Einsamkeit überwinden: Gründe & Auswege

einsamDie Überwindung von Einsamkeit… Bedeutet das, einen Partner zu finden? Oder zu lernen, dass Alleinsein nicht gleichbedeutend ist mit Einsamkeit? Es klingt wie ein Widerspruch, aber wer Einsamkeit überwinden will, braucht im ersten Schritt keine anderen Menschen, sondern sollte an sich selbst arbeiten.

Manchmal führt ein besserer Umgang mit dem Alleinsein – was eigentlich nichts anderes ist als ein besserer Umgang mit sich selbst – dazu, dass sich der Umgang mit anderen Menschen verändert. Schliesslich kennen wir doch alle den Spruch: Sobald man aufhört zu suchen, findet man den Partner fürs Leben.

„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt.“

Schon in der Bibel steht diese einfache Tatsache: Menschen sind soziale Wesen. Unser Gehirn ist auf Zwischenmenschlichkeit programmiert. In Isolationshaft verändert sich nachweislich der Hormonhaushalt und schränkt die kognitiven Fähigkeiten ein. Zwar stecken die wenigsten von uns in Einzelhaft, doch hat die Psychologie auch für den Alltag festgestellt, dass sozialer Umgang ein wichtiger Baustein für eine gesunde Psyche ist.

Jeder Mensch bringt ein unterschiedlich starkes Bedürfnis nach sozialem Austausch mit. Ein richtiges, allgemeingültiges Mass gibt es nicht. Zwar sind wir, wenn wir nicht gerade auf einem einsamen Berg hausen, jeden Tag von anderen Menschen umgeben, doch für alle Menschen gilt: Man braucht mehr Kontakte als die unverbindliche Freundlichkeit von Kollegen oder der Bäckerin, die einem das Frühstücksbrötchen verkauft. Und fast alle Menschen sehnen sich nach einem Partner.

Wenn Einsamkeitsgefühle wachsen…

Mann sehnt sich nach einer BeziehungEinsamkeit ist ein abstraktes Gefühl. Sie wird individuell sehr unterschiedlich empfunden. Sie schleicht sich ins Leben wie ein Dieb. Alles ist bestens, wie immer. Doch eines Abends merkt man, dass etwas nicht stimmt. Ein diffuses Unwohlsein mit seinem Singlesein oder der Gesamtsituation, durch das man merkt, dass einem ein echter Kontakt zu einem anderen Menschen fehlt.

Die Ursachen, durch die Sie sich in einer solchen Situation wiederfinden können, sind vielfältig: Eine Trennung. Sich wandelnde Interessen, durch die man sich vom alten Freundeskreis entfernt hat. Der Umzug in eine neue Stadt. Eingeschliffene Gewohnheiten. Oder schlicht ein introvertierter Charakter, den es Überwindung kostet, sich neuen platonischen oder romantischen Beziehungen zu öffnen.

Nach der Erkenntnis, dass einem ein anderer Mensch fehlt, folgt automatisch die Frage: „Was stimmt mit mir nicht, dass ich niemanden habe?“ Diese Frage kann meistens nicht beantwortet werden – schlicht und ergreifend, weil mit Ihnen wahrscheinlich alles in Ordnung ist.

Weil Zweifel am Selbst meist so an einem nagen, dass man sich immer wieder intensiv damit beschäftigt, wandelt sich aus Gewöhnung an dieses Lebensgefühl die Frage „Was stimmt mit mir nicht?“ irgendwann zum Fakt: „Irgendwas stimmt mit mir nicht.“

Daraus entwickelt sich die Angst, auf neue Erfahrungen und Menschen zuzugehen. Aus dieser Schüchternheit verstärkt sich das Gefühl der Unzulänglichkeit. Die Folge: Man zieht sich tiefer und tiefer in sein Schneckenhaus zurück. Zu viel unfreiwillig mit sich selbst verbrachte Zeit ist der perfekte Nährboden für ein negatives Gedankenkarussell. Man redet sich ein, man sei nicht liebenswert, selbst Schuld daran, einsam zu sein und das Alleinsein sei eine Art Urteil, das die Gesellschaft über Charakter und Liebenswürdigkeit der eigenen Person gefällt hätte. Viele fühlen sich zunehmend ungeliebt, sozial inkompetent und überflüssig. Diese Faktoren können im schlimmsten Fall zu einer Depression führen. Einsamkeitsgefühle können krank machen.

INFO-BOX: Einsamkeit – Symptom modernen Lebens?

Wenn man sich mit älteren Menschen unterhält, scheint es manchmal so, als ob Einsamkeit ein relativ neues Problem sei. Und tatsächlich: Die Einsamkeit vieler Menschen der westlichen Welt ist eine der Schattenseiten des modernen Lebens.

Herrlich: Keiner zwingt uns, mit zwanzig verheiratet zu sein und Hausfrau zu werden bzw. den gleichen Beruf wie der Vater auszuüben. Stattdessen wählen wir unseren eigenen Lebensweg und individuelle Freizeitbeschäftigungen, machen Karriere und ziehen in andere Städte oder Länder.

Als junge Menschen sind wir frei und ungebunden. Allerdings fallen in der Konsequenz viele Sozialkontakte weg, die sich aus den Zwängen früher herrschender gesellschaftlicher Restriktionen automatisch ergeben haben. Bemerkbar macht sich das Fehlen solcher Kontakte meistens erst, wenn man sich irgendwo niederlässt. Meistens sinkt mit steigendem Alter das Bedürfnis danach, jedes Wochenende feiern zu gehen und es wächst das Bedürfnis nach einem Partner, mit dem man teilen kann, was man sich aufgebaut hat.

Doch das passiert häufig nicht „einfach so“, sondern muss aktiv angegangen werden. Die Schaffung von erfüllenden Sozialkontakten – freundschaftlichen wie partnerschaftlichen – liegt in unserer eigenen Verantwortung wie der Rest unserer Lebensgestaltung.

 

Ausbrechen aus der Einsamkeit

Ausbrechen aus der Einsamkeit

Wer glaubt, ein neuer Partner sei auf Dauer die Lösung seines Selbstwertgefühl-Problems, irrt. Eine neue Liebe kann zwar als Pflaster auf den Wunden der Psyche hilfreich sein, doch macht man sich dann von der Wertschätzung des Partners abhängig. Das ist nicht nur deshalb „gefährlich“, weil eine Partnerschaft zerbrechen kann. Es legt auch eine grosse Last auf die Schultern des Partners und kann die Beziehung genau deshalb belasten. Ein heimtückischer Kreislauf: Was Heilung bringen soll, wird durch die Angst, diese Heilung zu verlieren, zum Gift.

Die simple Wahrheit ist: Die Probleme mit Ihrem Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl werden Sie auch mit einem Partner haben. Vielleicht seltener, da Sie mehr Ablenkung haben und im besten Fall Bestätigung bekommen. Doch reicht eine kleine Erschütterung wie ein alltäglicher Beziehungskonflikt, in dem der Partner Ihnen keine Bestätigung geben kann oder will, und die Selbstzweifel sind wieder da.

Alleinsein lernen

Es geht also darum, die durch Einsamkeit entstandenen Selbstzweifel zu überwinden, ohne seinen Selbstwert an einer anderen Person festzumachen. Von der Ausbildung einer autonomen Persönlichkeit profitieren also nicht nur Sie, sondern auch ihre Partnerschaft. Und das von Anfang an: Ist man nicht von der Wertschätzung anderer abhängig, kann man während der Partnerwahl wählerischer und souveräner agieren. In der Beziehung kann man mit einem in sich selbst ruhenden Selbstbewusstsein positiv auf Konflikte einwirken, anstatt vor ihnen zurückzuweichen.

Man kann dem Partner, wenn dieser selbst durch eine Krise geht, besser beistehen. Kritik an der eigenen Person – sei sie nun berechtigt oder im Streit geäussert – reisst einem nicht den Boden unter den Füssen weg. Kurz: Die Entwicklung eines gesunden Selbstbewusstseins und die Fähigkeit, das Alleinsein nicht als Einsamkeit zu empfinden, nimmt nicht nur Druck von Ihnen, sondern auch aus der Beziehung.

Tipps zur Überwindung von Einsamkeit

  • Raus aus dem Schneckenhaus! Gehen Sie eine Tätigkeit an, die auf den ersten Blick nichts mit Partnersuche zu tun hat. Besuchen Sie einen Zeichenkurs. Gehen Sie auf Buchlesungen. Treten Sie einem Chor bei. Machen Sie etwas, was Sie interessiert und an denen andere Menschen beteiligt sind.
  • Bauen Sie sich Ihr Nest! Die Wohnung ist der Spiegel der Seele. Mit sich selbst im Einklang zu sein, klingt danach, als ob man sich nur selbst mögen müsste. Tatsächlich muss man aber auch den Ort mögen, an dem man am meisten Zeit mit sich selbst verbringt. Und das sind die eigenen vier Wände. Wenn Sie sich freuen, nach Hause zu kommen, können Sie sich auch auf sich freuen.
  • Seien Sie Herr(in) über Ihre Aufmerksamkeit! Die Gedanken zu beherrschen, ist wie den Wind zu fangen. Trotzdem kann man lernen, das Denken in bestimmte Richtungen zu lenken. Wenn Sie allein sind und sich immer wieder in Gedankenschleifen und Grübeleien über Ihre Einsamkeit wiederfinden, üben Sie sich in Selbstdisziplin und schicken Sie ihre Gedanken in eine andere Richtung. Ist das einfach? Nein! Aber Übung macht den Meister. Ein paar Coaching-Stunden bei einem Psychotherapeuten oder einer Psychotherapeutin können hier übrigens Wunder wirken.
  • Kontaktieren Sie alte Bekannte! Jeder hat ein paar Freunde, alte Arbeitskollegen oder Kommilitonen, die man im Laufe der Jahre aus den Augen verloren hat. Gehen Sie diese Liste im Kopf einmal durch: Bestimmt findet sich darunter jemand, von dem Sie sich fragen, was er heute so treibt. Dank Social Media und Email ist das Kontaktaufnehmen heute kein Problem mehr. Erweitern Sie so Ihren Bekanntenkreis und lernen Sie darüber neue Menschen kennen.
  • Keine Scheu vor Partnerbörsen! Durch das Internet stehen uns zur Kontaktaufnahme nicht nur direkte Kontakte zur Verfügung. Wer ganz konkret auf der Suche nach einem Partner ist, dem stehen online viele Partnerbörsen, wie z.B. Parship zur Verfügung.

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