Archiv für den Monat: August 2015

Wochenendbeziehung – Partnerschaft für Fortgeschrittene oder Notlösung?

Die Wochenendbeziehung ist heute nicht mehr ungewöhnlich. Immer mehr Paare sehen sich gezwungen, die Woche getrennt voneinander zu verbringen. Davon können auch Familien betroffen sein. Hintergrund ist zumeist, dass die Arbeitsplätze zu weit voneinander entfernt liegen, um gemeinsam zu leben.

Durch die steigende Mobilität sind Fahrtstrecken von 50 km und mehr zwar realisierbar, doch oftmals liegt der Traumjob oder die Chance, der Arbeitslosigkeit zu entkommen, noch weiter entfernt, möglicherweise befindet sich der Arbeitsplatz sogar jenseits der Landesgrenzen.

Umziehen oder Wochenendbeziehung?

Ankunft am WochenendePaare, bei denen einer eine Stelle in weiterer Entfernung antritt, sehen sich zunächst in einem Dilemma. Der neue Job kann die Karriere vorantreiben, er wird vielleicht besser bezahlt oder bietet andere Vorteile.

Am Wohnort hingegen sitzt der Lebenspartner mit seinem Job, möglicherweise auch mit schulpflichtigen Kindern. Die eigene Immobilie ist ausserdem ein gewichtiger Grund, vor Ort zu bleiben. Aber auch die vertraute Umgebung, Freunde und Angehörige sind gute Gründe, warum nicht jeder den gemeinsamen Umzug favorisiert. Hinzu kommt, dass oftmals nicht absehbar ist, ob die neue Stelle für den Partner wirklich so vielversprechend ist, wie es sich in der Anfangszeit darstellt. Es gibt daher auch wirtschaftliche Gründe, die dafür sprechen, dass der Partner nicht mit umzieht.

Wochenendbeziehungen entstehen aber auch, wenn zwei Menschen sich kennen- und lieben lernen, aber sehr weit voneinander entfernt wohnen. Wenn beide ihren Wohnort nicht aufgeben können oder wollen, bleibt nur eine Trennung oder eine Fernbeziehung.

Die Vorteile einer Wochenendbeziehung

Wochenendbeziehungen können ihren Schrecken schnell verlieren, wenn einige Dinge beachtet werden. Dazu gehören vor allem Rituale. Das abendliche Telefonat, die SMS am Morgen und in der Mittagspause verhindern, dass beide in der Woche in ein echtes Singleleben hinein rutschen. Anders ist es natürlich, wenn diese Entwicklung gewünscht ist. Vor allem in langjährigen Beziehungen, in denen unklar ist, ob beide die Verbindung eigentlich noch wollen, kann das vorübergehende Singleleben heilsam sein.

Das Wochenende gehört dann beiden gemeinsam. Weitere Vorteile sind, dass beide ihre Lebensinhalte selbstständig verwalten. Niemand ist gezwungen, für den anderen ein Opfer zu bringen. Während der Wochenendbeziehung bleibt genügend Zeit zu überlegen, ob man sich an anderer Stelle ein neues und gemeinsames Lebensumfeld schafft. Meist ist das der Fall, wenn einer von beiden in der Nähe des anderen eine geeignete Stelle findet.

Die Beziehung auf Distanz – Charaktersache?

Verliebtes Paar auf einer ParkbankPaare, die gut mit einer Wochenendbeziehung zurechtkommen, sind fast immer emotional gefestigt und stabil. Sie neigen weniger zu Eifersucht, bewältigen ihren Alltag allein und sind den tagtäglichen Anforderungen gewachsen. So sieht zumindest die Ideallösung aus und genau dieses Ziel sollten Paare, die sich für eine Wochenendbeziehung entscheiden, auch anstreben.

Während der Woche darf die Freizeit aber so richtig genossen werden. Das bedeutet nicht, dass er oder sie Einladungen zu Dates annimmt. Aber es ist völlig in Ordnung, in Ruhe das Fussballspiel zu schauen oder am Abend eine ausgiebige Shoppingtour zu planen. Mit gutem Gewissen sollten Paare, die eine Wochenendbeziehung leben, die Zeit allein auch für sich verwenden und nicht mit düsterer Miene zu Hause bleiben. Das Opfer der Fernbeziehung macht es möglich.

Diesen Vorteil sollten beide für sich nutzen und offen darüber sprechen. Es ist hingegen nicht fair, dem Partner nachzuspionieren oder sich gegen Aktivitäten aus Eifersucht auszusprechen, nur weil man selbst nichts vorhat. Es muss nicht der tägliche Besuch des Clubs sein. Wie wäre es mit einer neuen Fremdsprache oder mit dem regelmässigen Besuch des Fitnessstudios?

Fehler in der Wochenendpartnerschaft

Mit der Entscheidung für eine Wochenendbeziehung ändert sich vieles. Meist bleibt es bei einem Hauptwohnsitz, während die zweite Wohnung nur für die Arbeitswochen gedacht ist. Bei gemeinsamer Kontoführung wird das Paar sicher darauf achten, die Kosten möglichst niedrig zu halten. Das sollte nicht dazu führen, dass der zurückbleibende Part in der Woche die Pflege der Kinder und die Versorgung des Haushaltes allein übernimmt und sich am Wochenende auch noch um die Wäsche des zurückkehrenden Partners kümmert, wie auch die Einkäufe tätigt.

Wer am Wochenende nach Hause kommt, begibt sich nicht in den Urlaub! Daher ist es sinnvoll, wenn es auch in der zweiten Wohnung die Möglichkeit gibt, Lebensmittel ordentlich zuzubereiten und Wäsche zu waschen. Andernfalls handelt es sich um eine Unterkunft, die es demjenigen auch erschwert, sich halbwegs heimisch zu fühlen und mit Freude dem Beruf nachzugehen. Das Wochenende dient der gemeinsamen Zeit, nicht dem Aufarbeiten liegen gebliebener Aufgaben. Paare, die sich gerade erst kennengelernt haben, können sich abwechselnd besuchen, falls nicht wichtige Gründe dagegen sprechen.

Übertreiben Sie es nicht mit Ihren Erwartungen!

Verabschiedung am WochenendeEiner der grössten Fehler ist, zu viel vom Wochenende zu erwarten. Sie haben sich mindestens eine Woche nicht gesehen, vielleicht auch länger. Die Vorfreude wächst und fokussiert sich auf die kommenden freien Tage. Am Wochenende müssen beide auch die Eindrücke der vergangenen Tage verarbeiten. Schwierige Gespräche im Job, Sorgen, Scheitern und grosse Aufgaben beschäftigen die Gedanken.

Planen Sie deshalb nicht für den anderen mit. Ob Sie nun die Person sind, die am Wochenende nach Hause kommt oder die sind, die auf den Partner wartet, belassen Sie es lieber bei Vorschlägen. Erinnern Sie aber einander, wenn am Wochenende etwas geplant ist, dass der Partner vielleicht vergessen haben könnte. Halten Sie vor allem den Tag vor der Rückreise frei von Verpflichtungen. Der Besuch der Schwiegermutter am Sonntag Nachmittag kommt möglicherweise nicht gut an, wenn man im Anschluss weite Strecken fahren muss und die Zeit lieber für einen Ausflug genutzt hätte.

Für den, der nach Hause kommt, muss auch offensichtlich sein, dass es sein Heim bleibt. Erwecken Sie also nicht den Eindruck, dass Sie in der Abwesenheit des Partners alles umräumen. Wenn Sie Lust auf Veränderungen haben, sprechen Sie das ab. Sind Sie die Person, die in der Woche nicht zu Hause ist, schieben Sie solche Pläne nicht grundsätzlich auf das Wochenende. Möglicherweise hilft es dem Daheimgebliebenen, etwas zu verändern. Bleiben Sie offen und interessiert. Fragen Sie nach! Wie läuft es zu Hause? Wie war das Gespräch mit xy? War was Wichtiges in der Post? Bleiben Sie präsent!

In der Zeit des Smartphones lassen sich alle Gedanken und Pläne leichter übermitteln. Nehmen Sie diese Gespräche und Ideen ernst. Zu Hause läuft das Leben weiter!

Das Wiedersehen nach längerer Zeit

Bei einer Wochenendpartnerschaft kann es passieren, dass Treffen verschoben werden müssen. Vielleicht vergehen Wochen oder sogar Monate. Der Gedanke an das Wiedersehen gleicht dann oft einer Achterbahn der Gefühle. Wie wird es sein? Hat sich etwas verändert? Erfahrene Fernbeziehungspaare kennen das und lassen sich Zeit. Die Situation ist ganz anders, als es in einer Nahpartnerschaft der Fall ist, denn bei einer Fernbeziehung ist eine gewisse Distanz beim Wiedersehen nicht ungewöhnlich.

Das ist umso stärker ausgeprägt, wenn es zwischendurch Phasen gibt, in der eine Kommunikation unmöglich ist, z. B. weil es kein Netzverbindung gibt oder die Zeitverschiebung Gespräche unmöglich macht. Nehmen Sie sich Zeit für Gespräche bei Ihrer Rückkehr. Die anfängliche leichte Unsicherheit ist kein Zeichen, dass Ihre Liebe erloschen ist. Sie werden förmlich spüren, wie Sie beide sich schnell wieder näherkommen. „Überfallen“ Sie also niemals Ihren Partner oder Ihre Partner und nehmen Sie eine leichte Zurückhaltung nicht persönlich. Umgekehrt ist natürlich auch die stürmische Begrüssung möglich, denn jeder Mensch ist anders.

Vom Scheitern und Gewinnen

Eine Fernbeziehung kann auch scheitern. Sie kann der Anfang einer neuen Ebene Ihrer Beziehung sein oder auch das Aus bedeuten. Sie beide müssen sich entscheiden, ob Sie glauben, dass Ihre Beziehung diesen Schritt meistern kann, ob sie vielleicht sogar daran wächst oder ob sie daran scheitert. „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt,“ und „wer sich in Gefahr begibt, der kommt darin um.“. Wie auch immer sie sich entscheiden, die Zukunft ist ungeschrieben.

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