Entschuldigen in der Beziehung

beim Partner enschuldigenEin falsches Wort, eine falsche Geste, die vergessene Vereinbarung, der Wutausbruch, die übliche Nachlässigkeit oder einfach nur die Nerven; in einem Beziehungsalltag gibt es viel zu bewältigen und sehr viele Konflikte kommen erst dann zur Ruhe, wenn die Entschuldigung ausgesprochen ist.

Aber das ist nicht immer einfach, denn zu einer hilfreichen Entschuldigung in der Beziehung gehören immer zwei Menschen. Einer, der sich entschuldigen muss und der andere, der verletzt wurde und die Entschuldigung hoffentlich annimmt. Verletzte Gefühle wiegen aber schwer. Deshalb ist es wichtig, dass die Entschuldigung zum richtigen Zeitpunkt kommt und sorgfältig formuliert wird.

Was habe ich getan?

Es gibt Menschen, die können mit Kränkungen umgehen und es gibt Menschen, die können das nicht. Diese Fähigkeit ist Sache des Charakters, der sozialen Stabilität, der erlebten Konflikte und vieler weiterer Faktoren. Männer zeigen sich in diesem Punkt oftmals belastbarer als Frauen. Es bedarf also einer gewissen Sensibilität, mit Entschuldigungen richtig umzugehen. Die erste Frage, die sich jeder in einer Beziehung stellen muss ist: Wie möchte ich wahrgenommen werden? Zumeist ist es so, dass in einer Beziehung einer von beiden sensibler ist. Zu viel Sensibilität ist aber schädlich, denn dann kommt es zu oft zu Entschuldigungen. Die Folge sind Entschuldigungen am Fliessband, womöglich noch wegen verschiedener Kleinigkeiten.

„Entschuldigung, ich wollte anrufen“, Entschuldigung, ich wollte pünktlich sein, „Entschuldigung, ich habe das Einkaufen vergessen“. Wer sich hier wiederfindet, muss einen Riegel vorschieben. Vorauseilendes Entgegenkommen ist ebenso schädlich, wie sich gar nicht zu entschuldigen. Aber es gibt auch genügend Situationen, in denen eine Entschuldigung nötig ist. Sie soll dem Partner zeigen, dass man echte Reue empfindet und das Fehlverhalten mit aller Aufrichtigkeit bedauert. Das zeigt aber auch, dass die Entschuldigung ehrlich gemeint sein muss. Wer das nicht ernst meint, begeht gleich den nächsten Fehler.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Entschuldigung?

Leider gibt es darauf keine allgemeine Antwort. Sicher hängt es auch davon ab, wie verletzt der Partner ist. Wer um Vergebung bittet, während die Stimmung aufgeheizt ist, wird vermutlich kein Gehör finden. Zu warten, bis sich die Wogen geglättet haben, kann zu spät sein. Wer es schafft, den Zeitraum dazwischen zu erwischen, hat gute Karten, dass die Entschuldigung ankommt. Je nach „Vergehen“ wird der andere an dieser Stelle die Entschuldigung vermutlich nicht akzeptieren, wenn die Wut zu gross ist. In dieser Phase kann es besser sein, ein schlichtendes und zurückhaltendes Verhalten zu zeigen.

Wichtig ist aber, dass die Botschaft auch ankommt! Zu viel Zeit darf nicht vergehen, denn sonst entsteht der Eindruck, man würde das eigene Fehlverhalten nicht als entschuldigungswürdig einstufen. Das kann den Partner zusätzlich verletzen. Tendenziell kommt die Entschuldigung bei der Frau besser an, wenn sie bald ausgesprochen wird. Beim Mann ist eher die Bereitschaft da, auch etwas zu warten. Umfragen haben zudem ergeben, dass Frauen sich häufiger entschuldigen.

Wann eine Entschuldigung ausbleiben sollte

Streit in der BeziehungEin Streit ist eine grosse Belastung für die Beziehung. Wenn er zudem im Raum bleibt und sich nicht klären lässt, führt das nicht selten dazu, dass einer von beiden einlenkt, nur damit wieder Ruhe einkehrt. Das wird die Person sein, die besonders unter der Situation leidet.

Oft genug werden dabei auch Entschuldigungen geäussert, obwohl der, der die Entschuldigung ausspricht, eigentlich nichts falsch gemacht hat. Das ist z. B. dann der Fall, wenn beide bei der Auseinandersetzung nur ihre unterschiedlichen Standpunkte vertreten haben. Hier ist kein Raum für eine Entschuldigung nur um den Streit zu schlichten. Stattdessen ist es besser, das Gespräch zu suchen und zu klären, wie sich der Streit beilegen lässt. Dazu müssen beide beitragen. Eine Entschuldigung wäre das Signal, dass der andere recht hatte. Der eigentliche Konflikt wird nicht gelöst.

Wie sollte eine Entschuldigung formuliert werden?

Sich richtig zu entschuldigen ist eine Kunst. Wer zerknirscht ist, versucht vielleicht, wenigstens die eine oder andere Erklärung einzufügen. Solche Erklärungen dürfen aber nicht zu Ausflüchten werden. Dabei ist es verständlich, dass der, der sich entschuldigt, das Gesicht wahren will. Die Entschuldigung darf sich auch nicht so anhören, als würde sie nur aus Pflichtgefühl geäussert. Sie sollte daher präzise formuliert sein und im richtigen Tonfall ausgesprochen werden. Das heisst, dass es nicht ausreicht, dem Partner im Vorbeigehen oder nebenbei ein „sorry“ zuzurufen. Eine Entschuldigung sollte trotzdem knapp formuliert sein. Sie bringt erkennbar das Bedauern zum Ausdruck. Mehr ist nicht nötig. Nun hat der Partner oder die Partnerin das Wort. Bestenfalls nimmt er oder sie Entschuldigung an. Es kann auch durchaus sein, dass die Vorwürfe erneut geäussert werden.

An dieser Stelle ist es wichtig, nicht zu widersprechen. Andernfalls wäre das der Beweis dafür, dass die Entschuldigung nicht ernst gemeint war. Trotzdem ist es gut, wenn sich daraus ein Gespräch ergibt. Eine Entschuldigung ist nur die Aussage, dass man sein Fehlverhalten erkannt hat und es bedauert. Das kann den Abschluss einer Auseinandersetzung bedeuten, es kann aber auch sein, dass nun genügend Ruhe in die Streitigkeit gekommen ist und die eigentliche Klärung erfolgen muss. Dann kann es hilfreich sein, sich dafür etwas Zeit zu nehmen. Ein gemeinsamer Spaziergang ist dafür sehr gut geeignet.

Nur glaubwürdige Entschuldigungen werden angenommen – aus Fehlern muss man lernen

Es gibt Menschen, die sich zwar bereitwillig und auch ehrlich für einen Fehler entschuldigen, diesen Fehler aber bei der nächsten Gelegenheit wiederholen. Das führt früher oder später dazu, dass sich die Entschuldigung abnutzt und sie nicht mehr ernst genommen wird. Wer sich entschuldigt, sollte das Realisieren des Fehlers auch als Chance nutzen. Das bedeutet, dass sich etwas ändern muss. In einer Beziehung sind Toleranz und die Bereitschaft, sich anzupassen, eine wichtige Voraussetzung. Das kann auch dazu führen, dass sich bestimmte Verhaltensweisen ändern müssen.

Entschuldigungen annehmen ist nicht immer leicht

Zur Kunst, sich richtig zu entschuldigen, gehört auch die Kunst, eine Entschuldigung anzunehmen. Das beinhaltet die Bereitschaft, es gut sein zu lassen, zu verzeihen und sich weitere Vorwürfe zu sparen. Auch das kann schwerfallen, wenn der Entschuldigung eine tiefe Kränkung vorangegangen ist. Eine Entschuldigung anzunehmen heisst daher nicht, dass beide im Anschluss zur Tagesordnung übergehen müssen. Vor allem die gekränkte Person muss das Erlebte verarbeiten und braucht dafür Zeit. Das muss der Partner akzeptieren. Natürlich kann es auch passieren, dass das nicht gelingt. Oft ist das der Fall, wenn das Vertrauen ernsten Schaden genommen hat. Selbst wenn der Wunsch da ist, zu verzeihen, es gelingt womöglich nicht. Das muss in jedem Fall ausgesprochen werden.

Eine Möglichkeit ist, dass der, der einen Fehler gemacht hat, seine Entschuldigung noch einmal wiederholt. Vielleicht war sie zuvor einfach nicht aufrichtig genug. Falls auch das nicht ausreicht, kann das zu einer Trennung führen. Es gibt Fehler, die grundsätzlich unentschuldbar sind, wie Gewalt oder auch Handlungen, die den Partner oder die Partnerin in Schwierigkeiten oder sogar in Gefahr bringen. Andere wiederum sind schwer zu verzeihen, wie das Fremdgehen oder eine schwerwiegende Lüge, aber auch das Verschweigen einer wichtigen Information und das Ausspionieren. Wenn wichtige Regeln innerhalb einer Beziehung gebrochen werden, ist es für eine Entschuldigung meist zu spät.

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