Smalltalk lernen: Vom unverfänglichen Gespräch zum Flirt

im GesprächNeue Menschen kennenzulernen ist der erste Schritt, um eine neue Liebe zu finden. Das klingt so leicht, aber die Wahrheit ist, dass die meisten von uns sich in dieser Situation alles andere als Wohl fühlen. Für manche ist es sogar eine unüberwindbare Hürde.

Worüber soll man mit einem wildfremden Menschen reden? Hier finden Sie ein paar Tipps, wie Sie ein Gespräch am Laufen halten, ohne sich zu verstellen.

Smalltalk ist ein sehr unpräziser Überbegriff für unverfängliche Gespräche aller Art. Der Smalltalk bei einem Bewerbungsgespräch ist ein anderer als der mit der Verwandtschaft auf der Geburtstagsfeier einer Tante, und der wiederum funktioniert ganz anders als die vorsichtige Konversation mit einem nahezu unbekannten Gesprächspartner, der einem gefällt.

Hier geht es um eine bestimmte Variante des Smalltalks: Das Flirten, also das Kennenlern-Gespräch mit einem potentiellen Partner. Wenn Sie mit dem Flirten Ihre Probleme haben, sind Sie damit nicht alleine. Das Flirt-Gespräch ist nämlich die Königsdisziplin unter den vielen Arten des Smalltalks. Bei einem Bewerbungsgespräch muss man im Grunde nur darauf achten, professionell zu erscheinen. Bei der Familienfeier kommt es darauf an, das Geplauder freundlich zu halten. Aber bei einem Smalltalk mit einem Menschen, der einen gefällt, gibt es viele Punkte zu beachten:

  • Man möchte, dass der Gesprächspartner sich wohlfühlt
  • Man möchte sich selbst gut darstellen
  • Man möchte sich selbst treu bleiben
  • Man möchte das Gegenüber kennenlernen
  • Man möchte dem anderen Möglichkeit geben, etwas von sich zu erzählen

Das klingt wie eine komplizierte Aufgabe. Eigentlich widersprüchlich, dass etwas wie Smalltalk, dessen zentrale Elemente das Spiel und die Leichtigkeit sind, in der praktischen Umsetzung von so vielen als höchst kompliziert empfunden wird – aber keine Angst, man kann es lernen.

 

Die Kunst des Plauderns

Smalltalk im BüroSmalltalk bedeutet, dass das Gespräch unverfänglich, also konfliktfrei bleiben soll. Ganz wichtig beim Smalltalk ist die Unverbindlichkeit des Gesprächs. Verliert man sich wieder aus den Augen oder wird unterbrochen, hat niemand ein Recht darauf, beleidigt zu sein, wenn das Gespräch nicht wieder aufgegriffen wird. Hier geht es um Leichtigkeit. Wenn sich Ihr Smalltalk-Partner von Ihnen abwendet oder das Thema wechselt, bleiben Sie souverän. Sie haben nichts falsch gemacht. Plötzliche Gesprächspartner- oder Themenwechsel machen den Smalltalk aus.

 

Die Basics

Die wichtigste und einfachste Regel vorweg. Für Smalltalk gilt das erste Gebot der Höflichkeit: Sorge dafür, dass sich Dein Gegenüber wohlfühlt! Diese Regel ist eigentlich universell auf jede Interaktion mit anderen Menschen anwendbar. Warum? Das fasst am besten ein Zitat der US-Bürgerrechtlerin Maya Angelou zusammen: „Menschen werden vergessen, was du gesagt hast. Menschen werden vergessen, was du getan hast. Aber Menschen werden niemals vergessen, welches Gefühl du ihnen vermittelt hast.“ Wenn sich jemand in Ihrer Gegenwart gut gefühlt hat, dann wird er/sie Sie positiv in Erinnerung behalten, auch wenn Sie nur ein paar Sätze über das Wetter gesprochen haben.

 

INFO-BOX: Der mentale Spickzettel

Sie sind kein Rhetorik-Genie? Kein Problem, das sind die wenigsten. Wenn Ihnen das eloquente Geplauder nicht in die Wiege gelegt wurde, machen Sie sich nichts daraus, denn Smalltalk ist kein Talent – es ist ein Werkzeug. Und wie mit allen Werkzeugen muss man üben, damit umzugehen. Es gibt ein paar Tricks, mit denen man die Konversation am Laufen halten kann.

  • Einleitung üben: Was kommt nach dem Austausch der Namen? Betretenes Schweigen muss nicht sein. Die Frage, woher er/sie den Gastgeber kennt oder ob der Drink empfehlenswert ist, reicht manchmal schon als Gesprächseinstieg, um den Stein ins Rollen zu bringen. Der Klassiker ist ein schlichtes „Was macht Du so?“. Schliesslich „macht“ jeder irgendetwas, und ob die Menschen dann über Ihren Beruf erzählen oder ihr Hobby, verrät eine ganze Menge.
  • Themen zurechtlegen: Der letzte Urlaub, das letzte Buch, der letzte Film… Das alles kann ein Einstieg in einen Austausch sein.
  • Übergänge schaffen: Wenn man ein Thema eingeführt hat, sollte man dem Gesprächspartner die Möglichkeit geben, etwas dazu zu sagen. Die Frage „Was denkst Du darüber?“ überrumpelt allerdings viele, sie ist sehr direkt. Besser ist der Eisbrecher „Kennst Du das?“. Es gibt Ereignisse im Leben, die teilen wir mit fast allen Mitgliedern unserer Kultur. Diese stellen ein weites Feld an universellen Gemeinsamkeiten dar: Die Aufregung in der ersten eigenen Wohnung, wie verloren man sich an einem neuen Arbeitsplatz gefühlt hat oder die emotionale Reaktion auf Geschehnisse in den Medien. Die Frage „Kennst Du das?“ lässt dem Gegenüber die Möglichkeit, „Eigentlich nicht…“ zu sagen, sie kann aber auch aus einer unverbindlichen Plauderei ein echtes Gespräch machen.
  • Die Fünf-Minuten-Regel: Merken Sie sich, wenn Ihr Gegenüber etwas erzählt, aber nicht weiter darauf eingeht. Sprechen Sie ihn/sie fünf Minuten später darauf an und fragen Sie nach. Damit werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Erstens bietet man dem Gegenüber eine Möglichkeit, etwas von sich zu erzählen, zweitens wirkt man wie ein sehr aufmerksamer Zuhörer.

 

Verstellen Sie sich nicht…

VKollegen machen Pause im Aufenthaltsraumiele glauben, das Geheimnis des Smalltalks mit Flirt-Elementen läge darin, besonders gebildet oder eloquent zu erscheinen. Ein tiefsitzendes Missverständnis! Denn was haben Sie davon, ein Bild von sich zu verkaufen, das möglicherweise nicht der Wahrheit entspricht? Ausserdem: wer mag schon Angeber?

Vor allem im Gespräch mit einem Menschen, den man als potentiellen Partner kennenlernen möchte, ist es wichtig, dass man authentisch bleibt. Das ist gar nicht so leicht, denn – Hand aufs Herz – wir alle haben heimlich ein nicht ganz der Realität entsprechendes Idealbild von uns selbst. Das kann beim Smalltalk dazu führen, dass man versucht, sich als Experte für moderne Kunst zu verkaufen, obwohl man in seiner Freizeit viel lieber Comics liest.

 

…aber verraten Sie nicht zu viel

Es könnte so klingen, als ob dieser und der vorhergehende Absatz einander widersprechen. Aber es ist wichtig, beim Kennenlernen nicht zu viel von sich zu verraten. Einige Menschen neigen dazu, im ersten Gespräch mit einem Menschen, den sie sympathisch finden, alles von sich zu erzählen. Vor allem, wenn das Smalltalk-Training fehlt. Sein Herz auszuschütten kann aber beim Kennenlernen zu viel des Guten sein. Zu viel private Information beim ersten Gespräch kann als Jammern oder als distanzlos interpretiert werden. Geheimnisse und Ereignisse aus der Kindheit sollte man sich für später aufbewahren, wenn man sich besser kennt. Erzählt man erst bei einem späteren Gespräch, wie sehr z.B. die Scheidung der Eltern einen mitgenommen hat, ist das Teilen dieser Information ein Vertrauensbeweis. Ein Geheimnis, das man sofort erzählt, kann nicht viel bedeuten.

 

Das Gesprächsgleichgewicht

spontanes Gespräch im BüroDafür zu sorgen, dass ungefähr beide gleichviel reden, ist eine gute Pi-mal-Daumen-Regel. Aber sklavisch daran halten sollte man sich nicht. Es gibt schliesslich Menschen, die fühlen sich in der Position des Zuhörers wohl. Andere fühlen sich hingegen sicher, wenn sie im Gespräch die Zügel in der Hand halten. Allerdings sollte man darauf achten, ob sich der Gesprächspartner in seiner derzeitigen Rolle wohlfühlt. Sie reden sich seit Minuten um Kopf und Kragen? Vielleicht möchte der andere auch mal etwas sagen. Oder es ist genau anders herum.

Nicht zuletzt will man sich ja beim Smalltalk mit einem interessanten Gegenüber nicht nur sich selbst verkaufen, sondern ja auch – um kurz eine sehr oberflächliche Metapher zu verwenden – die Ware begutachten. Es ist also wichtig, den anderen zum Plaudern zu bringen und optimalerweise dabei dafür zu sorgen, dass er sich wohlfühlt und sich nicht verstellen muss.

 

Regeln sind zum Brechen da!

Es gibt Gesprächsthemen, die gelten als Tabu für Smalltalk. Je nach Kinderstube gehören auf diese Liste z.B. Geld, Krankheiten, Politik, Religion oder Klatsch und Tratsch. Aber wenn man sich mit einem Menschen unterhält, für den man sich als potentiellen Partner interessiert, ist es dann nicht vernünftig, möglichst schnell herauszufinden, ob man sich für ähnliche Dinge interessiert? Gemeinsamkeiten sind schliesslich der Beton einer guten Beziehung. Wenn Sie jeden Tag noch vor dem ersten Kaffee nachlesen, was in der Welt passiert ist, dann wollen Sie auch darüber reden können. Hier darf auch mal das Bauchgefühl entscheiden, ob ein Tabu-Thema nicht doch beim Smalltalk mit einem interessanten Gegenüber auf den Tisch kann.

 

Die Körpersprache

Körpersprache beim GesprächDas Internet wimmelt von Vorschlägen, wie man sich beim Flirten zu bewegen hat. Viel lächeln, das Gegenüber „spiegeln“, was in welche Richtung übereinandergeschlagene Beine zu bedeuten haben oder ob man das Gespräch sofort abbrechen sollte, wenn der Gesprächspartner zu viel an seinem Strohhalm spielt. Die Wahrheit ist: Es gibt keinen Geheimcode, mit dem man aus dem Körper seines Gegenübers herauslesen könnte, was er/sie von einem denkt. Genauso wenig, wie es eine spezielle Körpersprache gibt, mit der Sie unmissverständlich Interesse signalisieren oder subliminar verführen können.

Ein paar Grundregeln gibt es aber doch, und die sind einfach: Dem anderen ab und zu ins Gesicht schauen, (einigermassen) gerade sitzen und deutlich und nicht zu schnell sprechen. Und ganz wichtig: Nicht vergessen, zu atmen! Vor allem Menschen, die wenig Smalltalk-Training haben, sind häufig schüchtern. Schüchternheit führt zu einer defensiven Körperhaltung: Man sackt in sich zusammen. Das führt zu einer flachen Atmung und undeutlicher Aussprache.

Einen kleinen Trick können wir aber verraten: Reagieren Sie ab und zu körperlich darauf, was Ihr Gesprächspartner sagt. Nicken Sie, wenn Sie einer Aussage zustimmen. Lächeln Sie an den richtigen Stellen. Verziehen Sie das Gesicht, wenn er/sie von etwas unangenehmem oder ekligem berichtet. Erstens zeugt Körpersprache, die auf die Rede des Gegenübers reagiert, davon, dass Sie zuhören, zweitens vermitteln Sie, dass Sie zu Empathie fähig sind und drittens können Sie so „antworten“ und Zustimmung ausdrücken, ohne Ihren Gesprächspartner unterbrechen zu müssen.

 

Der Übergang vom Smalltalk zum Flirt

Smalltalk in einer Gruppe

Diese Frage ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit: „Hat er/sie gerade mit mir geflirtet?“ Wie erkennt man, was ein unverfängliches Gespräch ist und was eine Intention, dem Gesprächspartner näherzukommen? Die kurze Antwort darauf ist so wenig hilfreich wie unerfreulich: Das kann man nicht pauschal sagen. Für einen schüchternen Menschen ist eine Unterhaltung an sich möglicherweise schon ein Signal, das Interesse besteht, den anderen besser kennenzulernen, während der gleiche Smalltalk mit einem Social Butterfly nichts bedeutet. Auch Komplimente sind kein eindeutiges Zeichen: Für manche Männer gehört es z.B. einfach zum guten Ton, einer Frau ein Kompliment über Ihr Aussehen zu machen.

Die einzige Lösung ist, die Initiative zu ergreifen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr Gesprächspartner an Ihnen interessiert ist, dann flirten Sie eben selbst. Wenn nach dem zweiten oder dritten Versuch (und dabei bitte nicht immer das gleiche ausprobieren – es könnte ein Flirt-Signal sein, das der andere nicht zu deuten weiss) kein positives Entgegenkommen spüren, dann besteht mit grosser Wahrscheinlichkeit kein Interesse. Aber nehmen Sie es nicht persönlich – beim Smalltalk geht es nicht ums Gewinnen.

 

Sonderfall Internet

Smalltalk mit Flirt-Intention hat in Zeiten des Internets eine besondere Unterart entwickelt: Das Kennenlernen in schriftlicher Form über Partnerbörsen-Nachrichtenfunktionen oder Chats. Hier ist von vorn herein klar, dass man sich unterhält, um die Möglichkeit einer Beziehung auszuloten. Das setzt unter Druck: Viele Menschen, die im Internet einen Partner suchen, nehmen eine Ablehnung im Netz viel persönlicher als den Abbruch eines echten unverbindlichen Smalltalks, der sich zufällig auf einer Party entwickelt hat. Schliesslich kann man bei einem zufälligen Gespräch so tun, als hätte man auch kein Interesse gehabt. Andererseits macht die Kommunikation über das Internet die Kontaktaufnahme auch einfacher, denn die Schriftform erlaubt es, dass man länger über die Antworten nachdenken kann.

Doch gelten auch hier die gleichen Regeln wie im „echten Leben“: Freundlich sein, sich wohlfühlen, dafür sorgen, dass der Gesprächspartner sich wohlfühlt und vor allem: Es nicht persönlich nehmen, wenn nichts daraus wird.

Zusammengefasst…

Fühlen Sie beim Geplauder immer wieder in sich hinein: Fühlen Sie sich noch wohl? Haben Sie das Gefühl, dass sich Ihr Gegenüber noch wohlfühlt? Solange Sie diese beiden Fragen mit „ja“ beantworten können, haben Sie alles richtig gemacht. Und wenn nicht, ist es auch nicht so wild. Nehmen Sie es sportlich. Das Wesen des Smalltalks ist es, das man unendlich viele neue Versuche starten kann.

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