Zusammenziehen in die erste gemeinsame Wohnung

Wenn zwei Menschen sich in einander verlieben und diese Liebe wächst, dann wollen sie viel Zeit miteinander verbringen. Während es in der ersten Zeit noch aufregend ist, sich zu bestimmten Uhrzeiten zu verabreden, wächst schliesslich der Wunsch auf ein gemeinsames Heim. Die Entscheidung ist wichtig, gewissermassen eine kleine Ehe oder ein erster grosser Test, denn jetzt zeigt sich, ob man wirklich zueinander passt. Gleichzeitig lautet das Signal nach aussen: Wir gehören zusammen.

Die grosse Belastungsprobe

erste gemeinsame wohnung„Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
Ob sich das Herz zum Herzen findet!
Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.“

Soweit die Worte von Friedrich Schiller. Was sich früher fast immer auf die Theorie des Kennenlernens beschränkte und das echte Zusammenlieben aussen vor liess, erlaubt uns heute sehr viel mehr. Es ist gesellschaftlich akzeptiert, dass unverheiratete Paare gemeinsame Räume beziehen. Das ist eine grosse Chance, aber die Hoffnungen und Ängste sind nicht weniger geworden. Die meisten Männer und Frauen, die sich entscheiden, zusammen zu ziehen, haben bereits Beziehungen hinter sich.

Mit dem Schritt, die erste gemeinsame Wohnung zu beziehen, setzen sie ein Zeichen, auch für den Partner. Es ist daher wichtig, dass sich beide sicher sind, dass sie eine gemeinsame Wohnung wirklich wollen. Niemand sollte sich zu dieser Entscheidung drängen lassen, denn sie wieder rückgängig zu machen, ist mit grossem Stress und nebenbei auch mit einer erheblichen finanziellen Belastung verbunden.

Die Entscheidung für die Wohnung

Bevor Sie anfangen, die Wohnsituation zu analysieren und sich auf Wohnungssuche begeben, sollten Sie gemeinsam überlegen, was Ihnen wichtig ist. Natürlich muss der finanzielle Rahmen berücksichtigt werden. Erklären Sie, was Ihnen sehr wichtig ist und wo Sie kompromissbereit sind.

Sehr wichtig ist die Grösse der Wohnung. Manche Menschen kommen wunderbar damit zurecht, mit ihrem Partner in einem 1,5 Zimmer Appartement zu leben. Für andere ist allein die Vorstellung zu viel. Finden Sie heraus, ob Sie oder Ihr Partner einen Rückzugsort braucht, und verlegen Sie diesen Ort nicht in einen fensterlosen Kellerraum. Freiräume zu wollen bedeutet nicht, dass etwas mit den Gefühlen nicht stimmt, sondern ist Teil der Persönlichkeit.

Dennoch, wenn Sie zusammenziehen, wollen Sie auch zusammenleben und möglichst viel Zeit miteinander zu verbringen. Dazu gehören gemeinsame Mahlzeiten, mindestens teilweise gemeinsame Unternehmungen und ein gemeinsames Schlafzimmer. Grundsätzlich sind Sie aber in Ihrer Entscheidung frei. Wenn ein Partner sehr unruhig schläft und der andere einen sehr leichten Schlaf hat, können sogar getrennte Schlafzimmer sinnvoll sein, bevor chronischer Schlafmangel die Folge ist. Berücksichtigen Sie das aber unbedingt vor der Wohnungssuche.

Die Einrichtung – Chance oder vorprogrammierter Streit?

Wohnung einrichtenHier sind es vor allem die Damen, die das Kommando haben, während die Herren sich eher zurückhalten und oftmals dankbar sind, nicht an allen Entscheidungen teilhaben zu müssen. Das ist keine gute Lösung. Auch wenn die Planung der Einrichtung und der Möbelkauf anstrengend sind, planen Sie gemeinsam und miteinander.

Sicher werden Sie bei den Kosten zusammenlegen. Nehmen Sie aber Rücksicht, wenn einer weniger verdient und sich deshalb weniger einbringen kann. Klären Sie gemeinsam, welcher Stil es sein soll und bemühen Sie sich um Kompromisse. Das ist umso wichtiger, wenn einer von beiden einen extremen Geschmack hat. Auf die Spitze getrieben, müssen Sie als Mann kein rosa Plüschsofa akzeptieren und als Frau keine Metallregale.

Lassen Sie sich auch im Zustand grösster Verliebtheit nicht auf das ein, was der andere will aber was nicht zu Ihnen passt. Andernfalls ist der spätere Streit vorprogrammiert. Wenn Sie nicht sicher sind, gehen Sie mit dem Plan der ausgewählten Wohnung in ein gutes Möbelgeschäft, das verschiedene Stilrichtungen bedient, und lassen Sie sich beraten. Alternativ können Sie sich auch mit speziell hierfür entwickelten Computerprogrammen helfen. Solche Programme gibt es auch auf den Internetseiten der grösseren Möbelfirmen. Hier dürfen Sie auch unabhängig voneinander experimentieren und dann dem anderen Ihre Ideen vorstellen. Folgende Tipps können Ihnen ebenfalls helfen:

Für die Wohnungssuche:

  • Suchanzeige aufgeben
  • auf Immobilienportalen anmelden
  • Schwarze Bretter in Geschäften nutzen
  • einen Makler beauftragen

Für die Einrichtung:

  • einen Plan erstellen
  • Computerprogramme für die Wohnungseinrichtung
  • Beratung im Möbelgeschäft

Vergessen Sie bei allem Stress die Vorfreude nicht! Schliesslich starten Sie in eine gemeinsame Zukunft.

Sie sind zusammengezogen – So geht es weiter

Wohnung fertig eingerichtetEs ist nicht ungewöhnlich, wenn sich nach einigen Monaten eine gewisse Ernüchterung einstellt. Die Aufregung der ersten Wochen wird sich legen und der Routine weichen. Achten Sie darauf, dass Ihre Gefühle nicht auf der Strecke bleiben.

Die Gefahr besteht vor allem dort, wo beide Partner beginnen, ihre eigenen Interessen durchsetzen zu wollen. Die Toleranz kann schwinden, dabei sollte sie bei beiden gleichermassen vorhanden sein. Hauptstreitpunkte sind.

  • Fenster nachts geöffnet oder geschlossen
  • Nähe und Distanz (Kuscheln, Reden, gemeinsame Unternehmungen)
  • Schlafverhalten
  • Mahlzeiten
  • Freizeitgestaltung
  • Aufräumen

Es ist normal, dass sich die Schwerpunkte in den ersten Monaten verschieben. Fordern Sie trotzdem nicht die ungeteilte Aufmerksamkeit. Gestehen Sie Ihrem Partner zu, dass er oder sie auch eigene Interessen hat. Sie brauchen sich nicht zurückgesetzt zu fühlen, wenn er oder sie glücklich und erholt vom Sport nach Hause kommt. Freuen Sie sich mit Ihrem Lebenspartner. Auch das gehört zum gemeinsamen Leben dazu. Behalten Sie bei Konflikten außerdem immer im Fokus, dass Sie mit dieser Person Ihr Leben verbringen möchten. Das hilft Ihnen, die nötige Toleranz aufzubringen. Fordern Sie aber das auch für sich.

Lösen Sie Konflikte ausserhalb!

Gehen Sie nie böse miteinander in die Nachtruhe. Auch wenn Sie sauer sind, akzeptieren Sie, dass sachliche Auseinandersetzungen der schnellste Weg durch eine Krise sind. Schweigen verschlimmert die Situation und verhärtet die Fronten. Schweigen macht unglücklich und schürt Zweifel. Nutzen Sie also die Vorteile der räumlichen Nähe und bitten Sie um ein ehrliches Gespräch. Gehen Sie dazu im Zweifelsfalle beide aus der Wohnung und treffen sich in einem Café oder in einer Wirtschaft. Essen Sie gemeinsam, trinken Sie etwas und nutzen Sie die Zeit, die Dinge zu klären, die zwischen Ihnen stehen. Neutraler Boden ist für solche Gespräche erheblich besser geeignet, als die eigenen vier Wände.

Ihre Wohnung ist Ihr Schutzraum. Ein Streit kann hier schneller eskalieren, weil sie neben Ihrer Persönlichkeit auch noch Ihren Wohnraum gegen den emotionalen „Eindringling“ verteidigen, zu dem Ihr Partner/Ihre Partnerin in diesem Moment wird. Sie sind je nach Wesen entweder angriffslustiger oder angreifbarer. Ausserdem werden Sie in fremder Umgebung eher das Bedürfnis haben, sich leise auseinander zu setzten. Auch das nimmt Schärfe aus der Streiterei. Wenn Sie sich vertragen und gemeinsam nach Hause gehen und Ihre Wohnung betreten, werden Sie den Vorteil dieser Vorgehensweise sehr genau spüren.

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