Archiv für den Monat: Mai 2016

Wie Kompromisse in der Partnerschaft funktionieren

Kompromisse findenDie Notwendigkeit für einen Kompromiss ist für viele Paare die erste Prüfung der Verliebtheit. Die Uneinigkeit über eine Entscheidung ist häufig der Grund für die Entstehung einer Beziehungskrise. Und was nun?

Es gibt ein Zitat von Henry Kissinger: „Ein Kompromiss ist nur dann gerecht, brauchbar und dauerhaft, wenn beide Parteien damit gleich unzufrieden sind.“ Der Mann wird wissen, wovon er spricht, schliesslich hat er den Friedensnobelpreis gewonnen – und Frieden ist das Ziel, wenn es um Kompromisse in einer Beziehung geht.

 

Sind wir alle Egoisten?

Der Kompromiss hat heutzutage ein mieses Image. Er passt nicht gut zum Individualismus des 21. Jahrhunderts. Sein Gegenteil, die Kompromisslosigkeit, wird oft genannt, wenn es um Selbstverwirklichung geht. „Ich mache keine Kompromisse“, hört man selbstbewusste Einzelgänger sagen. Doch bei allen positiven Seiten, die diese Freiheit mit sich bringt – sie verträgt sich nicht gut mit einigen Aspekten von partnerschaftlichen Beziehungen.

Eine funktionierende Beziehung verlangt früher oder später Kompromisse. Das fällt vielen schwer, die zum Individualismus erzogen wurden und ihn als Erwachsene perfektioniert haben. Einige suchen nach Beziehungstipps, um ihren Individualismus und ihre Sehnsucht nach Zweisamkeit unter einen Hut zu bekommen. Andere haben deswegen schon in Anlehnung an das Buch von Michael Nast die „Generation Beziehungsunfähig“ ausgerufen.

Linktipp: http://www.parship-info.ch/partnersuche/beziehungsunfaehigkeit/

Doch die Lage als hoffnungslos zu bezeichnen, ist mehr als übertrieben. Nicht zuletzt, weil der Individualismus bei der Suche nach Kompromissen auch ein Vorteil sein kann. Denn ist es nicht so: Um einen guten Kompromiss zu finden, muss man erst einmal wissen, was man selbst will und was einem wichtig ist. Und das kann man erst, wenn man gelernt hat, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen und die eigenen Bedürfnisse zu formulieren. Das ist etwas, das wir alle zusammen mit dem Individualismus gelernt haben. Eigentlich also gute Bedingungen, um zusammen mit einem liebenden Partner an seiner Kompromissfähigkeit zu arbeiten.

 

Was ist ein Kompromiss?

Einen Kompromiss einzugehen, bedeutet nicht, dass man einen Wettstreit verloren hat. Die lateinische Herkunft des Wortes bedeutet in etwa „sich gegenseitig etwas versprechen“. Das bringt mit sich, dass beide Parteien sich in der Mitte treffen – nicht, dass sich einer durchsetzt. Bei einem guten Kompromiss rücken beide Partner ein Stück weit von ihren Vorstellungen ab. Man arbeitet zusammen an einem Ziel, das zwar von beiden nicht als ideal angesehen wird, zu dem aber beide stehen können.

Man sollte zwischen kleinen und grossen Kompromissen unterscheiden. Jeder, der in einer längeren Beziehung war oder ist, weiss, dass sich banale Themen zu grossen Diskussionen hochschaukeln können. Die richtige Faltung von Handtüchern oder Uneinigkeit darüber, ob man wirklich jeden Abend den kompletten Abwasch machen muss, sind Fragen, die sich im Eifer des Gefechts extrem wichtig anfühlen – auch wenn jedem klar sein sollte, dass es Themen von höherer Relevanz gibt.

Die wichtigen Themen sind auf einer anderen Ebene zu finden. Sie treten erst zutage, wenn die Beziehung gefestigter ist. Wer zieht zu wem? Wie und wo möchte man leben? Muss ein Traum dafür geopfert werden? Wie viel Geld möchte man zusammen verdienen? Möchte man ein Haus kaufen? Kinder haben? Natürlich sprechen auch Paare, die frisch zusammengekommen sind, über solche Themen. Doch wenn man sich bei diesen Punkten nicht einig ist, fühlt sich die Umsetzung dieser Aufgaben fern und fremd an, nicht wie etwas, worüber man sich sofort einigen muss. Und das ist gut so, denn viele Prioritäten verschieben sich im Laufe der Zeit – doch dazu unten mehr.

 

Ich bin nicht allein auf dieser Welt

Miteinander sprechenEin Kompromiss mit einem Partner ist die Anerkennung der Tatsache, dass man sein Leben nicht mehr nur für sich selbst lebt. Genauso, wie eine gut funktionierende Partnerschaft (oder genauer: der Partner) einen stützen kann, muss man bereit sein, den anderen zu stützen. Und so, wie man gelegentlich Raum oder Zeit für die eigenen Bedürfnisse einfordert, muss man bereit sein, dem anderen Raum oder Zeit zu gewähren.

In einer Partnerschaft gilt die Aussage „Ich bin nicht allein“ – im Guten, wie im Schlechten. Alle Entscheidungen, die man trifft, haben Auswirkungen auf das Leben eines anderen Menschen. Diese Auswirkungen anzunehmen, ist freiwillig. Das gilt für beide Partner.

Man gibt in einer Beziehung in einem gewissen Grad ein Recht auf; das Recht, ganz alleine und mit allen Konsequenzen für sich allein zu entscheiden. Doch in einer gesunden Beziehung erhält man dafür ein neues Recht; das Recht, dass der Partner einen bei seinen Entscheidungen ebenso mit einbezieht.

Ein Kompromiss bedeutet, etwas zu geben und von seinen eigenen Bedürfnissen zurücktreten. Gleichzeitig darf man erwarten, dass der Partner einem das gleiche gewährt. Die wichtigste Zutat für einen guten Kompromiss ist darum: Vertrauen.

 

Kompromisse in der Partnerschaft: Loslassen und Vertrauen

Meistens wird das Gespräch über Kompromisse erst dann geführt, wenn ein Konflikt ausgebrochen ist. Zum Beispiel, wenn man aufgrund einer anstehenden Veränderung das erste Mal über Themen der Lebensgestaltung spricht und merkt, dass es da grosse Unterschiede gibt. Oder wenn man in der Verliebtheit der frühen Beziehungsphasen Eingeständnisse gemacht hat, von denen man später merkt, dass sie im Alltag nicht für einen funktionieren. Ein Streit droht, die Stimmung ist mies. Keine optimalen Bedingungen, um mit ruhigem Kopf das Für und Wider aller Argumente durchzugehen.

Es ist wichtig, dass man in dieser Situation versucht, sich einen Augenblick in die Position des anderen hineinzuversetzen. Es ist nicht leicht, in einem Konflikt den eigenen Standpunkt auch nur für einen Moment und rein theoretisch aufzugeben. Doch was man im Streit schnell vergisst: Den anderen verstehen zu wollen, ist keine Selbstaufgabe, sondern Empathie. Darüber hinaus bedeutet die Tatsache, dass Verständnis für den Partner noch lange nicht bedeutet, dass seine Forderungen widerstandslos umgesetzt werden.

Vertrauen ist der Schlüssel. Für eine Kompromisslösung ist es wichtig, sich auch in einem Konflikt darauf verlassen zu können, dass der Partner einem grundsätzlich wohlgesonnen ist. Man muss bereit sein, zu glauben, dass der Partner in einem Kompromiss bereit ist, bei der Lösung den halben Weg zu gehen. Leider gibt es keinen Massstab, mit dem man die Bereitschaft zu Entgegenkommen bei einem anderen Menschen messen kann. Loslassen, seinen Beitrag leisten und darauf vertrauen, dass der Partner das gleiche tut – das ist das Wesen eines guten Kompromisses.

 

Kompromisse und Opfer

DiskutierenManchmal ist ein klassischer Kompromiss nicht möglich. Angenommen, zwei Menschen führen eine Fernbeziehung und können sich nicht darauf einigen, wer umzieht. Eine „gerechte“ Lösung mag sein, dass beide kündigen und sich genau in der geografischen Mitte zwischen den beiden Ursprungsorten niederlassen. Aber es bedarf wohl keiner weiteren Erklärungen, dass dieser Lösungsansatz nicht praktikabel ist. Auch beim Thema Kinderkriegen ist ein klares Ja oder Nein erforderlich, schliesslich kann man kein halbes Kind bekommen.

Dann steht die Frage im Raum, wie man sich entscheidet. Konflikte dieser Art werden meistens nicht sofort entschieden, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg thematisiert. Das ist keine Schwäche, sondern zeugt von Geduld und Mut. Geduld, weil man nicht auf eine sofortige Lösung besteht. Mut, weil man sich des Ausgangs nicht sicher sein kann, aber beschliesst, diese Unsicherheit auszuhalten. Manchmal löst die Zeit das Problem, weil ein Partner seine Meinung überdenkt – Menschen ändern sich schliesslich im Laufe der Zeit. Unsicherheiten dieser Art über einen längeren Zeitraum auszuhalten, kann eine Beziehung stärken, weil man einander beweist, dass man sich vertraut und auch schwierige Zeiten überstehen kann. Doch es kann auch sein, dass eine Beziehung daran scheitert.

Angenommen, es findet sich keine Einigung, sondern einer der Partner nimmt sich zurück und beugt sich dem Wunsch seines Gegenübers, dann ist es wichtig, dass man diese Kompromissbereitschaft nicht in Kategorien wie „Sieg“ oder „Niederlage“ einordnet. Wenn jemand freiwillig von seinem Ideal abweicht und Zugeständnisse macht, sollten beide Partner versuchen, das Blickfeld zu erweitern. Kann demjenigen, der das Opfer gebracht hat, vielleicht an anderer Stelle Entgegenkommen gewährt werden?

 

Beziehungsprobleme durch die Aufrechnungsspirale

Bei Kompromissen ist die Gefahr gegeben, dass eine Spirale des Aufrechnens beginnt. Das kann die grossen Themen betreffen („Du wolltest Kinder, also kann ich entscheiden, wo wir leben.“), geht aber auch im kleineren Massstab: In welcher Farbe die Wand gestrichen wird, wohin es im Urlaub geht, was es zu Essen gibt.

Das alles kann zu einer Art Beziehungsbuchhaltung führen, in der sich die beiden Partner hinter vergangenen Kompromissen verschanzen und sich gegenseitig die „Quittungen“ dafür unter die Nase halten („Letztes Wochenende sind wir dahin gefahren, wo Du hinwolltest, jetzt bin ich mal dran!“).

Meistens entspringt eine solche festgefahrene Situation der Tatsache, dass sich beide Partner als „zu kurz gekommen“ empfinden, also grundsätzlich annehmen, die höhere Kompromissbereitschaft zu zeigen und dafür nicht genug zurückzubekommen.

Die Lösung besteht darin, zu hinterfragen, woher dieses Gefühl kommt. Hat sie sich aufgrund von Kleinigkeiten hochgeschaukelt? Empfindet ein Partner einen vergangenen Kompromiss als sehr schwerwiegend und möchte nicht noch weiter „an Boden verlieren“. Oder sind vielleicht die Ansprüche in einigen Bereichen so unterschiedlich, dass das Gefühl, einen zu grossen Kompromiss eingegangen zu sein, bei beiden Partnern berechtigt ist?

 

Pragmatismus ist erlaubt

Der Idealzustand in einer Beziehung ist, dass Kompromisse quasi von allein entstehen und beide Partner durch Vertrauen und Entgegenkommen in gleichen Anteilen dazu beitragen. Wir wissen aber alle, dass Idealzustände sehr selten sind und meistens nicht lange anhalten. Das Leben ist zu komplex für Bilderbuchlösungen!

Pragmatische Absprachen sind in solchen Situationen ein Weg aus dem Konflikt. Das wirkt zwar nicht sehr romantisch, kann aber gut funktionieren. Kompromissvorschlag: Bei Uneinigkeit z.B. darüber, wie man die Wochenenden miteinander verbringt, wechselt man sich bei der Planung eben ab. Oder man macht ab und zu etwas ohne den Partner.

 INFO-BOX:

Wenn das Opfer zu gross ist…

Auch, wenn Kompromisse etwas grundsätzlich Positives sind, kann man aus falsch verstandener Kompromissbereitschaft zu weit gehen:

·         Wenn nur noch einer in der Beziehung Opfer bringt, und das über eine lange Zeit, muss man sich die Frage stellen, ob der „Kompromiss“ nur noch ein Deckmäntelchen ist, unter dem sich Ausnutzung versteckt.

·         Wenn beide Partner immer mehr das Gefühl haben, Kompromisse nur noch zu sehr hohen Preisen einzugehen, stehen dahinter vielleicht unvereinbare Vorstellungen von der Lebensgestaltung. Ist die Kompromisslösung keine Lösung, sondern für beide Partner eine Qual, ist es vielleicht an der Zeit, getrennte Wege zu gehen.

 

Am Ende sollte man nicht mit Gewalt daran festhalten, dass eine Beziehung funktioniert. Es ist weder Egoismus noch Beziehungsunfähigkeit, wenn man sich eingesteht, dass man zu einigen Opfern nicht bereit ist. Gleichzeitig sollte man keine Angst haben, seinen Standpunkt von Zeit zu Zeit zu hinterfragen und bereit sein, seinem Partner zuliebe Kompromisse einzugehen. In einer gesunden Beziehung bekommt man nämlich genau das zurück: Einen Partner, der bereit ist, für einen Kompromisse einzugehen. Nur so lässt sich ein gemeinsames Leben aufbauen.

 

Zum Schluss

Kompromissbereitschaft ist im Idealfall ein Geschenk. Man gibt es freiwillig, und man hofft und vertraut darauf, etwas „Gleichwertiges“ zurück zu erhalten. Aber der Idealfall ist in der Praxis selten vorzufinden. Also: Verhandeln ist erlaubt. Werden aus diesen Verhandlungen allerdings offene Kriegshandlungen, kann das nur mit Verletzungen enden – und keiner gewinnt. Am Ende hat wohl Kissinger recht: Der beste Kompromiss ist der, mit dem beide ein wenig unzufrieden sind, mit dem aber beide leben können. Zufriedenheit kann man aber vielleicht darin finden, einen Kompromiss gefunden zu haben und eine gute Beziehung zu führen.

Smalltalk lernen: Vom unverfänglichen Gespräch zum Flirt

im GesprächNeue Menschen kennenzulernen ist der erste Schritt, um eine neue Liebe zu finden. Das klingt so leicht, aber die Wahrheit ist, dass die meisten von uns sich in dieser Situation alles andere als Wohl fühlen. Für manche ist es sogar eine unüberwindbare Hürde.

Worüber soll man mit einem wildfremden Menschen reden? Hier finden Sie ein paar Tipps, wie Sie ein Gespräch am Laufen halten, ohne sich zu verstellen.

Smalltalk ist ein sehr unpräziser Überbegriff für unverfängliche Gespräche aller Art. Der Smalltalk bei einem Bewerbungsgespräch ist ein anderer als der mit der Verwandtschaft auf der Geburtstagsfeier einer Tante, und der wiederum funktioniert ganz anders als die vorsichtige Konversation mit einem nahezu unbekannten Gesprächspartner, der einem gefällt.

Hier geht es um eine bestimmte Variante des Smalltalks: Das Flirten, also das Kennenlern-Gespräch mit einem potentiellen Partner. Wenn Sie mit dem Flirten Ihre Probleme haben, sind Sie damit nicht alleine. Das Flirt-Gespräch ist nämlich die Königsdisziplin unter den vielen Arten des Smalltalks. Bei einem Bewerbungsgespräch muss man im Grunde nur darauf achten, professionell zu erscheinen. Bei der Familienfeier kommt es darauf an, das Geplauder freundlich zu halten. Aber bei einem Smalltalk mit einem Menschen, der einen gefällt, gibt es viele Punkte zu beachten:

  • Man möchte, dass der Gesprächspartner sich wohlfühlt
  • Man möchte sich selbst gut darstellen
  • Man möchte sich selbst treu bleiben
  • Man möchte das Gegenüber kennenlernen
  • Man möchte dem anderen Möglichkeit geben, etwas von sich zu erzählen

Das klingt wie eine komplizierte Aufgabe. Eigentlich widersprüchlich, dass etwas wie Smalltalk, dessen zentrale Elemente das Spiel und die Leichtigkeit sind, in der praktischen Umsetzung von so vielen als höchst kompliziert empfunden wird – aber keine Angst, man kann es lernen.

 

Die Kunst des Plauderns

Smalltalk im BüroSmalltalk bedeutet, dass das Gespräch unverfänglich, also konfliktfrei bleiben soll. Ganz wichtig beim Smalltalk ist die Unverbindlichkeit des Gesprächs. Verliert man sich wieder aus den Augen oder wird unterbrochen, hat niemand ein Recht darauf, beleidigt zu sein, wenn das Gespräch nicht wieder aufgegriffen wird. Hier geht es um Leichtigkeit. Wenn sich Ihr Smalltalk-Partner von Ihnen abwendet oder das Thema wechselt, bleiben Sie souverän. Sie haben nichts falsch gemacht. Plötzliche Gesprächspartner- oder Themenwechsel machen den Smalltalk aus.

 

Die Basics

Die wichtigste und einfachste Regel vorweg. Für Smalltalk gilt das erste Gebot der Höflichkeit: Sorge dafür, dass sich Dein Gegenüber wohlfühlt! Diese Regel ist eigentlich universell auf jede Interaktion mit anderen Menschen anwendbar. Warum? Das fasst am besten ein Zitat der US-Bürgerrechtlerin Maya Angelou zusammen: „Menschen werden vergessen, was du gesagt hast. Menschen werden vergessen, was du getan hast. Aber Menschen werden niemals vergessen, welches Gefühl du ihnen vermittelt hast.“ Wenn sich jemand in Ihrer Gegenwart gut gefühlt hat, dann wird er/sie Sie positiv in Erinnerung behalten, auch wenn Sie nur ein paar Sätze über das Wetter gesprochen haben.

 

INFO-BOX: Der mentale Spickzettel

Sie sind kein Rhetorik-Genie? Kein Problem, das sind die wenigsten. Wenn Ihnen das eloquente Geplauder nicht in die Wiege gelegt wurde, machen Sie sich nichts daraus, denn Smalltalk ist kein Talent – es ist ein Werkzeug. Und wie mit allen Werkzeugen muss man üben, damit umzugehen. Es gibt ein paar Tricks, mit denen man die Konversation am Laufen halten kann.

  • Einleitung üben: Was kommt nach dem Austausch der Namen? Betretenes Schweigen muss nicht sein. Die Frage, woher er/sie den Gastgeber kennt oder ob der Drink empfehlenswert ist, reicht manchmal schon als Gesprächseinstieg, um den Stein ins Rollen zu bringen. Der Klassiker ist ein schlichtes „Was macht Du so?“. Schliesslich „macht“ jeder irgendetwas, und ob die Menschen dann über Ihren Beruf erzählen oder ihr Hobby, verrät eine ganze Menge.
  • Themen zurechtlegen: Der letzte Urlaub, das letzte Buch, der letzte Film… Das alles kann ein Einstieg in einen Austausch sein.
  • Übergänge schaffen: Wenn man ein Thema eingeführt hat, sollte man dem Gesprächspartner die Möglichkeit geben, etwas dazu zu sagen. Die Frage „Was denkst Du darüber?“ überrumpelt allerdings viele, sie ist sehr direkt. Besser ist der Eisbrecher „Kennst Du das?“. Es gibt Ereignisse im Leben, die teilen wir mit fast allen Mitgliedern unserer Kultur. Diese stellen ein weites Feld an universellen Gemeinsamkeiten dar: Die Aufregung in der ersten eigenen Wohnung, wie verloren man sich an einem neuen Arbeitsplatz gefühlt hat oder die emotionale Reaktion auf Geschehnisse in den Medien. Die Frage „Kennst Du das?“ lässt dem Gegenüber die Möglichkeit, „Eigentlich nicht…“ zu sagen, sie kann aber auch aus einer unverbindlichen Plauderei ein echtes Gespräch machen.
  • Die Fünf-Minuten-Regel: Merken Sie sich, wenn Ihr Gegenüber etwas erzählt, aber nicht weiter darauf eingeht. Sprechen Sie ihn/sie fünf Minuten später darauf an und fragen Sie nach. Damit werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Erstens bietet man dem Gegenüber eine Möglichkeit, etwas von sich zu erzählen, zweitens wirkt man wie ein sehr aufmerksamer Zuhörer.

 

Verstellen Sie sich nicht…

VKollegen machen Pause im Aufenthaltsraumiele glauben, das Geheimnis des Smalltalks mit Flirt-Elementen läge darin, besonders gebildet oder eloquent zu erscheinen. Ein tiefsitzendes Missverständnis! Denn was haben Sie davon, ein Bild von sich zu verkaufen, das möglicherweise nicht der Wahrheit entspricht? Ausserdem: wer mag schon Angeber?

Vor allem im Gespräch mit einem Menschen, den man als potentiellen Partner kennenlernen möchte, ist es wichtig, dass man authentisch bleibt. Das ist gar nicht so leicht, denn – Hand aufs Herz – wir alle haben heimlich ein nicht ganz der Realität entsprechendes Idealbild von uns selbst. Das kann beim Smalltalk dazu führen, dass man versucht, sich als Experte für moderne Kunst zu verkaufen, obwohl man in seiner Freizeit viel lieber Comics liest.

 

…aber verraten Sie nicht zu viel

Es könnte so klingen, als ob dieser und der vorhergehende Absatz einander widersprechen. Aber es ist wichtig, beim Kennenlernen nicht zu viel von sich zu verraten. Einige Menschen neigen dazu, im ersten Gespräch mit einem Menschen, den sie sympathisch finden, alles von sich zu erzählen. Vor allem, wenn das Smalltalk-Training fehlt. Sein Herz auszuschütten kann aber beim Kennenlernen zu viel des Guten sein. Zu viel private Information beim ersten Gespräch kann als Jammern oder als distanzlos interpretiert werden. Geheimnisse und Ereignisse aus der Kindheit sollte man sich für später aufbewahren, wenn man sich besser kennt. Erzählt man erst bei einem späteren Gespräch, wie sehr z.B. die Scheidung der Eltern einen mitgenommen hat, ist das Teilen dieser Information ein Vertrauensbeweis. Ein Geheimnis, das man sofort erzählt, kann nicht viel bedeuten.

 

Das Gesprächsgleichgewicht

spontanes Gespräch im BüroDafür zu sorgen, dass ungefähr beide gleichviel reden, ist eine gute Pi-mal-Daumen-Regel. Aber sklavisch daran halten sollte man sich nicht. Es gibt schliesslich Menschen, die fühlen sich in der Position des Zuhörers wohl. Andere fühlen sich hingegen sicher, wenn sie im Gespräch die Zügel in der Hand halten. Allerdings sollte man darauf achten, ob sich der Gesprächspartner in seiner derzeitigen Rolle wohlfühlt. Sie reden sich seit Minuten um Kopf und Kragen? Vielleicht möchte der andere auch mal etwas sagen. Oder es ist genau anders herum.

Nicht zuletzt will man sich ja beim Smalltalk mit einem interessanten Gegenüber nicht nur sich selbst verkaufen, sondern ja auch – um kurz eine sehr oberflächliche Metapher zu verwenden – die Ware begutachten. Es ist also wichtig, den anderen zum Plaudern zu bringen und optimalerweise dabei dafür zu sorgen, dass er sich wohlfühlt und sich nicht verstellen muss.

 

Regeln sind zum Brechen da!

Es gibt Gesprächsthemen, die gelten als Tabu für Smalltalk. Je nach Kinderstube gehören auf diese Liste z.B. Geld, Krankheiten, Politik, Religion oder Klatsch und Tratsch. Aber wenn man sich mit einem Menschen unterhält, für den man sich als potentiellen Partner interessiert, ist es dann nicht vernünftig, möglichst schnell herauszufinden, ob man sich für ähnliche Dinge interessiert? Gemeinsamkeiten sind schliesslich der Beton einer guten Beziehung. Wenn Sie jeden Tag noch vor dem ersten Kaffee nachlesen, was in der Welt passiert ist, dann wollen Sie auch darüber reden können. Hier darf auch mal das Bauchgefühl entscheiden, ob ein Tabu-Thema nicht doch beim Smalltalk mit einem interessanten Gegenüber auf den Tisch kann.

 

Die Körpersprache

Körpersprache beim GesprächDas Internet wimmelt von Vorschlägen, wie man sich beim Flirten zu bewegen hat. Viel lächeln, das Gegenüber „spiegeln“, was in welche Richtung übereinandergeschlagene Beine zu bedeuten haben oder ob man das Gespräch sofort abbrechen sollte, wenn der Gesprächspartner zu viel an seinem Strohhalm spielt. Die Wahrheit ist: Es gibt keinen Geheimcode, mit dem man aus dem Körper seines Gegenübers herauslesen könnte, was er/sie von einem denkt. Genauso wenig, wie es eine spezielle Körpersprache gibt, mit der Sie unmissverständlich Interesse signalisieren oder subliminar verführen können.

Ein paar Grundregeln gibt es aber doch, und die sind einfach: Dem anderen ab und zu ins Gesicht schauen, (einigermassen) gerade sitzen und deutlich und nicht zu schnell sprechen. Und ganz wichtig: Nicht vergessen, zu atmen! Vor allem Menschen, die wenig Smalltalk-Training haben, sind häufig schüchtern. Schüchternheit führt zu einer defensiven Körperhaltung: Man sackt in sich zusammen. Das führt zu einer flachen Atmung und undeutlicher Aussprache.

Einen kleinen Trick können wir aber verraten: Reagieren Sie ab und zu körperlich darauf, was Ihr Gesprächspartner sagt. Nicken Sie, wenn Sie einer Aussage zustimmen. Lächeln Sie an den richtigen Stellen. Verziehen Sie das Gesicht, wenn er/sie von etwas unangenehmem oder ekligem berichtet. Erstens zeugt Körpersprache, die auf die Rede des Gegenübers reagiert, davon, dass Sie zuhören, zweitens vermitteln Sie, dass Sie zu Empathie fähig sind und drittens können Sie so „antworten“ und Zustimmung ausdrücken, ohne Ihren Gesprächspartner unterbrechen zu müssen.

 

Der Übergang vom Smalltalk zum Flirt

Smalltalk in einer Gruppe

Diese Frage ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit: „Hat er/sie gerade mit mir geflirtet?“ Wie erkennt man, was ein unverfängliches Gespräch ist und was eine Intention, dem Gesprächspartner näherzukommen? Die kurze Antwort darauf ist so wenig hilfreich wie unerfreulich: Das kann man nicht pauschal sagen. Für einen schüchternen Menschen ist eine Unterhaltung an sich möglicherweise schon ein Signal, das Interesse besteht, den anderen besser kennenzulernen, während der gleiche Smalltalk mit einem Social Butterfly nichts bedeutet. Auch Komplimente sind kein eindeutiges Zeichen: Für manche Männer gehört es z.B. einfach zum guten Ton, einer Frau ein Kompliment über Ihr Aussehen zu machen.

Die einzige Lösung ist, die Initiative zu ergreifen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr Gesprächspartner an Ihnen interessiert ist, dann flirten Sie eben selbst. Wenn nach dem zweiten oder dritten Versuch (und dabei bitte nicht immer das gleiche ausprobieren – es könnte ein Flirt-Signal sein, das der andere nicht zu deuten weiss) kein positives Entgegenkommen spüren, dann besteht mit grosser Wahrscheinlichkeit kein Interesse. Aber nehmen Sie es nicht persönlich – beim Smalltalk geht es nicht ums Gewinnen.

 

Sonderfall Internet

Smalltalk mit Flirt-Intention hat in Zeiten des Internets eine besondere Unterart entwickelt: Das Kennenlernen in schriftlicher Form über Partnerbörsen-Nachrichtenfunktionen oder Chats. Hier ist von vorn herein klar, dass man sich unterhält, um die Möglichkeit einer Beziehung auszuloten. Das setzt unter Druck: Viele Menschen, die im Internet einen Partner suchen, nehmen eine Ablehnung im Netz viel persönlicher als den Abbruch eines echten unverbindlichen Smalltalks, der sich zufällig auf einer Party entwickelt hat. Schliesslich kann man bei einem zufälligen Gespräch so tun, als hätte man auch kein Interesse gehabt. Andererseits macht die Kommunikation über das Internet die Kontaktaufnahme auch einfacher, denn die Schriftform erlaubt es, dass man länger über die Antworten nachdenken kann.

Doch gelten auch hier die gleichen Regeln wie im „echten Leben“: Freundlich sein, sich wohlfühlen, dafür sorgen, dass der Gesprächspartner sich wohlfühlt und vor allem: Es nicht persönlich nehmen, wenn nichts daraus wird.

Zusammengefasst…

Fühlen Sie beim Geplauder immer wieder in sich hinein: Fühlen Sie sich noch wohl? Haben Sie das Gefühl, dass sich Ihr Gegenüber noch wohlfühlt? Solange Sie diese beiden Fragen mit „ja“ beantworten können, haben Sie alles richtig gemacht. Und wenn nicht, ist es auch nicht so wild. Nehmen Sie es sportlich. Das Wesen des Smalltalks ist es, das man unendlich viele neue Versuche starten kann.