Eifersucht: was ist normal – was nicht?

Eifersucht kann ein Kompliment und Bedrohung zugleich sein. In leichter Form fühlen wir uns zumeist geschmeichelt. Vor allem wenn die Beziehung noch gar nicht als solche existiert, kann ein Hauch von Eifersucht uns zeigen, dass die andere Person ernsthaft interessiert ist.

Allerdings ist die Bandbreite der Emotionen gross. Eine Eifersüchtelei ist schön, ein Eifersuchtsanfall ist eine ganz andere Sache. Wo ist also die Grenze und wie weit sind wir selbst für uns und andere verantwortlich?

Eifersucht gehört zu einer Beziehung dazu?

eifersüchtiges mädchenStimmt diese Aussage? Sie wird vor allem von Menschen geäussert, die besonders eifersüchtig sind. Dabei kann es sich um eine Erklärung handeln oder um eine Entschuldigung. Sicher ist ein wenig Eifersucht nicht ungewöhnlich.

Es gibt aber auch Menschen, die niemals eifersüchtig sind und das bedeutet nicht, dass er oder sie den anderen nicht liebt. Es ist eher ein Hinweis auf jemanden, der keine Verlustängste hat, mit beiden Beinen fest im Leben steht und dem Partner voll und ganz vertraut.

Es ist also nicht krank oder nachlässig, niemals eifersüchtig zu sein. Im Normalfall erleben wir aber leichte Eifersucht, wenn sich eine dritte Person in die Beziehung drängt oder der Partner/die Partnerin sich einer anderen Person zuwendet. Es gibt aber auch die Eifersucht auf Hobbys. Verbringt der Mann lieber Zeit mit dem Fussball oder die Frau mit der Handballmannschaft, fühlt sich der jeweils andere möglicherweise zurückgesetzt. Auch das kann zu Streitereien führen.

Wer ist eifersüchtiger? Mann oder Frau?

mann ist eifersüchtig auf freundinDieses Thema füllt Bücher, beschäftigt Wissenschaftler und ist dennoch nicht abschliessend zu beantworten. Es spielen einfach zu viele Faktoren hinein. Zudem ist die Debatte oft geprägt von Vorurteilen und Werten, religiöser und kultureller Art. Dazu gehört auch die Frage, ob der Mann ein von der Natur verbrieftes Recht zu stärkerer Eifersucht hat.

Schliesslich, so lautet die Theorie, will er ganz sicher sein, ob das Kind, das die Partnerin geboren hat, auch seines ist. Natur und Evolution kennen weder Patriarchat noch Matriarchat , sie sind so lange gleichberechtigt, wie es einen Sinn für das junge Leben ergibt. Sie brauchen Stabilität und die erwächst aus der Vielfalt des Genpools.

Die Natur hat also durchaus ein „Interesse“ daran, an einer grossen genetischen Vielfalt, denn so sichert eine Art ihr Überleben.
Eifersucht in Grenzen ist eine Besitzerklärung, und zwar von beiden Seiten. Ebenso wie der Mann über die Jahrtausende hinweg ein gesundes Interesse daran hat, dass seine Kinder auch von ihm gezeugt wurden, hat die Frau ein ebenso gesundes Interesse daran, dass ihr Mann nicht mit anderen Frauen weitere Kinder in die Welt setzt.

Die Erklärung liegt auf der Hand. Je mehr Kinder er versorgen muss (für die er sich verantwortlich fühlt), desto mehr Kraft und Ressourcen verliert er. In der Evolution ist das ein für die Frau und das Kind lebensbedrohlicher Zustand. Und auch in der heutigen Zeit kann eine solche Entwicklung den finanziellen und sozialen Ruin bedeuten. Auf beiden Seiten. Wir fassen zusammen: Männer und Frauen sind gleichermassen zur Eifersucht fähig und grundsätzlich ergibt das eben auch einen Sinn.

Verlustangst und Eifersuchtsanfall

streit wegen eifersuchtEs ist bekannt, dass Verlustangst und geringes Selbstwertgefühl in einer engen Verbindung stehen. Wer mit beiden Beinen fest im Leben steht, verkraftet einen Verlust besser als jemand, der sich in einem Abhängigkeitsgefüge befindet. Abhängigkeit kann das Selbstwertgefühl extrem belasten.

Die Abhängigkeit kann finanzieller und sozialer Art sein. Die finanzielle Variante ist leicht erklärt. Ein Partner arbeitet, der andere kümmert sich vielleicht um die Kinder und ist damit abhängig.

In einer gesunden Beziehung ist das kein Problem. Meist ist es der Mann, der für den Unterhalt sorgt, diese Aufgabe sehr ernst nimmt und genau weiss, was die Frau leistet. Umgekehrt ist das ebenso, und natürlich lassen sich die Rollen auch austauschen. Beide befinden sich in einer Symbiose, man ist füreinander da. Aber dieses Verhältnis ist auch ein Machtgefälle und entsprechend zerbrechlich. Damit Frau und Mann einander ehren und lieben, sich respektieren und füreinander da sind, brauchen sie ein hohes Mass an sozialer Kompetenz und was noch viel schwieriger ist, Stabilität in ihrem Leben.

Arbeitslosigkeit und schwere Erkrankungen können eine Beziehung aus dem Gleichgewicht bringen. Die Verlustangst kann aus der Abhängigkeit entstehen, wenn es in der Partnerschaft auch sonst nicht gut läuft. Selbstzweifel und Misstrauen sind die Folge. Beide nähren die Eifersucht und erhöhen die Gefahr, dass die Beziehung tatsächlich scheitert. Die soziale Abhängigkeit entsteht leicht, wenn einer der Partner eine starke Persönlichkeit ist, während die andere Person sich lieber durch das Leben führen lässt. Je weniger Eigenverantwortung jeder für sich übernimmt, desto unselbstständiger wird derjenige. Ängste entstehen, die sogar behandlungsbedürftig werden können.

Eifersucht durch Untreue

untreue in der beziehungDie Untreue des Partners ist eine schlimme Erfahrung und kann das Ende einer Beziehung bedeuten. Für die Aufarbeitung ist daher wichtig, das Vertrauen wieder herzustellen. Der betrogene Partner muss wissen, dass er oder sie Antworten auf offene Fragen bekommt. Aber auch hier gibt es Grenzen. Ob es sich um einen Seitensprung gehandelt hat oder eine längere Beziehung, wird eine der zentralen Fragen sein. Es ist aber nicht hilfreich, wenn die Fragen zu sehr ins Detail gehen und damit quälend werden.

An dieser Stelle darf auch der, der betrogen hat, sich und den anderen vor noch mehr Schaden bewahren, damit die Eifersucht nicht zerstörerisch wird. Entscheidend ist der Wille, die Beziehung weiterzuführen. Deshalb muss das Thema Seitensprung und Untreue an einem von beiden zu bestimmenden Punkt beendet werden. Für die Zukunft ist wichtig, dass der betrogene Partner das Recht hat, seine Unsicherheit auszusprechen, bevor es zu neuer Eifersucht aus Angst kommt. Sitzt die Eifersucht zu tief oder lässt sich die Verlustangst nicht überwinden, kann auch therapeutische Hilfe ein Ansatz sein.

Eifersuchtsanfall überwinden

Ein Eifersuchtsanfall ist ein explosionsartiger und emotionaler Gefühlsausbruch, der oftmals aggressive oder autoaggressive Züge annimmt. In der Öffentlichkeit kann er dadurch unerträglich werden. Ein solcher Eifersuchtsanfall kann verständliche Auslöser haben. Das ist z. B. dann der Fall, wenn der Partner oder die Partnerin mit einer anderen Person flirtet oder offenkundig Interesse zeigt. Wiederholt sich das Verhalten, ist der Eifersuchtsanfall meist nicht weit entfernt.

Solche Situationen ereignen sich vor allem bei Paaren, bei denen beide unterschiedliche Vorstellungen vom Umgang mit dem anderen Geschlecht haben. Die Ängste des einen Partners können so mit dem freien Denken des anderen kollidieren. Es nützt dann nichts, die eigenen Interessen durchzusetzen oder möglicherweise zu erzwingen, indem mit einer Trennung gedroht wird. Eine Beziehung kann nur funktionieren, wenn beide kompromissbereit sind. Bei Menschen, sie sich dann aber eingeengt fühlen, kann es besser sein, eine Trennung ins Auge zu fassen.

Das ist vor allem dann zu überlegen, wenn der eifersüchtige Part Kontrollmechanismen entwickelt. Es gibt keine Rechtfertigung dafür, fremde Post zu öffnen, Mails zu lesen, das Handy zu kontrollieren oder den anderen ständig zu verhören. Ein solches Verhalten ist rücksichtslos, vor allem wenn die Kontrolle sich nicht um eine einmalige Entgleisung handelt, sondern sich bereits verfestigt hat. Das Kontrollverhalten kann krankhafte Ausmasse annehmen und es gibt keinen Grund für den anderen, es sich gefallen zu lassen. Wer nun versucht, den eifersüchtigen Partner durch bereitwilliges Entgegenkommen zu beruhigen, bringt sich selbst in eine ausweglose Lage. Hier müssen Grenzen aufgezeigt werden, die umissverständlich sind.

Wege aus der Eifersucht – Tipps für Eifersüchtige

Wenn Sie selbst zu den Menschen gehören, die eifersüchtig sind, müssen Sie an sich arbeiten. Wenn Sie jetzt sagen:“Mein Partner scheint untreu zu sein,“ dann fragen Sie ihn oder sie. Wird die Frage verneint, wenden Sie sich wieder sich selbst und Ihren Empfindungen zu. Wird sie bejaht, ziehen Sie die Konsequenzen für sich daraus.

Wie werde ich meine Eifersucht los?

Sie setzen den Punkt für die Eifersucht selbst. Wenn Sie damit schon länger Probleme haben, müssen Sie sich vor allem mit Ihrer Persönlichkeit befassen. Sie können andere Menschen nicht kontrollieren. Weder deren Verhalten noch deren Gefühle. Das können Sie nur für sich selbst tun und das müssen Sie auch. Versuchen Sie herauszufinden, wo der Ursprung Ihrer Eifersucht liegt. Glauben Sie vielleicht, dass andere Menschen attraktiver sind als Sie? Entscheidend ist, was Sie füreinander fühlen, denn kommt immer vor, dass man Menschen begegnet, die klüger, reicher oder schöner sind als man selbst. Nun dürfen Sie bei einem solchen Treffen jedes Mal in Selbstzweifel versinken. Lernen Sie, die Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind. Sie können andere Menschen nicht ändern.

Zweifeln Sie an den Gefühlen Ihres Partners/Ihrer Partnerin? Fragen Sie und akzeptieren Sie die Antwort. Keinesfalls sollten Sie sich angewöhnen, ständig nach Beweisen für das Gegenteil zu suchen. Sie verletzten Ihren Partner damit und im Ergebnis schieben Sie ihn damit aus Ihrem Leben. Reden hilft bei Eifersucht! Allerdings sollte das Gespräch schon früh in Angriff genommen werden, wenn sich zeigt, dass ein Partner Tendenzen entwickelt, die den anderen emotional überfordern.

Dazu sollte man sich Zeit nehmen und einen geeigneten Rahmen wählen. Nur so bleibt genügend Gelegenheit, das Thema auch abschliessend zu besprechen. Wer unter Eifersucht leidet, hat die Tendenz, dem Partner die Schuld dafür zu geben. Auch das ist ein Fehler. Natürlich können schlechte Erfahrungen der Grund sein. Schlechte Erfahrungen geben zudem niemandem das Recht, einen anderen Menschen mit damit zu belasten, dass man die negativen Gefühle nicht überwinden kann. Stärken Sie sich!

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