal mehr und mal weniger harmonisch verlaufen, ist nicht ungewöhnlich. Es gibt aber auch Verbindungen, die aufgrund der Charakterzüge zu dauerhaften Problemen führen können. Noch schwieriger wird es, wenn Störungen der Persönlichkeit hinzukommen. Dazu gehört auch der Narzissmus. In der Partnerschaft kann eine narzisstische Persönlichkeit zu einer ernsten Belastung werden. Leben Sie vielleicht in einer solchen Beziehung? Nachfolgend erfahren Sie, was einen Narzissten ausmacht und welche Wege es aus der belastenden Situation gibt.

Was ist eine Narzisstische Persönlichkeit

Wer über eine narzisstische Persönlichkeit verfügt, tritt nach aussen stark auf, gewinnt seine Stärke aber nur aus der Bewunderung anderer. Der Narzisst ist daher bemüht, sich mit Personen zu umgeben, die ihn für seine Stärke und scheinbare Unabhängigkeit bewundern. Er will sein Umfeld kontrollieren, vor allem, um seine Anerkennung zu sichern. Gleichzeitig duldet er aber keine Einmischung in seine eigenen Befindlichkeiten. Bewusst hält er Partner und Familie aus seinen eigenen Ängsten und Nöten heraus und verhindert so Schwäche zu zeigen, die ihn möglicherweise angreifbar macht und vor allem alle anderen Personen stärker dastehen lässt. Solche Personen sind sich bewusst, dass sie abhängig von der Bewunderung und Anerkennung sind, und leiden mitunter auch darunter. Auf der anderen Seite erleben sie grosse Glücksgefühle, wenn sie die Bewunderung anderer fühlen.

📒 ► Lesen Sie hier die Erfahrungsberichte von Betroffenen in den Kommentaren

Was ist mit dem Partner des Narzissten

Die meisten Menschen mit narzisstischer Persönlichkeit sind Männer. Sie interessieren sich besonders für Frauen, die ihnen die gewünschte Bewunderung entgegen bringen. Oftmals handelt es sich dabei um Frauen, die ihrerseits besonders begehrenswert sind und auch von anderen Männern umgarnt werden. Das muss aber nicht am Aussehen liegen, auch Frauen, die besonders erfolgreich sind, üben auf diese Männer eine grosse Attraktivität aus. Die Frage ist also, was reizt durchaus erfolgreiche Frauen an diesen Männern? Dafür gibt es Erklärungen. Zunächst durchschauen die Frauen zu Beginn nicht, dass sich hinter dem vermeintlich starken Mann eine narzisstische Persönlichkeit verbirgt. Stattdessen sehen sie einen Mann, der souverän im Leben steht und andere Menschen durch sein Verhalten und sein Handeln überzeugen kann.

Er ist damit scheinbar ein starker Lebenspartner, der gerne Verantwortung übernimmt und auch Konflikte nicht scheut. Das macht ihn attraktiv. Aber das ist noch nicht alles. Frauen, die sich von dominant auftretenden Männern beeindrucken lassen, identifizieren sich mit dieser Stärke. Sie wären gerne ebenfalls souverän. Oftmals würden sie selbst gerne etwas mehr im Mittelpunkt stehen, aber es fehlt ihnen die erforderliche Stärke, das auch umzusetzen. Das ist menschlich und kein Charakterfehler. Es ist ein natürlicher Prozess, dass wir uns von Persönlichkeiten angezogen fühlen, denn sie vermitteln Sicherheit. Bewusst oder unbewusst erhoffen sich viele Frauen an der Seite eines starken Mannes aber auch mehr Aufmerksamkeit und mehr Anerkennung. Ist dieser Mann ausserdem wohlhabend, kann auch der Reiz des Reichtums ein entscheidender Grund sein, warum eine Frau sich für einen solchen Mann entscheidet und auch bei ihm bleibt, wenn sie sein Wesen erkannt hat. Der Experte spricht in diesem Fall von Kollusion. Beide Partner weisen emotionale Schwächen auf, die so exakt zueinander passen, dass sie die Bedürfnisse des anderen befriedigen. Was hier aber fehlt, ist die natürliche Anpassung an den anderen. Während in einer normalen Beziehung jeder einmal „zurücksteckt“, besteht in der Beziehung mit einem Narzissten ein Ungleichgewicht, das zudem auch noch sehr störanfällig ist und zu einem emotionalen Desaster führen kann.

Warum ist eine solche Zweierbeziehung so anfällig?

Vain businessmanIn einer Zweierbeziehung muss ein Gleichgewicht zwischen den Partnern bestehen. Andernfalls gibt einer von beiden den Ton an und der andere unterliegt. Bei Narzisten kann das zu erheblichen psychischen Leiden bei beiden führen.

Dem Narzissten ist durchaus bewusst, dass er Grenzen überschreitet. Sein typisches Verhalten ist das Umgarnen und geäußerte Liebesbeteuerungen, gefolgt von kalter Zurückweisung, wenn ihm etwas nicht passt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich ein solcher Mann hin und wieder zurückzieht, möglicherweise sogar für einen gewissen Zeitraum unerreichbar ist und jede Kontaktaufnahme unterbindet. Es kann durchaus sein, dass er das auch in dieser Deutlichkeit formuliert.

Dazu gehört auch die kalte Zurückweisung einer normalen Sorge um einen geliebten Menschen. Der Narzisst fürchtet sich vor dieser Sorge, denn er will stark und unbesiegbar sein. Wer sich um jemanden sorgt, tut das, weil die Person möglicherweise schutzbedürftig ist und das ist der Narzisst nicht, bzw., er will es nicht sein. Er will, dass sein Zurückziehen als Stärke wahrgenommen wird, er möchte der einsame Wolf sein, der niemanden braucht. Innerlich ist er in diesen Phasen aber zerrissen und unsicher. Nun ist eine Frau, die sich für einen Narzissten entscheidet, in den meisten Fällen bemüht, die „Launen“ des Mannes zu kompensieren. Sie kann sein Auf und Ab nicht nachvollziehen und wird durch überschwängliche Zuneigung auch regelmässig beschwichtigt. Vorübergehend ist die Verschmelzung der beiden Persönlichkeiten dann wieder gegeben. In diesen Phasen kann die Beziehung fast perfekt wirken.

Der scheinbare Traummann wird sich bemühen, dieses Bild aufrechtzuerhalten. Stellt die Partnerin ihn zur Rede, ist kaum mit einem einsichtigen Verhalten zu rechnen. Da der Narzisst aufgrund seines Wesens besonders anfällig für Kränkungen ist, kann er in solchen Auseinandersetzungen auch heftig reagieren. Das bedeutet nicht, dass er zu Gewalt neigen muss. Impulsive Reaktionen sind aber leicht möglich. Frauen, die mit einem narzisstischen Mann zusammenleben, erleben z. B. die Situation, dass sie einem beleidigt davonstürmenden Mann hinterher laufen. Die Auslöser sind selten dramatisch und für emotional stabile Menschen sogar Kleinigkeiten.

Das ist auch der Grund, warum die Partnerin den schlichtenden Part übernimmt. Der Streitpunkt ist die heftige Reaktion in ihren Augen nicht wert. Auch ein Herausfordern von der Seite des narzisstischen Mannes ist nicht ungewöhnlich. Ein Beispiel dafür ist, dass sie etwas plant, was ihm nicht passt und er das Vorhaben nicht direkt verbieten will, dafür aber gleich mit überzogenen Konsequenzen droht. Meist handelt es sich dabei um Liebesentzug. So entsteht ein Zustand der emotionalen Erpressung, der sich auch schleichend einstellen kann. Was launisch wirkt, ist tatsächlich die Angst vor dem Kontrollverlust und keineswegs ein normales Verhalten.

Ist das Liebe?

narzisstDiese Frage werden Sie sich sicherstellen, wenn Sie in einer Beziehung mit jemandem leben, der narzisstische Charakterzüge aufweist. Wenn das so ist, werden Sie sicher das Gefühl haben, dass die Beziehung Sie sehr viel Kraft kostet. Solange es glückliche Momente gibt, fällt es Ihnen vermutlich schwer, sich daraus zu befreien. Vielleicht hoffen Sie darauf, dass Ihr Partner sein Verhalten irgendwann ändert. Gute Freunde oder auch Angehörige haben Sie aber sicher schon darauf hingewiesen, dass diese Beziehung destruktiv ist und diese Personen haben recht. Das antisoziale Verhalten des Partners führt zur Ihrer Entwertung. Ist das Liebe? Von Ihrer Seite vermutlich schon. Und auch ein Narzisst kann einen Menschen ehrlich lieben.

Aber das ändert nichts daran, dass er sich selbst noch wichtiger ist. Narzisstisch veranlagte Menschen haben zudem eine Neigung, keine feste Beziehung eingehen zu wollen. So fällt es ihnen leichter, sich aus einer Situation zu befreien. Auch die Neigung zu Affären wird ihnen häufig nachgesagt, denn dabei ist es deutlich leichter, sich heroisch zu geben. Zwar wird er der Affaire seine Liebe versprechen, aber gleichzeitig erklärt er sich als verantwortungsvoller Ehemann und Familienvater, der trotz seiner Gefühle die Familie nicht verlässt. Er schafft es also auch in dieser Situation noch, sich als Held zu präsentieren. Allerdings sind nicht alle Fremdgänger Narzissten!

Destruktive Beziehungen verändern die Menschen

Leben Sie in einer Beziehung mit einem narzisstisch veranlagten Menschen? Je nachdem, wie lange diese Verbindung schon andauert, haben Sie vermutlich schon die ersten Veränderungen an sich beobachtet. Es ist gut möglich, dass Sie sich heute Dinge gefallen lassen, die für Sie früher undenkbar gewesen wären. Sie wissen sicher auch, warum Sie das tun, denn Sie wollen in einer möglichst friedlichen Beziehung leben, mit dem Mann oder der Frau, die Sie bewundern.

Je mehr Sie sich aber zurücknehmen und je mehr Sie sich das Verhalten gefallen lassen, desto schwächer werden Sie, während Ihr Partner oder die Partnerin mit narzisstischer Neigung weiter an Kraft gewinnt. Sie geraten in einen Teufelskreis, aus dem Sie sich befreien müssen. Bedenken Sie, dass die Entwicklung Ihrer Liebe und Ihrem Selbstvertrauen schadet und auch die Person an Ihrer Seite kann auf Dauer so nicht glücklich werden.

Gibt es einen Weg aus der Krise?

Narzisstische Persönlichkeiten sind nicht alle gleich. Sprechen Sie mit der Person, mit der Sie eine solche Beziehung führen. Warten Sie dafür aber einen Zeitpunkt ab, der sich dafür wirklich gut geeignet. Sie beide sollten ohne Zeitdruck und entspannt sein. Tasten Sie sich vorsichtig an das Thema heran, bleiben Sie aber kompromisslos in Ihrer Haltung. Nicht Sie müssen Ihr Verhalten ändern, sondern der oder die andere. Bringen Sie zum Ausdruck, wie schmerzhaft die Unterdrückung Ihrer Persönlichkeit ist und dass Sie sich eingeengt fühlen. Seien Sie darauf gefasst, dass Sie kein Verständnis bekommen und dass der Partner Ihnen vermitteln will, dass er oder sie eben so ist. Das ist eine typische Reaktion, die in solchen Situationen sehr trotzig wirkt und es auch ist. Aber so funktioniert eine faire Beziehung nicht. Bringen Sie das ruhig zum Ausdruck. Falls Sie Kinder haben, werden Sie bei einem solchen Gespräch möglicherweise das Gefühl haben, mit einem Kind in der Trotzphase zu sprechen, das berichten viele Menschen, die mit Narzissten gelebt haben.

Alternativ können Sie sich auch Schritt für Schritt Ihre Freiräume zurück erobern. Das kann dazu führen, dass die Beziehung zerbricht. Betroffene berichten aber rückblickend oft, wie befreit sie sich gefühlt haben, nachdem sie sich abgelöst haben. Dennoch gibt es Narzissten, mit denen ein Zusammenleben möglich ist. Entscheidend ist, wie stark die Störung ausgeprägt ist. Und das sollten Sie stets im Hinterkopf behalten. Es handelt sich um eine Störung.

Wenn Sie selbst Narzisstisch veranlagt sind

alles dreht sich um michVielleicht sind Sie es selbst, der an sich narzisstische Züge entdeckt hat und daran etwas ändern will. Das ist durchaus möglich. Sie müssen dazu Ihr Verhalten und auch die Auslöser analysieren. Psychotherapeuten können dabei wertvolle Hilfe leisten.

Wenn es Ihnen an Motivation fehlt, führen Sie sich vor Augen, dass Sie mit einem Wechsel Ihres Verhaltens nicht schwächer werden, sondern sehr viel stärker. Sie werden sich weiterhin über Anerkennung freuen, verlieren aber das Bedürfnis, sich ständig rückzuversichern, dass man Sie schätzt und bewundert. Sie werden sich ausserdem befreit fühlen, wenn es Ihnen gelingt, Ihren Partner oder Ihre Partnerin loszulassen, ohne den Verlust zu befürchten.

Das bedeutet, dass Sie insgesamt ein deutlich stressfreieres Leben führen und sich ganz auf ihre tatsächlichen Stärken konzentrieren können. Die Veränderungen werden Sie vor allem an Ihrem Umfeld bemerken. Narzisstische Persönlichkeiten, denen es gelingt, ihr Verhalten zu analysieren und zu verändern, bekommen die positiven Rückmeldungen für gewöhnlich schnell, vor allem von den sensibleren Personen in Ihrem Umfeld, bei denen Ihr Verhalten Ängste ausgelöst hat, vermutlich ohne dass Sie das eigentlich wollten. Sie werden in der Achtung der Menschen gewinnen, auch ohne dass Sie ihnen erklärt haben, dass Sie an Ihrem Verhalten arbeiten. Sie müssen sich nicht outen. Berücksichtigen Sie, dass Sie Ihre Führungsqualitäten behalten und auch alle anderen Fähigkeiten, die alle an Ihnen bewundern. Lediglich die quälende Sorge um Anerkennung können Sie hinter sich lassen.

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Erfahrungsberichte in den Kommentaren

Beziehungssucht: Gründe & Auswege aus der Liebessucht

Ein junges, verlliebtes Paar in einem ParkWir alle kennen die Angst vor der Einsamkeit. Bei einigen ist sie allerdings stärker. So stark, dass die Furcht vor der Einsamkeit wichtiger wird als die gelebte Beziehung.

Wenn man sich nach jeder Trennung sofort wieder verliebt, sich Hals über Kopf von einer kurzen Beziehung in die nächste stürzt und jedes Mal von der grossen Liebe spricht, sollte man sich die Frage stellen: Bin ich beziehungssüchtig? Doch auch ein genau gegenteiliges Verhalten kann diesen Vorwurf hervorrufen. Nämlich dann, wenn sich jemand zu lange an einer dysfunktionalen Beziehung festklammert – aus Angst, allein zu sein.

Menschen mit Liebessucht handeln nicht aus Liebe zu einer anderen Person, und auch nicht aus Liebe zur Liebe an sich. Sie handeln aus Angst. Der erste Schritt, um der Beziehungssucht auf die Schliche zu kommen, ist zu verstehen, warum es für uns so wichtig ist, in einer Beziehung zu sein.

Statussymbol Beziehung

Tausende Geschichten enden mit dem berühmten Schlusssatz „…und sie heirateten und lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“. Wir bekommen von klein auf eingeimpft, dass eine Beziehung eine der wichtigsten Errungenschaften im Leben ist. Daraus kann man eine klare Botschaft ableiten: In einer Beziehung zu sein, ist ein Zustand, den es zu erreichen gilt. Wie ein Endpunkt, die Ziellinie eines Wettrennens. Und was ist die Siegermedaille?

  • Gesellschaftsbilder: Da ist einmal die gesellschaftliche Anerkennung: Auf einem Klassentreffen ist eine der interessantesten Fragen, wer verheiratet ist und wer nicht. Entdeckt man das Social-Media-Profil eines alten Bekannten, wird dieses als erstes auf Hinweise auf eine Beziehung durchsucht. Taucht man auf Familienfeiern ohne Begleitung auf, wird man schnell als das unvermittelbare schwarze Schaf gehandelt und mitleidig bis schadenfroh beäugt. Kurz: In unserer Gesellschaft gilt eine Beziehung als Nachweis über seelische Stabilität und die erfolgreiche Erfüllung gesellschaftlicher Normen. Sie ist in unserer Gesellschaft neben einer regelmässigen Arbeit eines der wichtigsten Kriterien, dass man es „geschafft“ hat. Es vermittelt das Bild eines stabilen, geregelten Lebens – unabhängig davon, wie es im Alltag dieser Beziehung wirklich aussieht. Der schöne Schein ist für die Aussenwahrnehmung häufig wichtiger als die Qualität.
  • Lebenserleichterung: Der Druck von aussen wird ergänzt durch einen inneren Druck. Erstens, weil man die Bilder eines äusserlich erfolgreichen Lebens auch auf sich selbst anwendet und daraus sein Selbstwertgefühl bezieht (Ein Reflex, vor dem kaum ein Mensch gefeit ist, wenn auch in unterschiedlichem Masse). Zweitens, weil eine Beziehung – zumindest eine gut funktionierende – tatsächlich Vorteile mit sich bringt. Man steht den Unwägbarkeiten des Lebens nicht mehr allein gegenüber, man bekommt Bestätigung durch einen liebenden Partner, man ist nicht mehr allein, man baut sich zu zweit eine Zukunft auf.

In einer Beziehung zu sein, ist ein Statussymbol. Oberflächlich betrachtet erfüllt man damit gesellschaftliche Ansprüche und für sich selbst erhofft man sich ein einfacheres Leben. Damit ist das Ziel, Teil eines Paares zu sein, für viele das wichtigste Häkchen auf der To-Do-Liste des Lebens und Partnersuche die Top-Priorität. Doch eine Beziehung ist das Gegenteil von Stillstand. Wenn der Beginn einer Beziehung die Ziellinie eines Wettrennens ist, ist die Beziehung danach der Marathon. Mit dem Status „In einer Beziehung“ beginnt erst der interessante Teil: Eine gesunde Beziehung bedeutet stetige Veränderungen und jede Menge Arbeit und Wachstum.

 

Typische Konstellationen in Suchtbeziehungen

Ein Liebespaar hat Spaß bei einem StadtspaziergangAuch wenn Männer ebenso der Beziehungssucht verfallen können, sind es in der Mehrzahl Frauen, die diese Verhaltensweise zeigen. Die Ausprägungen der Beziehungssucht können allerdings höchst unterschiedliche Formen annehmen:

  • Da ist die Frau, die von einer kurzen Beziehung in die nächste rutscht, und jedes Mal ist es natürlich der Mann ihrer Träume, der zukünftige Bräutigam und Vater ihrer Kinder – ohne, dass der Auserkorene gefragt wurde, ob er das genauso sieht.
  • Da ist die Frau, die immer wieder an verheiratete oder anderweitig unerreichbare Männer gerät, weil sie deren grossen, leeren Versprechungen glauben möchte.
  • Da ist die Frau, die bereit ist, mit einem alkohol- oder drogenabhängigen, vielleicht sogar gewalttätigen Mann zusammenzubleiben, um den Status quo zu erhalten.
  • Da ist die Frau, die aufgrund emotionaler Abhängigkeit bei jedem kleinen, irrationalen Auslöser in Eifersucht ausbricht, weil sie ihre Beziehung in Gefahr sieht.
  • Da ist die Frau, die sich in einem irrationalen Schritt auf einen Umzug in eine fremde Stadt einlässt und dabei ihre finanzielle Sicherheit, ihre Interessen und ihren Freundeskreis zurücklässt, weil sie Angst vor einer Fernbeziehung hat – für eine Partnerschaft, deren Verbindlichkeit seitens des Partners nie ausgesprochen wurde.

All diesen Ausprägungen von Beziehungssucht liegt eine Ursache zugrunde: Der Status „In einer Beziehung“ wird als wichtiger wahrgenommen als die Qualität der Beziehung selbst.

Partnerschaften ohne Zukunft

Häufig sind die Partner der Liebessüchtigen an diesen Ängsten weder Schuld noch nutzen sie sie aus. Doch laufen Beziehungssüchtige schnell Gefahr, Opfer von Menschen zu werden, die einen schwächeren, von ihnen abhängigen Partner brauchen, um ihr eigenes Leben ohne Störungen weiterleben zu können.

Beispiele gibt es viele: Verheiratete Männer in einer Affäre, die, um den Status quo zu bewahren, eine Partnerin brauchen, die es nicht wagt, ein Ultimatum zu stellen („Entscheide Dich für mich“). Süchtige (Alkohol, Spielsucht oder illegale Substanzen) die sich ihrer Sucht nicht stellen wollen und einen Partner vorziehen, der sie aus Angst vor Konflikten nicht auf ihre Fehler hinweist.

Menschen mit Bindungsängsten, die sich vor einer verbindlichen, intimen Beziehung drücken, indem sie dem schwächeren Part auf Abstand halten, der es wiederum nicht wagt, Ansprüche zu formulieren, sondern sich nach dem Motto „Spatz in der Hand“ zufrieden geben. Im schlimmsten Fall verharren beziehungssüchtige Partner in einer Beziehung, in der sie körperlich misshandelt werden, weil die Angst vor dem Alleinsein größer ist als die Angst vor Gewalt.

 

INFO-BOX: Beziehungssucht – Eine echte Krankheit?

In diesem Artikel wird der Begriff Beziehungssucht oder Liebessucht verwendet, um ein Phänomen zu beschreiben, das zwar als stark störend empfunden wird und sich negativ auf das Leben auswirken kann, in den meisten Fällen aber noch lange nicht pathologisch ist. Doch kann Beziehungssucht im schlimmsten Fall tatsächlich krankhaft sein. Im pathologischen Sinn ist Beziehungssucht im Kontext abhängiger Persönlichkeitsstörungen verortet. Wenn Sie das Gefühl haben, Sie oder Ihr Partner haben aufgrund starker Abhängigkeitsgefühle psychologische Probleme, scheuen Sie sich bitte nicht, einen Arzt um Rat zu fragen, der Ihnen eine Selbsthilfegruppe oder einen erfahrenen Therapeuten vermitteln kann.

Viele Laien sehen Beziehungssucht in der Nähe zur Hypersexualität (umgangssprachlich Sexsucht genannt). Aber so, wie Liebe und Sex zwei unterschiedliche Dinge sind, sind auch die Beziehungssucht und die Sexsucht unterschiedlich motiviert. Während – stark vereinfacht ausgedrückt – krankhafte Beziehungssucht eine substanzungebundene Abhängigkeit darstellt, handelt es sich bei Sexsucht um mangelnde Impulskontrolle. Die Forschung hierzu steht allerdings noch am Anfang und die Definitionen in der psychologischen Literatur sind nicht einheitlich.

 

Beziehung um jeden Preis

Frau lehnt sich an starker Schulter an

Ein junges, verlliebtes Paar in einem Park

Eine Beziehung – auch eine gesunde, ausgewogene – erfordert Kompromisse und Opfer. Doch während die Entscheidungen in einer gesunden Beziehung von zwei autonomen Persönlichkeiten gefällt werden, gerät der beziehungssüchtige Partner schnell in die Situation, dass nur noch er/sie die Opfer bringen muss.

Der Grund: Wenn man sich zu sehr wünscht, dass eine Beziehung funktioniert, ist man vorschnell bereit, die eigenen Ansprüche aufzugeben. Dazu kommt eine hohe Bereitschaft, die Fehler des Partners zu übersehen, eine panische Angst vor unharmonischen Zeiten und dem Verlassenwerden.

Gleichzeitig kann eine Beziehungssucht dazu führen, dass man auf dem sprichwörtlichen toten Pferd sitzen bleibt. Die Angst vor dem Alleinsein ist dann grösser als das Leid, in einer lieblosen Beziehung ausgenutzt zu werden.

 

Beziehungsprobleme in einer potentiell guten Partnerschaft durch Beziehungssucht

Nicht immer geraten Beziehungssüchtige zwangsläufig in Beziehungen mit einem Partner, der diese Schwäche ausnutzt. Doch selbst wenn der neue Partner perfekte Grundvoraussetzungen und den Willen zum Aufbau eines gemeinsamen Lebens mitbringt, können die negativen Muster, die ein Liebessüchtiger in die Partnerschaft einbringt, eine handfeste Beziehungskrise nach sich führen.

  • Spricht jemand aus Angst vor Disharmonie nicht über seine/ihre Bedürfnisse, kann auch ein Partner mit gesundem Kompromisswillen nicht auf dessen Bedürfnisse eingehen. Niemand kann Gedanken lesen!
  • Die Ängstlichkeit eines Beziehungssüchtigen kann zu einem klammernden Verhalten oder übersteigerter Eifersucht führen. Das kann bei einem Partner, der sich sicher ist, keinen Anlass für dieses Verhalten gegeben zu haben, zu Verunsicherung und Ablehnung führen.
  • Die Selbstaufgabe des Beziehungssüchtigen hat zur Folge, dass auf dem anderen Partner ein zunehmend hoher Druck lastet. Es ist sehr anstrengend, alleinig für das seelische Wohlbefinden eines anderen verantwortlich zu sein, selbst wenn das nur unbewusst geschieht.
  • Gleichzeitig ist das mangelnde Selbstwertgefühl des Beziehungssüchtigen mit einem schwarzen Loch zu vergleichen. Es ist nicht durch einen äusseren Faktor zu füllen. Dieses unstillbare Bedürfnis nach positivem Feedback zwingt dem Partner eine sehr einseitige Rolle in der Beziehung auf.

 

Wege aus der Beziehungssucht

„Was bin ich wert, wenn ich nicht in einer Partnerschaft bin?“ Diese Frage ist Dreh- und Angelpunkt der Lösung aus der Beziehungssucht. Das eigene Selbstwertgefühl sollte nie am Beziehungsstatus festgemacht werden, sondern an persönlichkeitsinternen Werten. Das gilt übrigens für alle, nicht nur für Menschen in dysfunktionalen Beziehungen.

Nur mit einem gesunden Verhältnis zu sich selbst kann man in einer Beziehung die eigenen Ansprüche angemessen vertreten und gegen die des Partners abwägen, ohne in absolute Selbstaufgabe oder überzogene Eifersucht zu verfallen.

Und wenn man bei diesem Selbstfindungsprozess merkt, dass der Partner die eigene Schwäche ausgenutzt hat und nicht bereit ist, eine neue Gesprächskultur zu entwickeln? Dann muss man den Mut zum nächsten Schritt finden. Eine Trennung, vielleicht sogar eine Scheidung machen natürlich Angst. Doch ein sauberer Schnitt erlaubt ein Ende der Selbstaufgabe. Und so widersprüchlich es klingt: Nur, wenn man für die eigenen Bedürfnisse einstehen kann, kann man sich auf Partnersuche begeben und in einer neuen Beziehung ein neues Glück suchen.

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Klammern in der Beziehung

erdrückende LiebeEin von beiden Partnern unterschiedlich empfundenes Bedürfnis nach Nähe ist ein typisches Paarproblem.

Es beginnt damit, dass ein Partner den Wunsch des anderen nach einem Abend allein nicht akzeptieren kann. In seiner schlimmsten Form wird Klammern zum Beziehungskiller.

Dieses Problem kann sich beim Klammerer sogar über mehrere Partnerschaften hinziehen. Oft entsteht ein Kreislauf von Beziehungen und Verlassenwerden, in dem er keine Mitschuld bei sich selbst erkennt.

Was ist Klammern?

Eine Klarstellung vorweg: Es ist noch lange kein Klammern, wenn einer vor dem Fernseher kuscheln möchte, während der andere lieber mit Freunden ins Kino will. Zu einer Beziehung gehört dazu, dass man sich als Paar gelegentlich uneinig ist, wie (und vor allem wie viel) Zeit man miteinander verbringt. Die Gründe dafür sind unterschiedliche Interessen, der Altersunterschied oder einfach das Temperament.

Am Beziehungsanfang kommuniziert das Paar normalerweise, welcher Grad an Nähe und miteinander verbrachter Zeit für sie jeweils richtig ist. Das ist Teil des Umwandlungsprozesses, wenn aus der frisch verliebten Verrücktheit eine gefestigte Partnerschaft entsteht. Es ist normal, dass der eine Partner ein höheres Bedürfnis nach Beisammensein mitbringt als der andere. Die meisten Paare einigen sich, eher unterbewusst als verstandesgelenkt, auf einen Kompromiss.

Doch was, wenn sich dieses Gleichgewicht nicht einstellt? Oder nach einer langen Beziehung zu bröckeln beginnt?

Erdrückt durch Nähe

„Klammer doch nicht so!“ Einen grausameren Satz gibt es für einen Liebenden kaum. Seine Liebe ist unerwünscht. Für den, der diese Worte spricht, ist es hingegen ein Versuch, sich vor einem Einengen durch den Partner zu schützen.

Klammern ist nicht so einfach zu definieren. Was ist „zu viel“ Zeit, die man miteinander verbringt? Es gibt keine ISO-Norm, die uns die optimale Zeitverteilung zweier Menschen in einer Liebesbeziehung vorgibt. Menschen sind unterschiedlich, Beziehungen erst recht.

Problematisch wird es, wenn von einem Part Nähe, Intimität und miteinander verbrachte Zeit als Liebesbeweis empfunden wird. Einerseits kann der Klammerer so seine Liebe zeigen („Ich möchte doch nur bei Dir sein!“). Andererseits möchte sich der klammernde Part so die Liebe des anderen beweisen lassen („Du möchtest eigentlich woanders sein? Liebst Du mich denn nicht? Wenn Du jetzt hierbleibst, zeigst Du, dass Du mich liebst!“).

Liebesbeweise: die Währung der Klammerer

So werden abgesagte Verabredungen und gekippte Pläne zu einer Währung auf einem vom Klammerer akribisch geführten „Liebesbeweis-Konto“. Die Forderung nach Nähe und gemeinsam verbrachter Zeit ist gleichzeitig ein Werkzeug, um beim Partner ein schlechtes Gewissen zu erzeugen („Sieh mal: ich liebe mehr als Du!“). Viele Partner geben anfangs nach, denn das Element der emotionalen Erpressung ist beiden Partnern (noch) nicht bewusst. Doch der einseitige Druck bringt Spannungen in die Beziehung.

Klammern kann sich auch in anderen Phänomenen manifestieren als der Einforderung gemeinsamer Zeit. Eine Art des Klammerns ist das Überbehüten. Hier wird Nähe erzwungen, indem sich ein Partner aller Aufgaben des anderen annimmt. Die Grenzen sind fliessend, wie immer beim Thema Klammern: Natürlich gehört es dazu, sich Aufgaben zu teilen und einander zu helfen. Anders sieht es aus, wenn ein Partner dem anderen die Verantwortung für Alltägliches abnimmt und ihn infantilisiert, also zum Kind macht. Dahinter kann der (meist unbewusste) Versuch stehen, Kontrolle und Abhängigkeit zu erzeugen.

In schweren Fällen kommt beim Klammern ein ungehemmtes Kontrollbedürfnis dazu. Dann wird aus dem abstrakten „Liebesbeweis-Konto“ schnell reale Aufrechnung. Spätestens, wenn sich ein Partner dafür rechtfertigen muss, wofür er Geld ausgibt, ist ein Punkt erreicht, der nicht nur durch eine kleine Schräglage in der Beziehungsharmonie zu erklären ist. Der andere Partner hat in einer solchen Situation das Recht, die Notbremse zu ziehen.

Ursachen für klammernde Partner

Klammern in der BeziehungHinter Klammern steht Unsicherheit und die Suche nach Bestätigung. Der Grund dafür ist meistens in vorhergehenden Verletzungen zu finden. Wurde jemand in einer alten Beziehung – vielleicht sogar von einem Elternteil – besonders schmerzhaft verlassen oder betrogen? Es braucht kein Psychologiestudium, um nachvollziehen, dass Verlustängste die Manifestationen dieser Altlasten sein können.

Doch bei allem Verständnis für alte Ängste: Oft merken Klammerer nicht, wie viel Schaden sie in Beziehungen anrichten. Verletzungen einer alten Beziehung führen zu einem Verhalten in der nächsten, die diese schwer belastet. Zerbricht diese, bringt der Klammerer häufig eine noch schwerere Altlast in die nächste Beziehung mit… und so geht der Kreislauf weiter. Häufig erhoffen sich verletzte Menschen, dass in der neuen Beziehung alles besser würde – und wiederholen die alten Fehler. Es trägt eine gewisse Ironie in sich: Die Heilung, die man sich vom neuen Partner verspricht, macht das Problem häufig nur noch schlimmer.

Die Opferrolle

So ein Verhalten hat eine besondere Tücke: Der Klammerer sieht sich meistens nicht in der Schuld, wenn eine Beziehung in die Krise gerät oder endet. Hat er nicht alles richtig gemacht? Sich so viel Mühe gegeben? Sich der Beziehung mehr gewidmet?

Wer äusserlich betrachtet mehr in die Beziehung investiert hat, hat es leicht, die Opferrolle zu kultivieren. Schliesslich ist man der Verlassene. Derjenige, der bleiben wollte. Der nichts falsch gemacht hat. Eine so bequeme Ausrede vor sich selbst hat man nicht, wenn man die Beziehung aktiv beendet hat oder sogar fremdgegangen ist.

Das Gewissen des Klammerers schweigt. Der Verlassene muss sich keine Gedanken über seine Rolle bei Beziehungsproblemen oder der Trennung machen. Auch, wenn die Verantwortung für Trennungsgründe stets bei beiden Partnern liegt.

Die Mitschuld akzeptieren, Freiräume geben

Findet man sich in einem Kreislauf aus Beziehungen wieder, die wiederholt am selben Problem scheitern – Zurückziehen oder Fremdgehen des Partners – sollte man sich fragen, ob man am Ausgang dieser Beziehungen nicht Anteil hat.

Das kann hart sein: Man ist fraglos der Leidtragende, nicht Täter, wenn eine Beziehung durch das Fremdgehen des Partners beendet wurde. Keinesfalls geht es bei der Anerkennung von Mitverantwortung um die Umlagerung der Gesamtschuld, sondern um das Erkennen eigener Verhaltensweisen.

Doch wenn Beziehungsprobleme oder gescheiterte Beziehungen zu etwas gut sind, dann, um etwas über sich zu lernen und alte Probleme zu bewältigen. Werden Sie von Ihrem (Ex-)Partner beschuldigt, zu klammern? Vielleicht beantworten Sie dann die folgenden Fragen still für sich. Diese Fragen sollen nur ein Denkanstoss sein, kein Diagnosewerkzeug.

Klammere ich?

  • Kann ich einen Abend allein geniessen? Wenn nicht, wieso?
  • Ist mein Freundeskreis oder der meines Partners geschrumpft? Wenn ja, warum?
  • Leide ich schnell unter Eifersucht? Hat mir mein Partner Anlass zu Misstrauen gegeben?
  • Werde ich nervös, wenn ich nicht weiss, wo mein Partner ist?
  • Plane ich Freizeitaktivitäten ohne meinen Partner?
  • Gibt es in meiner Beziehung ein stark unausgewogenes Kommunikationsverhältnis? Melde ich mich häufiger als mein Partner?
  • Habe ich je heimlich in den E-Mails, Briefen, Chats oder im Smartphone meines Partners gestöbert?
  • Bin ich der einzige, der gemeinsame Aktivitäten vorschlägt?
  • Wurde ich in vergangenen Beziehungen verletzt? Habe ich das aufgearbeitet?
  • Fühle ich mich abgesichert, wenn der andere mir gegenüber in der Schuld steht?

 

Wege aus dem Klammerverhalten

Klammern lösenWie löst man sich aus dem Kreislauf des Klammerns? Das liegt in der Verantwortung desjenigen, der klammert. Und es läuft auf einen einzigen Satz hinaus: Lassen Sie los!

Eine gesunde Beziehung braucht nicht nur Nähe, sondern auch Freiheit. Man ist nicht nur die Hälfte eines Paares, sondern auch ein Individuum. Mit oder ohne Partner ist man ein ganzer Mensch.

Wenn man einzig Zeit mit dem Partner verbringt, kann man nur noch über das sprechen, was man ohnehin gemeinsam erlebt hat. Dann kann die gemeinsame Zeit nur noch langweiliger Alltag sein. Natürlich: Alltag gehört zum Beziehungsleben. Doch schafft man nur Qualitätszeit miteinander, indem man sich auch um sich selbst kümmert, Zeit ohne einander verbringt und andere Menschen trifft. Partnerschaften leben vom Gleichgewicht, dass man etwas miteinander aufbaut, sich aber gleichzeitig jeder so gut um eigene Belange kümmert, dass man vom Partner nicht ständig getragen werden muss.

Klammert man, stellt man an sich selbst und den Partner die Forderung nach Selbstaufgabe. Damit wird ein Druck aufgebaut, der die Beziehung belastet. Das beginnt damit, dass man vom Partner fordert, Hobbys einzuschränken oder die Freunde zu vernachlässigen. Darum: Ein Abend alleine zu verbringen, ist vollkommen in Ordnung.

INFO-BOX: Mein Partner klammert!

Für alle, die in einer Beziehung mit jemandem sind, der klammert, haben wir schlechte Nachrichten: Die Lösung muss vom Klammerer selbst ausgehen. Aber auch für die Opfer von Klammerern haben wir ein paar Ansätze:

Klammert Ihr Partner wirklich?
Stellen Sie sich diese Frage: Sind Sie sicher, dass der Vorwurf an Ihrem Partner gerechtfertigt ist? Haben Sie vielleicht ein besonders hohes Freiheits- und Distanzbedürfnis, vielleicht das Ergebnis eigener Verletzungen alter Beziehungen? Finden Sie gemeinsame Zeit mit dem Partner grundsätzlich nicht mehr schön und tragen Sie sich mit dem Gedanken, sich zu trennen? Fordert Ihr Partner mehr Zeit von Ihnen, weil Sie wenig Engagement bei gemeinsamen Pflichten (z.B. Kindern) zeigen und er nicht die Hauptlast tragen möchte? Dann liegt das Problem – und dessen Lösung – vielleicht nicht bei Ihrem Partner, sondern bei Ihnen.

 

Haben Sie nicht das Gefühl, sich zu entziehen? Stecken Sie in einer Beziehung zu jemandem, der klammert? Es gibt Wege, das Thema auf konstruktive Art anzusprechen:

 

„Ich brauche mal wieder Zeit für mich. Das bedeutet nicht, dass ich Dich nicht liebe oder die Zeit mit Dir nicht geniesse. Aber um Dir der Partner zu sein, der ich sein möchte, muss ich mich auch um mich selbst kümmern.“

„Ich denke, wir können einander bessere Partner sein, wenn wir gelegentlich etwas ohne den anderen machen. Sonst haben wir uns doch auch nie etwas Neues zu erzählen.“

„Was mache ich, dass ich Dich so verunsichere? Kann ich irgendetwas tun, damit Du Dich sicher fühlst, auch wenn ich Zeit ohne Dich verbringe?“
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Einsamkeit überwinden: Gründe & Auswege

einsamDie Überwindung von Einsamkeit… Bedeutet das, einen Partner zu finden? Oder zu lernen, dass Alleinsein nicht gleichbedeutend ist mit Einsamkeit? Es klingt wie ein Widerspruch, aber wer Einsamkeit überwinden will, braucht im ersten Schritt keine anderen Menschen, sondern sollte an sich selbst arbeiten.

Manchmal führt ein besserer Umgang mit dem Alleinsein – was eigentlich nichts anderes ist als ein besserer Umgang mit sich selbst – dazu, dass sich der Umgang mit anderen Menschen verändert. Schliesslich kennen wir doch alle den Spruch: Sobald man aufhört zu suchen, findet man den Partner fürs Leben.

„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt.“

Schon in der Bibel steht diese einfache Tatsache: Menschen sind soziale Wesen. Unser Gehirn ist auf Zwischenmenschlichkeit programmiert. In Isolationshaft verändert sich nachweislich der Hormonhaushalt und schränkt die kognitiven Fähigkeiten ein. Zwar stecken die wenigsten von uns in Einzelhaft, doch hat die Psychologie auch für den Alltag festgestellt, dass sozialer Umgang ein wichtiger Baustein für eine gesunde Psyche ist.

Jeder Mensch bringt ein unterschiedlich starkes Bedürfnis nach sozialem Austausch mit. Ein richtiges, allgemeingültiges Mass gibt es nicht. Zwar sind wir, wenn wir nicht gerade auf einem einsamen Berg hausen, jeden Tag von anderen Menschen umgeben, doch für alle Menschen gilt: Man braucht mehr Kontakte als die unverbindliche Freundlichkeit von Kollegen oder der Bäckerin, die einem das Frühstücksbrötchen verkauft. Und fast alle Menschen sehnen sich nach einem Partner.

Wenn Einsamkeitsgefühle wachsen…

Mann sehnt sich nach einer BeziehungEinsamkeit ist ein abstraktes Gefühl. Sie wird individuell sehr unterschiedlich empfunden. Sie schleicht sich ins Leben wie ein Dieb. Alles ist bestens, wie immer. Doch eines Abends merkt man, dass etwas nicht stimmt. Ein diffuses Unwohlsein mit seinem Singlesein oder der Gesamtsituation, durch das man merkt, dass einem ein echter Kontakt zu einem anderen Menschen fehlt.

Die Ursachen, durch die Sie sich in einer solchen Situation wiederfinden können, sind vielfältig: Eine Trennung. Sich wandelnde Interessen, durch die man sich vom alten Freundeskreis entfernt hat. Der Umzug in eine neue Stadt. Eingeschliffene Gewohnheiten. Oder schlicht ein introvertierter Charakter, den es Überwindung kostet, sich neuen platonischen oder romantischen Beziehungen zu öffnen.

Nach der Erkenntnis, dass einem ein anderer Mensch fehlt, folgt automatisch die Frage: „Was stimmt mit mir nicht, dass ich niemanden habe?“ Diese Frage kann meistens nicht beantwortet werden – schlicht und ergreifend, weil mit Ihnen wahrscheinlich alles in Ordnung ist.

Weil Zweifel am Selbst meist so an einem nagen, dass man sich immer wieder intensiv damit beschäftigt, wandelt sich aus Gewöhnung an dieses Lebensgefühl die Frage „Was stimmt mit mir nicht?“ irgendwann zum Fakt: „Irgendwas stimmt mit mir nicht.“

Daraus entwickelt sich die Angst, auf neue Erfahrungen und Menschen zuzugehen. Aus dieser Schüchternheit verstärkt sich das Gefühl der Unzulänglichkeit. Die Folge: Man zieht sich tiefer und tiefer in sein Schneckenhaus zurück. Zu viel unfreiwillig mit sich selbst verbrachte Zeit ist der perfekte Nährboden für ein negatives Gedankenkarussell. Man redet sich ein, man sei nicht liebenswert, selbst Schuld daran, einsam zu sein und das Alleinsein sei eine Art Urteil, das die Gesellschaft über Charakter und Liebenswürdigkeit der eigenen Person gefällt hätte. Viele fühlen sich zunehmend ungeliebt, sozial inkompetent und überflüssig. Diese Faktoren können im schlimmsten Fall zu einer Depression führen. Einsamkeitsgefühle können krank machen.

INFO-BOX: Einsamkeit – Symptom modernen Lebens?

Wenn man sich mit älteren Menschen unterhält, scheint es manchmal so, als ob Einsamkeit ein relativ neues Problem sei. Und tatsächlich: Die Einsamkeit vieler Menschen der westlichen Welt ist eine der Schattenseiten des modernen Lebens.

Herrlich: Keiner zwingt uns, mit zwanzig verheiratet zu sein und Hausfrau zu werden bzw. den gleichen Beruf wie der Vater auszuüben. Stattdessen wählen wir unseren eigenen Lebensweg und individuelle Freizeitbeschäftigungen, machen Karriere und ziehen in andere Städte oder Länder.

Als junge Menschen sind wir frei und ungebunden. Allerdings fallen in der Konsequenz viele Sozialkontakte weg, die sich aus den Zwängen früher herrschender gesellschaftlicher Restriktionen automatisch ergeben haben. Bemerkbar macht sich das Fehlen solcher Kontakte meistens erst, wenn man sich irgendwo niederlässt. Meistens sinkt mit steigendem Alter das Bedürfnis danach, jedes Wochenende feiern zu gehen und es wächst das Bedürfnis nach einem Partner, mit dem man teilen kann, was man sich aufgebaut hat.

Doch das passiert häufig nicht „einfach so“, sondern muss aktiv angegangen werden. Die Schaffung von erfüllenden Sozialkontakten – freundschaftlichen wie partnerschaftlichen – liegt in unserer eigenen Verantwortung wie der Rest unserer Lebensgestaltung.

 

Ausbrechen aus der Einsamkeit

Ausbrechen aus der Einsamkeit

Wer glaubt, ein neuer Partner sei auf Dauer die Lösung seines Selbstwertgefühl-Problems, irrt. Eine neue Liebe kann zwar als Pflaster auf den Wunden der Psyche hilfreich sein, doch macht man sich dann von der Wertschätzung des Partners abhängig. Das ist nicht nur deshalb „gefährlich“, weil eine Partnerschaft zerbrechen kann. Es legt auch eine grosse Last auf die Schultern des Partners und kann die Beziehung genau deshalb belasten. Ein heimtückischer Kreislauf: Was Heilung bringen soll, wird durch die Angst, diese Heilung zu verlieren, zum Gift.

Die simple Wahrheit ist: Die Probleme mit Ihrem Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl werden Sie auch mit einem Partner haben. Vielleicht seltener, da Sie mehr Ablenkung haben und im besten Fall Bestätigung bekommen. Doch reicht eine kleine Erschütterung wie ein alltäglicher Beziehungskonflikt, in dem der Partner Ihnen keine Bestätigung geben kann oder will, und die Selbstzweifel sind wieder da.

Alleinsein lernen

Es geht also darum, die durch Einsamkeit entstandenen Selbstzweifel zu überwinden, ohne seinen Selbstwert an einer anderen Person festzumachen. Von der Ausbildung einer autonomen Persönlichkeit profitieren also nicht nur Sie, sondern auch ihre Partnerschaft. Und das von Anfang an: Ist man nicht von der Wertschätzung anderer abhängig, kann man während der Partnerwahl wählerischer und souveräner agieren. In der Beziehung kann man mit einem in sich selbst ruhenden Selbstbewusstsein positiv auf Konflikte einwirken, anstatt vor ihnen zurückzuweichen.

Man kann dem Partner, wenn dieser selbst durch eine Krise geht, besser beistehen. Kritik an der eigenen Person – sei sie nun berechtigt oder im Streit geäussert – reisst einem nicht den Boden unter den Füssen weg. Kurz: Die Entwicklung eines gesunden Selbstbewusstseins und die Fähigkeit, das Alleinsein nicht als Einsamkeit zu empfinden, nimmt nicht nur Druck von Ihnen, sondern auch aus der Beziehung.

Tipps zur Überwindung von Einsamkeit

  • Raus aus dem Schneckenhaus! Gehen Sie eine Tätigkeit an, die auf den ersten Blick nichts mit Partnersuche zu tun hat. Besuchen Sie einen Zeichenkurs. Gehen Sie auf Buchlesungen. Treten Sie einem Chor bei. Machen Sie etwas, was Sie interessiert und an denen andere Menschen beteiligt sind.
  • Bauen Sie sich Ihr Nest! Die Wohnung ist der Spiegel der Seele. Mit sich selbst im Einklang zu sein, klingt danach, als ob man sich nur selbst mögen müsste. Tatsächlich muss man aber auch den Ort mögen, an dem man am meisten Zeit mit sich selbst verbringt. Und das sind die eigenen vier Wände. Wenn Sie sich freuen, nach Hause zu kommen, können Sie sich auch auf sich freuen.
  • Seien Sie Herr(in) über Ihre Aufmerksamkeit! Die Gedanken zu beherrschen, ist wie den Wind zu fangen. Trotzdem kann man lernen, das Denken in bestimmte Richtungen zu lenken. Wenn Sie allein sind und sich immer wieder in Gedankenschleifen und Grübeleien über Ihre Einsamkeit wiederfinden, üben Sie sich in Selbstdisziplin und schicken Sie ihre Gedanken in eine andere Richtung. Ist das einfach? Nein! Aber Übung macht den Meister. Ein paar Coaching-Stunden bei einem Psychotherapeuten oder einer Psychotherapeutin können hier übrigens Wunder wirken.
  • Kontaktieren Sie alte Bekannte! Jeder hat ein paar Freunde, alte Arbeitskollegen oder Kommilitonen, die man im Laufe der Jahre aus den Augen verloren hat. Gehen Sie diese Liste im Kopf einmal durch: Bestimmt findet sich darunter jemand, von dem Sie sich fragen, was er heute so treibt. Dank Social Media und Email ist das Kontaktaufnehmen heute kein Problem mehr. Erweitern Sie so Ihren Bekanntenkreis und lernen Sie darüber neue Menschen kennen.
  • Keine Scheu vor Partnerbörsen! Durch das Internet stehen uns zur Kontaktaufnahme nicht nur direkte Kontakte zur Verfügung. Wer ganz konkret auf der Suche nach einem Partner ist, dem stehen online viele Partnerbörsen, wie z.B. Parship zur Verfügung.