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Narzissmus und Partnerschaft

selbstliebe und narzissmusDass Beziehungen mal mehr und mal weniger harmonisch verlaufen, ist nicht ungewöhnlich. Es gibt aber auch Verbindungen, die aufgrund der Charakterzüge zu dauerhaften Problemen führen können. Noch schwieriger wird es, wenn Störungen der Persönlichkeit hinzukommen. Dazu gehört auch der Narzissmus. In der Partnerschaft kann eine narzisstische Persönlichkeit zu einer ernsten Belastung werden. Leben Sie vielleicht in einer solchen Beziehung? Nachfolgend erfahren Sie, was einen Narzissten ausmacht und welche Wege es aus der belastenden Situation gibt.

Was ist eine Narzisstische Persönlichkeit

Wer über eine narzisstische Persönlichkeit verfügt, tritt nach aussen stark auf, gewinnt seine Stärke aber nur aus der Bewunderung anderer. Der Narzisst ist daher bemüht, sich mit Personen zu umgeben, die ihn für seine Stärke und scheinbare Unabhängigkeit bewundern. Er will sein Umfeld kontrollieren, vor allem, um seine Anerkennung zu sichern. Gleichzeitig duldet er aber keine Einmischung in seine eigenen Befindlichkeiten. Bewusst hält er Partner und Familie aus seinen eigenen Ängsten und Nöten heraus und verhindert so Schwäche zu zeigen, die ihn möglicherweise angreifbar macht und vor allem alle anderen Personen stärker dastehen lässt. Solche Personen sind sich bewusst, dass sie abhängig von der Bewunderung und Anerkennung sind, und leiden mitunter auch darunter. Auf der anderen Seite erleben sie grosse Glücksgefühle, wenn sie die Bewunderung anderer fühlen.

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Was ist mit dem Partner des Narzissten

Die meisten Menschen mit narzisstischer Persönlichkeit sind Männer. Sie interessieren sich besonders für Frauen, die ihnen die gewünschte Bewunderung entgegen bringen. Oftmals handelt es sich dabei um Frauen, die ihrerseits besonders begehrenswert sind und auch von anderen Männern umgarnt werden. Das muss aber nicht am Aussehen liegen, auch Frauen, die besonders erfolgreich sind, üben auf diese Männer eine grosse Attraktivität aus. Die Frage ist also, was reizt durchaus erfolgreiche Frauen an diesen Männern? Dafür gibt es Erklärungen. Zunächst durchschauen die Frauen zu Beginn nicht, dass sich hinter dem vermeintlich starken Mann eine narzisstische Persönlichkeit verbirgt. Stattdessen sehen sie einen Mann, der souverän im Leben steht und andere Menschen durch sein Verhalten und sein Handeln überzeugen kann.

Er ist damit scheinbar ein starker Lebenspartner, der gerne Verantwortung übernimmt und auch Konflikte nicht scheut. Das macht ihn attraktiv. Aber das ist noch nicht alles. Frauen, die sich von dominant auftretenden Männern beeindrucken lassen, identifizieren sich mit dieser Stärke. Sie wären gerne ebenfalls souverän. Oftmals würden sie selbst gerne etwas mehr im Mittelpunkt stehen, aber es fehlt ihnen die erforderliche Stärke, das auch umzusetzen. Das ist menschlich und kein Charakterfehler. Es ist ein natürlicher Prozess, dass wir uns von Persönlichkeiten angezogen fühlen, denn sie vermitteln Sicherheit. Bewusst oder unbewusst erhoffen sich viele Frauen an der Seite eines starken Mannes aber auch mehr Aufmerksamkeit und mehr Anerkennung. Ist dieser Mann ausserdem wohlhabend, kann auch der Reiz des Reichtums ein entscheidender Grund sein, warum eine Frau sich für einen solchen Mann entscheidet und auch bei ihm bleibt, wenn sie sein Wesen erkannt hat. Der Experte spricht in diesem Fall von Kollusion. Beide Partner weisen emotionale Schwächen auf, die so exakt zueinander passen, dass sie die Bedürfnisse des anderen befriedigen. Was hier aber fehlt, ist die natürliche Anpassung an den anderen. Während in einer normalen Beziehung jeder einmal „zurücksteckt“, besteht in der Beziehung mit einem Narzissten ein Ungleichgewicht, das zudem auch noch sehr störanfällig ist und zu einem emotionalen Desaster führen kann.

Warum ist eine solche Zweierbeziehung so anfällig?

Vain businessmanIn einer Zweierbeziehung muss ein Gleichgewicht zwischen den Partnern bestehen. Andernfalls gibt einer von beiden den Ton an und der andere unterliegt. Bei Narzisten kann das zu erheblichen psychischen Leiden bei beiden führen.

Dem Narzissten ist durchaus bewusst, dass er Grenzen überschreitet. Sein typisches Verhalten ist das Umgarnen und geäußerte Liebesbeteuerungen, gefolgt von kalter Zurückweisung, wenn ihm etwas nicht passt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich ein solcher Mann hin und wieder zurückzieht, möglicherweise sogar für einen gewissen Zeitraum unerreichbar ist und jede Kontaktaufnahme unterbindet. Es kann durchaus sein, dass er das auch in dieser Deutlichkeit formuliert.

Dazu gehört auch die kalte Zurückweisung einer normalen Sorge um einen geliebten Menschen. Der Narzisst fürchtet sich vor dieser Sorge, denn er will stark und unbesiegbar sein. Wer sich um jemanden sorgt, tut das, weil die Person möglicherweise schutzbedürftig ist und das ist der Narzisst nicht, bzw., er will es nicht sein. Er will, dass sein Zurückziehen als Stärke wahrgenommen wird, er möchte der einsame Wolf sein, der niemanden braucht. Innerlich ist er in diesen Phasen aber zerrissen und unsicher. Nun ist eine Frau, die sich für einen Narzissten entscheidet, in den meisten Fällen bemüht, die „Launen“ des Mannes zu kompensieren. Sie kann sein Auf und Ab nicht nachvollziehen und wird durch überschwängliche Zuneigung auch regelmässig beschwichtigt. Vorübergehend ist die Verschmelzung der beiden Persönlichkeiten dann wieder gegeben. In diesen Phasen kann die Beziehung fast perfekt wirken.

Der scheinbare Traummann wird sich bemühen, dieses Bild aufrechtzuerhalten. Stellt die Partnerin ihn zur Rede, ist kaum mit einem einsichtigen Verhalten zu rechnen. Da der Narzisst aufgrund seines Wesens besonders anfällig für Kränkungen ist, kann er in solchen Auseinandersetzungen auch heftig reagieren. Das bedeutet nicht, dass er zu Gewalt neigen muss. Impulsive Reaktionen sind aber leicht möglich. Frauen, die mit einem narzisstischen Mann zusammenleben, erleben z. B. die Situation, dass sie einem beleidigt davonstürmenden Mann hinterher laufen. Die Auslöser sind selten dramatisch und für emotional stabile Menschen sogar Kleinigkeiten.

Das ist auch der Grund, warum die Partnerin den schlichtenden Part übernimmt. Der Streitpunkt ist die heftige Reaktion in ihren Augen nicht wert. Auch ein Herausfordern von der Seite des narzisstischen Mannes ist nicht ungewöhnlich. Ein Beispiel dafür ist, dass sie etwas plant, was ihm nicht passt und er das Vorhaben nicht direkt verbieten will, dafür aber gleich mit überzogenen Konsequenzen droht. Meist handelt es sich dabei um Liebesentzug. So entsteht ein Zustand der emotionalen Erpressung, der sich auch schleichend einstellen kann. Was launisch wirkt, ist tatsächlich die Angst vor dem Kontrollverlust und keineswegs ein normales Verhalten.

Ist das Liebe?

narzisstDiese Frage werden Sie sich sicherstellen, wenn Sie in einer Beziehung mit jemandem leben, der narzisstische Charakterzüge aufweist. Wenn das so ist, werden Sie sicher das Gefühl haben, dass die Beziehung Sie sehr viel Kraft kostet. Solange es glückliche Momente gibt, fällt es Ihnen vermutlich schwer, sich daraus zu befreien. Vielleicht hoffen Sie darauf, dass Ihr Partner sein Verhalten irgendwann ändert. Gute Freunde oder auch Angehörige haben Sie aber sicher schon darauf hingewiesen, dass diese Beziehung destruktiv ist und diese Personen haben recht. Das antisoziale Verhalten des Partners führt zur Ihrer Entwertung. Ist das Liebe? Von Ihrer Seite vermutlich schon. Und auch ein Narzisst kann einen Menschen ehrlich lieben.

Aber das ändert nichts daran, dass er sich selbst noch wichtiger ist. Narzisstisch veranlagte Menschen haben zudem eine Neigung, keine feste Beziehung eingehen zu wollen. So fällt es ihnen leichter, sich aus einer Situation zu befreien. Auch die Neigung zu Affären wird ihnen häufig nachgesagt, denn dabei ist es deutlich leichter, sich heroisch zu geben. Zwar wird er der Affaire seine Liebe versprechen, aber gleichzeitig erklärt er sich als verantwortungsvoller Ehemann und Familienvater, der trotz seiner Gefühle die Familie nicht verlässt. Er schafft es also auch in dieser Situation noch, sich als Held zu präsentieren. Allerdings sind nicht alle Fremdgänger Narzissten!

Destruktive Beziehungen verändern die Menschen

Leben Sie in einer Beziehung mit einem narzisstisch veranlagten Menschen? Je nachdem, wie lange diese Verbindung schon andauert, haben Sie vermutlich schon die ersten Veränderungen an sich beobachtet. Es ist gut möglich, dass Sie sich heute Dinge gefallen lassen, die für Sie früher undenkbar gewesen wären. Sie wissen sicher auch, warum Sie das tun, denn Sie wollen in einer möglichst friedlichen Beziehung leben, mit dem Mann oder der Frau, die Sie bewundern.

Je mehr Sie sich aber zurücknehmen und je mehr Sie sich das Verhalten gefallen lassen, desto schwächer werden Sie, während Ihr Partner oder die Partnerin mit narzisstischer Neigung weiter an Kraft gewinnt. Sie geraten in einen Teufelskreis, aus dem Sie sich befreien müssen. Bedenken Sie, dass die Entwicklung Ihrer Liebe und Ihrem Selbstvertrauen schadet und auch die Person an Ihrer Seite kann auf Dauer so nicht glücklich werden.

Gibt es einen Weg aus der Krise?

Narzisstische Persönlichkeiten sind nicht alle gleich. Sprechen Sie mit der Person, mit der Sie eine solche Beziehung führen. Warten Sie dafür aber einen Zeitpunkt ab, der sich dafür wirklich gut geeignet. Sie beide sollten ohne Zeitdruck und entspannt sein. Tasten Sie sich vorsichtig an das Thema heran, bleiben Sie aber kompromisslos in Ihrer Haltung. Nicht Sie müssen Ihr Verhalten ändern, sondern der oder die andere. Bringen Sie zum Ausdruck, wie schmerzhaft die Unterdrückung Ihrer Persönlichkeit ist und dass Sie sich eingeengt fühlen. Seien Sie darauf gefasst, dass Sie kein Verständnis bekommen und dass der Partner Ihnen vermitteln will, dass er oder sie eben so ist. Das ist eine typische Reaktion, die in solchen Situationen sehr trotzig wirkt und es auch ist. Aber so funktioniert eine faire Beziehung nicht. Bringen Sie das ruhig zum Ausdruck. Falls Sie Kinder haben, werden Sie bei einem solchen Gespräch möglicherweise das Gefühl haben, mit einem Kind in der Trotzphase zu sprechen, das berichten viele Menschen, die mit Narzissten gelebt haben.

Alternativ können Sie sich auch Schritt für Schritt Ihre Freiräume zurück erobern. Das kann dazu führen, dass die Beziehung zerbricht. Betroffene berichten aber rückblickend oft, wie befreit sie sich gefühlt haben, nachdem sie sich abgelöst haben. Dennoch gibt es Narzissten, mit denen ein Zusammenleben möglich ist. Entscheidend ist, wie stark die Störung ausgeprägt ist. Und das sollten Sie stets im Hinterkopf behalten. Es handelt sich um eine Störung.

Wenn Sie selbst Narzisstisch veranlagt sind

alles dreht sich um michVielleicht sind Sie es selbst, der an sich narzisstische Züge entdeckt hat und daran etwas ändern will. Das ist durchaus möglich. Sie müssen dazu Ihr Verhalten und auch die Auslöser analysieren. Psychotherapeuten können dabei wertvolle Hilfe leisten.

Wenn es Ihnen an Motivation fehlt, führen Sie sich vor Augen, dass Sie mit einem Wechsel Ihres Verhaltens nicht schwächer werden, sondern sehr viel stärker. Sie werden sich weiterhin über Anerkennung freuen, verlieren aber das Bedürfnis, sich ständig rückzuversichern, dass man Sie schätzt und bewundert. Sie werden sich ausserdem befreit fühlen, wenn es Ihnen gelingt, Ihren Partner oder Ihre Partnerin loszulassen, ohne den Verlust zu befürchten.

Das bedeutet, dass Sie insgesamt ein deutlich stressfreieres Leben führen und sich ganz auf ihre tatsächlichen Stärken konzentrieren können. Die Veränderungen werden Sie vor allem an Ihrem Umfeld bemerken. Narzisstische Persönlichkeiten, denen es gelingt, ihr Verhalten zu analysieren und zu verändern, bekommen die positiven Rückmeldungen für gewöhnlich schnell, vor allem von den sensibleren Personen in Ihrem Umfeld, bei denen Ihr Verhalten Ängste ausgelöst hat, vermutlich ohne dass Sie das eigentlich wollten. Sie werden in der Achtung der Menschen gewinnen, auch ohne dass Sie ihnen erklärt haben, dass Sie an Ihrem Verhalten arbeiten. Sie müssen sich nicht outen. Berücksichtigen Sie, dass Sie Ihre Führungsqualitäten behalten und auch alle anderen Fähigkeiten, die alle an Ihnen bewundern. Lediglich die quälende Sorge um Anerkennung können Sie hinter sich lassen.

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